3, 2, 1…

Nach einer langen Durststrecke ohne „medical camps“ wurden vergangene Woche nicht ein oder zwei, sondern vier Stück an verschiedenen Stellen der Stadt veranstaltet. Auf dem Weg dorthin gab es auch den ersten Auffahrunfall. Nicht weiter schlimm, um die Sache nicht zu dramatisieren. So was kann bei den plötzlichen Bremsmanövern auf Grund von aus dem Nichts erscheinenden Taxis oder den „Geschwindigkeitsbrechern“ in Form von Bodenwölbungen, die oft schwer erkennbar sind, schnell passieren. Nach einem kurzen verbalen Aggressionsaustausch ist das aber auch wieder aus der Welt.
Angekommen gab es einiges zu tun, da gerade Erkältungszeit ist. Ja, hört sich doch etwas verrückt an, dass das hier zwar auch im Winter, trotzdem aber bei tagsüber mindestens 30 Grad, der Fall ist. Zum Glück bin ich da also andere Temperaturunterschiede gewöhnt.
Somit konnten wir bei den 4 camps zusammenaddiert 321 Menschen versorgen, eine Zahl, die die erfolgreiche Woche gut abrundet

 

Außerdem stand ein wichtiges erstes Treffen im Day Care Center an, bei dem die Eltern über Impfungen, insbesondere Kinderlähmung, aufgeklärt wurden. Hierzu folgt in den kommenden Wochen die Impfung, da alle Eltern sehr überzeugt schienen.

 

 

Des Weiteren wurden wir auf einen Mann in sehr schlechter Verfassung aufmerksam gemacht. Bei Patienten, welche offensichtlich nicht in der Lage sind sich selbst zu versorgen, oder Anzeichen auf beispielsweise Tuberkulose aufweisen, wird die Polizei von uns benachrichtigt, um den Patienten dann in ein Krankenhaus oder Rehabilitationszentrum zu befördern, da das ohne Fahrzeug nicht möglich ist. Diese Zusammenarbeit hat ein weiteres Mal, direkt in der Nähe des Büros, sehr gut geklappt. Aber leider sammelt sich auch hier innerhalb von Sekunden eine riesige Menschenmasse, um das Geschehen zu beobachten. Da kommt man sich schon etwas blöd vor, wenn man selbst praktisch dazu gezwungen ist das Geschehen genau zu beobachten und für die Dokumentation auch noch Fotos machen muss. Trotzdem überwiegt das gute Gefühl im Anschluss, dass der Mann nun, zumindest für einen gewissen Zeitraum, ein Dach über dem Kopf hat, regelmäßige Mahlzeiten bekommt und zumindest die Chance auf eine erfolgreiche Zeit in der Entzugsklinik besteht.

Als ich mich nach dem Feierabend schon entspannt im Kinosessel niedergelassen hatte, dachte ich es würde nichts Außergewöhnliches mehr passieren. Falsch gedacht, denn gleich nach den teilweise fragwürdigen Werbungen mit sämtlichen Bollywood-Schauspielern standen sofort alle kerzengerade, um der Nationalhymne zu lauschen und bei Bedarf mitzusingen.

Auf den etwas längeren Zugfahrten kann die Zeit hier aber gleich noch sinnvoll genutzt werden um den ein oder anderen Einkauf zu erledigen. Durch die vorhandenen reinen Frauenabteile findet man also oft eine riesige Auswahl an Schmuck, Nagellack und Haarutensilien, glücklicherweise aber auch oft Obst zu Schnäppchenpreisen.

Auf so einer Zugfahrt ging es am Wochenende in den Nationalpark Mumbais. Den größten weltweit, der komplett von einem Stadtgebiet umgeben ist. Er ist der Grund, warum die Verschmutzungs- und Smogverhältnisse hier immerhin noch nicht die Ausmaße Delhis erreicht und Mumbai auf der ‘Liste der Städte mit der weltweit stärksten Luftverschmutzung’ lediglich Platz 151 erreicht. Hinauf durch frische Luft und Bambuspfade zum höchsten Punkt Mumbais, von dem man zugegebenermaßen keinen klaren Blick hat, den hat man vom Brocken aus aber auch nicht :D. Auch wenn die Gründe dafür dort wohl weniger umweltbelastend sind.

Hat sich jemand von euch schon einmal gewünscht, einfach mal wieder Kind zu sein, nur für eine Weile…? Kein Problem, denn wenn „Kabaddi“ auch bei uns etabliert wird, steht dem Fangen-Spiel als anerkannte Sportart nichts mehr im Wege. Hierbei wird doch sehr viel ernster an die Sache herangegangen, von Grund auf sind die Regeln aber nicht sehr viel komplizierter. Aber nur für Mitspieler, die kein Problem mit der Erlaubnis des ‚Wiedertipps‘ haben geeignet :D.

Die letzten Wochen vor Weihnachten stehen bevor und es ist viel geplant. Wie genau das umgesetzt werden kann und wird steht noch offen, ich denke aber, dass wir trotz der momentan fehlenden finanziellen Mittel etwas Schönes auf die Beine stellen werden.

