Auftrag erfüllt!

Auf dem Weg ins Agape Village kamen wir wieder an interessanten Ecken Mumbais vorbei. Timothy erzählte mir von einer Religion, in der es ein Ritual ist, die Tauben der Stadt zu füttern, als wir an Einem vorbeifuhren, der dieses praktizierte. Wäre schon interessant zu wissen, wie das wohl in deutschen Städten ankommen würde. Ich tippe, eine riesige Tüte voller Maiskörner dort auszukippen wäre wohl nicht die allerbeste Idee.
Die Hühnereier eines Mannes, der grob durchgerechnet 300 Stück, gestapelt auf seinem Fahrradgepäckträger durch die Straßen kutschierte brauchten wir nicht, da diese später im Kinderheim durch die vielen Hennen vorhanden waren und auch des Öfteren eines vor meiner Tür abgelegt wurde. Respekt haben sie sich auch gemacht, da ich in den nur 3 Tagen 2 Mal von einem Hahn attackiert wurde. Wahrscheinlich bin ich einfach zu unangsteinflößend an die Sache heran gegangen…
Auf dem Weg machten wir noch Halt bei McDonald’s. Ich hätte nicht gedacht, dass ich schon nach so kurzer Zeit nicht drum herumkomme hier zu essen :D. Allerdings ist die Kette und auch etliche andere Etablisments für mich als Vegetarier verleichsweise ein Paradies, da kann sich Deutschland noch so einiges abschauen. Die Fahrtzeit begann zu schwinden und endete im letzten Drittel mit einer Strecke die, ich weiß nicht so recht, wie man es am besten beschreiben kann, aber auch wenn ich noch nie auf einem saß, einem Kamelritt glich. Ein weiteres Mal, bin ich nicht traurig darüber, keinen internationalen Führerschein beantragt zu haben. (Auch wenn den hier wahrscheinlich eh nie jemand sehen wollen würde.)
Als wir ankamen waren die meisten Kinder sofort interessiert, wie ich heiße, wo ich herkomme, ob ich Geschwister habe oder wann mein Geburtstag ist. Besonders beliebt war auch zu fragen, wen meiner Vorgänger ich alles kenne. Ich habe versucht bei den Dingen zu helfen, die mir nicht vollkommen neu waren. Gemüse schneiden war zum Beispiel ein sehr gut machbarer Job. Hier konnte man dann auch einiges an neuen Gemüsesorten kennenlernen, Ladyfinger zum Beispiel. Dabei habe ich hier meine neue Lieblingsmethode zum Runterkommen gefunden: Knoblauch schälen. Am besten noch mit Marathi-Gesprächen im Hintergrund – perfekt. Dabei herrscht kein komisches Schweigen, trotzdem muss, bzw. kann ich mich nicht ins Gespräch einbringen und somit in aller Ruhe Knoblauch schälen. Allerdings wird mir