Von der ersten indischen Hochzeit, oder auch nicht…

Wieder zurück in Mumbai konnte ich mich zuerst einmal auf ‚aam paper‘ freuen, ein aus Mangosaft hergestelltes Fruchtleder, was der perfekte Ersatz für die hier so gut wie nicht vorhandenen Gummibärchen ist. Mit in meinen Beutel wanderte auch noch ein Zimtapfel, den ich im Kinderheim endlich probiert habe, da ich mir so abschauen konnte wie und was man davon isst.
Diese Woche vermischten sich Mumbai und das Agape Village ein wenig, da einige der Kinder die Ferien bei ihren Familien verbracht hatten. Auch mit Gips und ohne Krücken wurde das Ziel irgendwie erreicht. Beim Besuch dieses Jungen hatte ich zuerst gedacht, dass die kleinteilige Gras- und Unkrautentfernung im gegenüberliegenden Park etwas übertrieben ist. Bei längerer Beobachtung stellte ich dann allerdings fest, dass die Männer Büschel für Büschel einzeln in die Erde stopfen, so kann man den Tag also auch rumkriegen…. Wir besuchten unter anderem die Mutter eines Jungen aus dem Agape Village. Durch Gassen, in denen man als hier überdurchschnittlich große Person besonders auf seinen Kopf achten und sich doch noch schnell schlanker machen musste, erreichten wir schließlich das Zimmer. Als wir ankamen, verschaffte ich mir zuerst einmal einen Überblick über die ca. 8m2, in der für 2 Frauen alles, bis auf eine Toiletten-/Waschecke zu finden war. Als ich so dasaß, wurde mir nach kurzem Durchdenken bewusst, dass in diesen Raum noch nicht einmal mein Bett von zu Hause, auf Grund der Breite, Platz hätte. Wie sähe das mit euren Möbeln und sonstigem Hab und Gut aus?
Schmal machen muss man sich auch in einigen Läden, in denen einfach alles was noch keinen neuen Besitzer gefunden hat übereinandergestapelt wird und man gerade so einen Fuß vor den anderen setzen kann. Amüsant finde ich die Straßen, in denen sich nahezu ein und dasselbe Geschäft aneinanderreiht, Tür für Tür. Das hört sich bei Elektronikgeschäften, bei denen es in einem Viertel geschätzt 50 auf einem Fleck gibt schon unnötig an, wenn man das gleiche Phänomen mit Spiegeln entdeckt gerät das dann schnell in den Hintergrund. Ja richtig, mindestens 10 Geschäfte hintereinander, die ausschließlich Spiegel in ihrem Sortiment haben. Leider hatte ich dafür gerade keinen Bedarf.
Am Wochenende stand die Hochzeit der ehemaligen Kollegin an, die sich ein paar Wochen zuvor leider aus dem Büro verabschiedet hatte. Schon etwas verspätet machten wir uns auf den Weg, auf welchem ich eigentlich gedacht hätte, dass das suspekte Fotografie-Verbot auf der Brücke, die wir überquerten, dass einzige Interessante wäre, um das Ziel noch vor Schluss der Zeremonie zu erreichen. Nachdem wir es nach 2 Stunden Kampf durch den Verkehr eigentlich schon fast geschafft hatten, ging dann plötzlich gar nichts mehr am Auto. Also ging es bei 34 Grad in der Mittagssonne erstmal ans Werkstatt suchen, was am Sonntag auch eine Herausforderung war, die letzten Endes auch nicht einmal abgeschlossen werden konnte. Also wurde schnell noch ein anderer hilfsbereiter Mann hinzugeholt, der mir half, das Auto von der Straße zu schieben, damit wir mit einer Auto-Rikscha weiterfahren konnten. Endlich angekommen gab es zwar kein Programm mehr, dafür konnten wir das Paar noch beglückwünschen und uns satt essen. Das auch bei besonderem Ambiente, da der Essenssaal aus einem Klassenzimmer bestand, in dem man auf der Tafel auch noch etwas vom vergangenen Englischunterricht aufschnappen konnte. Das Abenteuer wurde aber noch weitergeführt, da nachdem der Abschleppdienst ankam und die Reifen blockierten, noch ein paar mehr hilfsbereite Menschen nötig waren, die eine Achse abmontierten, bevor wir dann 4 Stunden später als geplant die Rückreise antreten konnten. Da Timothy dann noch eher aussteigen musste, um zu einem Termin zu gehen, konnte ich dann noch die letzte Herausforderung bewältigen, indem ich den Fahrer ohne gemeinsame Sprache zurück navigierte, um dann noch irgendwie einen freien Platz für die Gefährte in der recht schmalen Einfahrt zu finden. Dementsprechend froh war ich dann meinen übriggebliebenen Zuckerrohrsaft im Kühlschrank zu finden und den Sonntag schlussendlich noch entspannt ausklingen lassen zu können.
Schon des Öfteren ist mir aber die Selbstverständlichkeit des Gebens aufgefallen. So verdient man hier als Bettler verhältnismäßig nicht schlecht. Ich möchte das keinesfalls zu positiv darstellen, allerdings sieht man selten niemanden ein paar Münzen aus der Tasche kramen, wenn nur etwas Geduld im Spiel ist. Dabei natürlich keine wahnsinnigen Summen, ein paar Cent, trotzdem mehr, bzw. öfter, als ich erwartet hätte.

 

Feuer, Feuer! Achso, das ist gewollt…

Die vergangene Woche war auch ohne Festival um einiges ereignisreicher als erwartet. Hier wurde mir aber wieder klar, dass ich mir genau das richtige Land ausgesucht habe, da ich mir nicht vorstellen kann, nach 9 Monaten hier alles normal zu finden.
Am Montag machte ich mich mit einem weiteren Mitarbeiter auf den Weg in ein Tuberkulosekrankenhaus, in dem wir 3 Patienten besuchten. Dass mich hier keine bekannten Verhältnisse erwarten werden war mir klar, dass hier aber wirklich jeweils um die 60 Patienten Bett an Bett in einer riesigen Halle auf uns warten würden, hat mich dann trotzdem ein wenig überrascht. Glücklicherweise haben sich bisher schon 2 von ihnen sehr gut erholt und können sogar bald wieder nach Hause. Die dritte Patientin hat leider noch sehr mit der Krankheit zu kämpfen, ich hoffe aber, dass wir ihr etwas mehr Mut und Kraft zusprechen konnten.
Zwischendurch hatte sich eine Mitarbeiterin am Teewasser verbrannt, wofür es aber schnell eine Lösung gab. Sofort wurde eine halbe Tube Zahnpasta auf den Arm geklatscht. Davon habe ich zwar auch schon mal als praktisches Hausmittel gehört, verwendet habe ich sie so aber noch nie.
Am Mittwoch wusste ich zu Beginn noch nicht so richtig, was mich an diesem Tag erwarten würde, da ich mir unter dem Namen ‚cleaning camp‘ zwar einiges vorstellen konnte, welche Ausmaße das aber nehmen würde hatte ich nicht gedacht. Als wir im Osten Mumbais aus dem Taxi stiegen warteten wir noch ein paar Minuten auf das Erscheinen einer anderen Organisation, welche einige hilfreiche Utensilien dabeihatte. Neben Essen und Trinken für die fleißigen Helfer, die uns später unterstützten, auch Besen, feuerfeste „Schaufeln“ (kleine Bretter, die so zum Einsatz kamen) und natürlich Handschuhe und Atemschutz. Mit dem Gepäck liefen wir durch eine schmale Gasse, in welcher der Geruch schon intensiver wurde und kamen an einer riesigen Überdachung an, unter der zahlreiche Menschen, Ziegen, Hühner und Hunde zu Hause sind. Da wurde nicht lang gefackelt und alle Mitarbeiter, Freiwillige und die helfenden Jungs verteilten sich in alle Bereiche der Halle, um möglichst viel Müll zu Haufen zusammenzukehren. Das war nicht unbedingt immer einfach. Neben der Hitze, die unter der Überdachung aber auszuhalten war, waren viele Plastikteile schon teilweise eingegraben, da ein Großteil des Untergrundes aus Erde und nicht aus Stein besteht. Da war nichts mit Perfektion und auch als wir die Haufen schlussendlich anzündeten, musste ich Gewohntes erstmal ganz weit in den Hintergrund schieben. Eine andere Möglichkeit gibt es hier aber leider nicht. Den Sport, den ich mir eigentlich für abends vorgenommen habe, konnte ich nach diesem Tag getrost verschieben, aber die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt. Auch wenn die Zustände trotzdem nichts mit Sauberkeit zu tun haben, kann man jetzt immerhin für einen gewissen Zeitraum umherlaufen, ohne an Plastiktüten, Schnüren oder Ähnlichem hängen zu bleiben. Eine Woche, die so also gern nochmal wiederholt werden kann (bis auf die Sache mit dem verbrannten Arm)…
Die nächsten 2 Wochen ist wieder etwas Abwechslung angesagt und ich werde im Agape Village, bei angenehmeren Temperaturen, aushelfen.

“Thanks, but no thanks to the British”

Auf den Tag genau bin ich heute schon einen Monat in Mumbai. Ein Monat der im Nachhinein wahnsinnig schnell umging, zum Glück liegen aber noch viele Ereignisse vor mir. Mumbai ist für mich ein Ort, an dem einem glücklicherweise niemals langweilig werden kann und man trotz der Tatsache, dass ich noch nie an einem Ort mit so viel Verkehr ohne Bedenken auf der Straße laufen kann, wenn man nur ein klein wenig Vertrauen mitbringt.
Die Arbeitswoche ging hier mal wieder schnell um, nicht zuletzt, weil am Dienstag Nationalfeiertag war. Genau einen Tag vor dem der deutschen Einheit wurde hier der Tag zur Feier des Geburtstages von Mahatma Gandhi ins Leben gerufen. Den Tag nutzte ich zum einen, um ihn passend im Gandhi-Museum, dem Haus, indem er während seiner Zeit in Mumbai lebte, zu verbringen. Eine gute Wahl, da hier alles mit Blumen geschmückt worden war. Doch auch ein zweites Museum fand noch Platz im Tag. Hierbei hatte ich Glück, da mich ein Einheimischer begleitete. Ausländer zahlen hier nämlich meist den 10-fachen Eintritt. Dabei überschreitet man die 2€ wahrscheinlich trotzdem so gut wie nie, trotzdem verstecke ich mich für einen Schnäppchenpreis von 10 Rupien dann doch gern mal hinter der nächsten Ecke :D. Außerdem war ich diese Woche beim Quizabend, bei dem ich nicht wegen des Aussehens, oder der anderen Sprache (Die Fragen wurden sowieso auf Englisch gestellt), sondern erst bei den Fragen bei denen alle anderen Hände innerhalb von 2 Sekunden gehoben wurden, da es beispielsweise um einen bekannten Sportler der Region ging, auffiel. Alles in allem bin ich aber wahnsinnig froh, dass es hier verhältnismäßig vollkommen unkompliziert ist, die Sprache nicht zu beherrschen. So erinnere ich mich gern mal an den Satz, den Timothy am ersten Tag zu mir sagte (siehe Überschrift). Der ursprüngliche Grund bezüglich der ehemaligen Kolonialherrschaft ist eher weniger positiv, allerdings macht es die einheitliche Sprache so für mich, aber auch für viele vor allem jüngere Einwohner, sehr viel einfacher zu kommunizieren. Immerhin etwas weiter bin ich aber beim Lernen gekommen. Die Zahlen zu beherrschen hilft vor allem beim Busfahren sehr. Da dieser nur circa 5 Sekunden hält und man die arabischen Ziffern meistens erst auf den zweiten Blick entdeckt, vereinfacht das die Busfahrt ein wenig.
Im Büro konnte ich diese Woche mit meinem Laptop punkten, da ich so alle Patienten der letzten Wochen und Monate in die Excel-Tabellen einschreiben konnte. Allgemein ist hier alles sofort zu digitalisieren auch eher schwierig, da solche Anschaffungen natürlich ziemlich ins Budget einschlagen. Etliche Bücher werden hier zur Dokumentation der verschiedenen Projekte benötigt, um nicht durcheinander zu kommen. So versuche ich jetzt ein bisschen mehr Ordnung rein zu bringen.
Am Freitag ging es in das Day-Care-Center im Norden von Mumbai. Vollgepackt mit einem Wagen zur Hilfestellung eines Kindes, welches nicht laufen kann, und 3 großen Säcken Reis ging es mit dem Taxi los. Schon nicht schlecht, für knapp 2€ einmal ohne Wartezeit durch halb Mumbai zu kommen. Mit dem ganzen Gepäck wären öffentliche Verkehrsmittel allerdings auch eine Tortur gewesen :D. Angekommen erwarteten uns zuerst ca. 25 3-4-jährige, die hier jeden Tag ein leckeres Mittagessen und außerdem die ersten Wörter englisch eingetrichtert bekommen. Da war erst gegen 11 ankamen, habe ich nur das mitbekommen. Von der Lautstärke hat das aber auch für einen Tag gereicht, da die Kinder beim Nachschreien der Wochentage und Zahlen mit vollem Elan dabei waren.
Im Anschluss an die ersten Mittagsgäste folgte dann der eigentliche Grund unserer Anreise. Zu Besuch kamen viele Kinder aus dem Projekt ‚Ankur‘, die hier zum Spielen, Essen und zum Austausch der Mütter und Mitarbeiter zusammenkamen. Erneut war es nicht schwer, mit Luftballons Begeisterung zu entfachen und gerade das Zerplatzen kam besonders gut an. Es war schön zu sehen, wie sich die Kinder trotz ihrer eigenen Einschränkungen gegenseitig geholfen haben und Rücksicht nahmen. Zum Schluss wurden noch ein paar Sequenzen für die Website aufgenommen.
Die 2€ fürs Taxi sind aber wiederum auch nichts im Vergleich zu den umgerechnet 6 Cent pro Person für die gleiche Strecke. Beim Zug und Bus fahren könnte ich mich theoretisch gut an die offenen Türen gewöhnen. Nicht nur einmal kam ich zu Hause um 2 Sekunden zu spät an und die Bahntüren ließen sich nicht mehr öffnen, oder der Busfahrer hatte einen schlechten Tag und hat mich ebenfalls stehen lassen. Gut, vielleicht doch lieber geschlossenen Türen im Winter, oder wenn es regnet… Vielleicht doch keine Idee, die auch in Deutschland umgesetzt werden sollte.
Ich bin gespannt auf die nächsten Wochen, da z.B. am Mittwoch schon das nächste Hindu-Festival beginnt!

„Also dein Nachname ist Michelle?“

Gut, so langsam sollte ich dann mal verstanden haben, dass Pläne, die ausgemacht werden, in vielen Fällen keine große Chance haben dann wirklich umgesetzt zu werden :D. Bei Mangel an Spontanität ist ein längerer Aufenthalt in Indien also keine wirklich gute Idee. So wurde der Gang ins Visabüro auf Montag verschoben. Doch auch da lief es, gut, ich habe es nicht wirklich anders erwartet, nicht reibungslos. Allerdings hat sich die Dame viel Zeit genommen, um das fehlende Dokument genau zu erläutern. Dabei klang es auch nicht gerade, als ob das Eile hätte, bzw. möglicherweise, ob es überhaupt jemanden interessiert, ob das noch eingereicht wird… Ich lasse das Ganze also mal auf mich zukommen. Dass ich das Büro mit einer Einheimischen besucht habe, hat die Sache wohl auch um einiges einfacher und stressfreier gemacht.
Auf der Arbeit stand diese Woche einiges an. Nachdem schon am Dienstag die Imcares-Klinik offenstand und die Patienten der näheren Umgebung mit Medizin versorgt wurden, fuhren 3 weitere Mitarbeiter, der Doktor und ich am Mittwoch in ein Slumgebiet im Osten Mumbais. Das ganz natürlich im nicht gerade geräumigen Taxi, mit kistenweise Patientenakten, Tabletten, Lotionen, …, zu viert auf der Rückbank und dass es keine Klimaanlage gibt muss ich wahrscheinlich nicht sagen. Da war das Aussteigen bei 31 Grad geradezu eine wohltuende Abkühlung. Angekommen bauten wir die Krankenstation dort auf, wo sonst ein Mann unter der Plane wohnt. Alle 2 Wochen räumt er sein zu Hause jetzt schon seit ca. 9 Jahren aus, um dem Team dort einen Platz im Schatten zu geben. Bei der Ausgabe von Medikamenten hat er auch noch geholfen, weshalb ich mich darauf konzentrieren konnte, kein Kind bei der Ausgabe von Luftballons zu vergessen. Ich freue mich schon wahnsinnig, beim nächsten Mal meine Gummibärchen mitzubringen und das strahlende Lächeln der Kinder bei solchen Kleinigkeiten zu sehen. Somit hatten wir schlussendlich um die 85 Patienten, was den Aufwand also absolut wert machte.
Am Freitag ging es dann ereignisreich weiter. Nach und nach trafen um die 30 Patienten ein, sodass der Tag vorerst mit viel Gesang und Gebet starten konnte. Anschließend erzählten ein paar der Anwesenden, von denen der Großteil HIV infiziert ist, von ihrer Geschichte und wie sich deren Leben in Zusammenarbeit mit Imcares verbessert hat. Danach gab es Zeit auch noch in einzelnen Gesprächen zu erörtern, wie es den einzelnen Menschen geht und wie geholfen werden könnte. Weitere Momente, in denen es schön wäre, mehr zu verstehen und nicht immer einen Dolmetscher zu brauchen. Allerdings konnte ich diese Woche auch zum ersten Mal meine einstudierten Small-Talk-Sätze anwenden. Weiterhin beschränken sich meine neu erlernten Vokabeln eher auf die verschiedenen Gerichte, die zum Mittag mitgebracht werden, was ja aber auch kein schlechter Anfang ist.
Außerdem gab es diese Woche gleich 2 Anlässe für eine Torte. Der erste war der Geburtstag von Sonali, bei dem ich lernte, dass es wohl üblich ist, dass das Geburtstagkind die Ehre hat, das Stück einmal jedem vor dem Mund zu halten, damit jeder einen Bissen abbekommt. Eine also sehr faire Tradition :D. Die zweite Torte gab es dann, weil eine der Mitarbeiterinnen bald heiraten wird. Ein glücklicher, andererseits allerdings auch trauriger und emotionaler Moment für die Mitarbeiter. Die Hochzeit bedeutet nämlich, dass sie Mumbai und somit auch Imcares verlassen wird. Die langjährige Buchhalterin kam vor Jahren in einer schweren Phase ihres Lebens zu Imcares und ist somit längst nicht nur eine Mitarbeiterin. Glücklicherweise wird sie aber weiterhin in Notfällen zur Verfügung stehen und weiterhin als Teil der Gruppe bestehen bleiben.
Um der Langeweile in meiner Freizeit erst gar keine Chance zu geben, habe ich mich auf den Weg zur Organisation ‚The Welfare Of Stray Dogs‘ gemacht. Die Organisation wurde gegründet, um etwas gegen die verzweifelte Tötung von Streunern der Stadt zu unternehmen. Somit kümmern sie sich um deren Wunden, sterilisieren sie, operieren und sehr viele können sogar glücklicherweise weitervermittelt und somit adoptiert werden.
Dabei kann man beispielsweise am Sonntag an den Erste-Hilfe-Runden teilnehmen oder direkt in der Hauptstation helfen, was ich dann in den kommenden Wochen machen werde. Ich bin also gespannt und freue mich, hier auch in der Freizeit einen kleinen Teil zu einem schmerzfreieren Leben für Hunde und auch Katzen beitragen zu können und dabei sogar noch nette neue Menschen kennenzulernen. Zu meinem großen Vorteil spricht dort sogar wirklich jeder auch untereinander Englisch und ja, auch deutsch konnte ich mal wieder auspacken. Als ich mich während der Erste-Hilfe-Runde mit einem der langjährigen Freiwilligen unterhielt und er mich nach meinem Namen fragte, entgegnete er nach meiner Antwort plötzlich mit: „Dein Nachname ist also Michelle?“ Ja, bei dem Detail, dass es mein Vorname ist, musste ich ihn berichtigen, allerdings war die Aussprache beeindruckend perfekt. Die Antwort auf meine Frage, weshalb er sich entschieden hat Deutsch zu lernen, ist übrigens einfach: Von seiner Wohnung aus fährt ein direkter Bus zur Stelle des Kurses. So einfach ist es also, Entscheidungen zu treffen :D.
Was ich hier außerdem in den letzten 3 Wochen gelernt habe:
– Auch Einheimische haben Schweißdrüsen.
– Auch Inder kippen sich manchmal ausversehen Wasser neben den Mund.
– Werbegesichter auf Plakaten sind meist alles, aber niemals indischer Herkunft.

Ich hoffe, dass alles Aktuelle hier ganz gut zusammengefasst wurde, bis demnächst!

Landleben mal anders

Neben den schon erwähnten Massen an Vögeln, die hier regelrecht herangezüchtet werden, gibt es auf Mumbais Straßen noch so einiges zu entdecken. Nicht nur Kühe, sondern auch zahlreiche Ziegen. Hühner, Schafe, Hunde und Katzen trifft man hier alle paar Meter an. So groß ist der Unterschied zum Bergdorf also auch wieder nicht…
Neben dem Ausprobieren vieler neuer Wege und Erkunden der Umgebung ging die Arbeit in Mumbai diese Woche so richtig los. Hauptsächlich wird meine Energie dabei erstmal für die täglichen Rundgänge in der Umgebung gefordert, bei denen nach schon bekannten und neuen Patienten Ausschau gehalten und sich dann um sie gekümmert wird. Praktisch dabei: Es muss nur eine Trinkflasche mitgenommen, da beim Trinken sowieso niemand die Öffnung berührt, um den Keimen so ein klein wenig aus dem Weg zu gehen, falls das jemanden stören sollte. Außerdem ist es für mich leichter, neue Früchte auszuprobieren, wenn die Mitarbeiter mir vormachen können, wie und was man davon isst, z.B. bei einer meiner Favoriten, der Wasserkastanie. Dem entspannten Gang beim Umherlaufen konnte ich mir schnell abschauen und das war auch gut so (Straße überqueren ausgenommen, da würde ich gern ein wenig schneller drüber sein :D), extrem heiß ist es zwar gerade nicht, die hohe Luftfeuchtigkeit lässt aber schon einen Unterschied zu zu Hause spüren. Um das mal zu verdeutlichen, kann ich sagen, dass meine offengelassenen Kekspackungen ständig zu zerdrückbaren Keksen führen… Trotzdem noch lecker (Bin fleißig am Durchprobieren). Besonders praktisch ist, wenn ein Mann mit auf die Runden kommt. Nein, nicht aus Sicherheitsgründen. Die Tasche mit Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel und anderen Versorgungsutensilien wird auf Dauer schon ein wenig schwer, da kommt ein hilfsbereiter Mann, der sich dazu verpflichtet fühlt ganz gelegen :D. Außerdem bin ich das erste Mal so richtig auf das ausgeklügelte Mülltrennungssystem aufmerksam geworden. Nämlich Trennung ausschließlich in trockene und nasse Abfälle. Trotzdem könnt ihr euch wahrscheinlich denken, dass auch der Versuch nicht so wirklich umgesetzt werden konnte.
Die letzte Runde brachte mich dann auch zu meinem bisherigen Lieblingsplatz. Ein Park direkt am Meer mit einem Loch im Zaun, der Zutritt zum Wasser gewährt. Nicht so bekannt wie der Chowpatty Beach, sprich weniger oder möglicherweise so gar keine Menschen, die ständig ein Foto machen möchten. Obendrauf konnte wir dabei eine Frau, die zuerst sturköpfig war, überzeugen, am nächsten Tag einen HIV-Test im Krankenhaus machen zu lassen, der dann endlich zu den benötigten Medikamenten führen kann.
Auf den Runden fallen gerade jetzt zur Zeit des Hindu-Festivals die Schreine auf, die sich alle 100 Meter mit vielen Menschen und Musik bemerkbar machen. Doch wer bezahlt eigentlich diese kunstvoll ausgeschmückten Elefantenfiguren mit sämtlichem Schnickschnack? Richtig. Die Menschen, die nur 3 Meter weiter auf der Straße leben. Besonders hier wird deutlich, wie viel Kraft hier aus dem Glauben gezogen wird. Obwohl es kaum mehr geht werden zu dieser Zeit des Jahres alle Bedürfnisse noch weiter hinuntergeschraubt, um etwas beizusteuern. Wo bei uns gegen die Zugabe von Geldern für beispielsweise Zufahrtswege im eigenen Wohnort Beschwerde eingereicht wird, geben die Menschen hier von eigentlich Nichts noch etwas ab.
An dieser Stelle möchte ich hier auch mal meinen Respekt an alle Autofahrer aussprechen. Dass es hier nicht alle 3 Minuten zu einem Unfall kommt ist mir ein Rätsel. Zwar würde dabei immerhin nicht viel passieren, da man sowieso nicht schnell fahren kann, dass aber nicht einmal Blech zu Schaden kommt, zumindest noch nicht in meiner Anwesenheit, ist erstaunlich. (Gut, die Karosserie der meisten Autos sieht ehrlich gesagt nicht wirklich makellos aus.)
Außerdem kommt jeden Dienstag ein Doktor zum Büro, um dort Patienten zu versorgen. Anschließend bekommen diese noch die nötigen Medikamente für die nächste Woche. Dabei war ich für das Aufnehmen in die Patientenakte und Eintragen in verschiedenste Bücher zuständig. An sich eine lösbare Aufnahme, ein paar Probleme machten mir die ganzen Namen, von deren Schreibweise ich keinen Schimmer hatte, schon. Allerdings konnte man sich mit den vorherigen Einträgen ganz gut selbst helfen. Es ist schon echt interessant, so vollkommen dabei zu sein, ohne jegliche medizinische Ausbildung; ich bin also gezwungen schnell zu lernen.
2 Wochen sind es jetzt schon fast, 2 schöne und erlebnisreiche Wochen. Das bedeutet allerdings auch das Ablaufen der Zeit für das Aufsuchen des Büros, dass mein Visum erneut bestätigen sollte. Da Indien aber den Stress liebt, werden hier insbesondere die Einreisegesetze mindestens jedes halbe Jahr komplett umgeworfen und neue aus dem Ärmel gezogen. So kam es also, dass die Polizei die Dokumente nicht ohne die Dokumente der Visastelle und umgekehrt abstempeln wollte. Auch nachdem wir unübertrieben zum vierten Mal aufkreuzten, da wir immer wieder mit neuen Vorwänden weggeschickt wurden, änderte sich auf meinem Dokument nichts. Wie das noch weitergeht, weiß ich selbst nicht und im Büro sind auch alle überfragt. Dass hier durch das Aufeinandertreffen so vieler Religionen praktisch jeden Tag ein Festival, bzw. besonderer Tag zu Ehren eines Gottes stattfindet, war es besonders in den letzten 2 Wochen schwer einen Beamten zu finden, der sich jetzt damit auseinandersetzen will. Morgen muss ich dann auf die Visastelle und es muss klappen…

Also auf einen guten Start in den morgigen Tag!
Liebe grüße, Michelle
P.S.: Auf dem Bild zu sehen: Deutschland so nah und doch so fern…

Weihnachtsfeier Teil 1

Hey Leute,

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Erstmal sorry, dass ich so unregelmäßig schreibe. Hier im Agape Village ist doch immer etwas zu tun, was mich das Blog schreiben vergessen lässt. Genug über meine unregelmäßigen Beiträge. Momentan ist eine Krankheitswelle auf der Mädels Etage ausgebrochen. Die Hälfte der Mädchen ist krank, manche haben nur eine Erkältung, manche sind durch Fieber richtig ans Bett gebunden. Ich bin dadurch momentan als Krankenpflegerin aktiv, doch auch Till hilft fleißig beim Tee machen. Mehr Decken wurden verteilt und Fenster provisorisch abgedichtet, um die kalte Luft besser draußen zu halten.
Abgesehen davon, bauen wir momentan an einem Ofen. Der Prototyp wurde vom Heimvater genehmigt weshalb wir in den nächsten Tagen einen Art Pizzaofen mit Zement befestigt bauen werden. Denn Weihnachten ohne selbst gebackene Plätzchen sind halt keine richtigen Weihnachten.

Vor 2 Wochen habe ich eine Woche in Mumbai verbracht, um bei den Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier für die Pavement Ministry mitzuhelfen. Erst dachte ich, es gäbe nicht viel zu tun, da wir am Montag noch ganz normal durch die Straßen gelaufen sind und die Klienten besucht und eingeladen haben. 2017-12-22 at 07.11.52Doch schon am Dienstag ging es dann so richtig zur Sache. Wir haben 200 Decken und Mützen mit dem Imcares Siegel versehen und dann schön eingepackt. Das Komplette Office wurde geputzt und Essen für 80 Leute vorbereitet.

 

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Snehalata und Ich sind dafür extra mit dem Bus zu einem der größeren Märkte Mumbais gefahren und haben alles von Papptellern bis hin zu Gewürzen, Kartoffeln und Zwiebeln bekommen.

 

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Zu der Weihnachtsfeier selbst, die am Freitag war, kamen dann tatsächlich auch so viele Leute wie erwartet. Es wurde gesungen, Dankesreden gehalten, gepredigt, gegessen und die Decken dankbar entgegengenommen. Es war echt schön mitzuerleben, wie glücklich die Leute alle waren und wie viele gekommen sind, obwohl doch sehr viele einen sehr weiten weg haben.

Die restlichen Decken wurden von den Mitarbeitern in der Woche drauf direkt beim Ablaufen der Straßen verteilt. Während der Feier war ich Fotograf und durfte nach einem kurzen Crashkurs, wie man Fotos richtig macht, Bilder von der Feier schießen. Am Sonntag ging es dann auch schon wieder ins Agape Village, um die Weihnachtsfeier der Kids mitzuerleben. Doch das ist schon Teil 2.

Liebe Grüße aus Indien :D,

Naomi

Q&A mal anders – die ersten 2 Wochen

Hallo :),
1 1/2 offizielle Arbeitswochen sind nun vorbei. Wow des verging echt wie im Flug! Hier sind ein paar Antworten auf noch nicht gestellte Fragen.

DropInCenter KopieWas sind meine Aufgaben vor Ort?
Ich hab diese Woche im Office mitgearbeitet und war Teil von Meenas (Sozialarbeiterin) Team. Hier hab ich in der Klinik und bei der Pavement Ministry mitgeholfen. Es war meine Aufgabe das Team zu unterstützen. Dies erwies sich teils schwerer und teils einfacher als gedacht.

Wieso Schwerer? – zum einen ist das Ablaufen der so genannten “Rounds”, eine fixe Strecke wo wir als Team den Menschen auf der Straße helfen, ziemlich anstrengend. Nicht nur wegen der Hitze sondern auch weil die Distanz insgesamt um die 7-8 Km beträgt die man zu Fuß abläuft.

Wieso Leichter? – bei der Buchhaltung kann ich mich gut einbringen. Ich dokumentiere was wir bei den Rounds gemacht haben und helf Tabellen und Eintragsbücher für die Klinik zu beschriften und vorzubereiten.

Was waren Highlights der Woche?
Bei einem unserer Rundgänge haben wir ein zufrühgeborenes Kind besucht welches im Rotlichtviertel in einer kleinen Zelthütte aufwächst. Dieses Kleine Kind zu sehen, hat mir echt das Herz gebrochen. Ich war aber auch froh, dass das Team regelmäßig vorbeikommt, hilft und schaut wie es dem Kind geht.
Ein weitaus positiveres Highlight war Bushan zu treffen. Obwohl er korperlich beinträchtigt ist und seine Familie und er allesamt unter der Armutsgrenze Leben so strahlen sie doch eine Lebensfreude aus die einfach nur anstekend ist. Das strahlen in den Gesichtern seiner Eltern, als sie uns gezeigt haben, wie er nun mithilfe von Beinschienen laufen kann ist unbeschreiblich.

Wie geht es nun weiter?
Heute geht es weiter ins Agape Village wo ich voraussichtlich einen Monat bleiben werde.

Liebe Grüße aus Mumbai! 🙂
Naomi

P.S. konkrete Fragen einfach in die Kommentare 🙂

Erste Eindrücke aus Mumbai

Ankunftstag in Mumbai:

DSCN0408Ich bin das erste Mal in diesem Land. Mein erster Eindruck: Es ist richtig krass!!! 30°  statt – 10° !!! Die vielen Autos kreuz und quer auf den Straßen, Gehupe ohne Ende
…, Menschen ohne Ende….provisorische Zelthäuser aus Planen, viele sichtbar arme Menschen!!!

Irgendwie kennt man Bilder aus dem Fernsehen, aber plötzlich mittendrin zu stehen, Wahnsinn!!!

 

Nächster Morgen:

Am Vormittag waren wir bei „Imcares“, der Organisation, mit der Seek and Care e. V. zusammenarbeitet. Der Leiter Timothy hat uns über deren Arbeit, die Projekte, die Grundhaltung den Menschen in Mumbai gegenüber und die Zielrichtung der Arbeit erzählt. Dazu mehr von Christine später….

Am Nachmittag war ich mit einem Mitarbeiter von Imcares (ein Inder) und noch einem Mann aus unserem Team bei der „pavement-ministry“ dabei: Wir waren in verschiedenen Armenvierteln und einem großen Rotlichtviertel.

Bei diesem  Dienst suchen die Mitarbeiter Menschen, die am Straßenrand leben, auf, sprechen sie an, versorgen sie medizinisch oder kaufen z.B. etwas zu essen…. Viele Klienten betreuen sie auch schon seit längerer Zeit.

Auch hier kann ich nur sagen: Echt krass, mittendrin statt nur im Fernsehen.

Ich bin heute Abend total erschlagen und überwältigt von den vielen Eindrücken. Was für ein anderes Leben!!!

 

Uta

Jeevan – Neustart in’s Leben

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Jeevans Geschichte hinterlässt bei mir einen bleibenden Eindruck für die großartige Leistung der Mitarbeiter von IMCARES. Täglich laufen sie durch Mumbais Straßen, um obdachlose, bedürftige und verletzte Menschen zu finden und ihnen die Hilfe zu ermöglichen.

Auf einer dieser Touren der Pavement Minsitry fanden sie den 40jährigen Jeevan (Name geändert) in einem erbärmlichen Zustand vor. Nach dem sich die Mitarbeiter ihm angenähert hatten und sein Vertrauen fanden, untersuchten sie ihn gründlich auf Verletzungen. Dabei fanden sie eine sehr tiefe Wunde an seinem Bein, die bereits von Maden besiedelt war und fürchterlich stank.

Im Beratungsgespräch fanden sie weiterhin heraus, dass Jeevan seit fünf Jahren auf der Straße lebt. Als Karren-Zieher lag sein Tageseinkommen bei ca. 1,50€. Aufgrund seines Alkoholproblems hatte ihn seine Familie ausgestoßen.

Mit Jeevan’s Zustimmung konnten die IMCARES Mitarbeiter seine Wunde reinigen und grundversorgen. Anschließend brachten sie ihn in ein staatliches Krankenhaus zur weiteren Behandlung. Sie besuchten ihn auch nach der Krankenhausbehandlung regelmäßig, um eine optimale Wundversorgung und den Verbandswechsel zu gewährleisten, bis das Bein gänzlich geheilt war. Zusätzlich wurde er in das Versorgungscamp auf dem Gelände von IMCARES eingeladen, wo er regelmäßig Beratung, Essen und Gebet erhält.

Jeevan hat nun wieder begonnen zu arbeiten und damit Selbstverantwortung übernommen. Die Mitarbeiter von IMCARES arbeiten jetzt mit ihm an seinem nächsten Ziel, der Familienzusammenführung.

Rebekka Kaminski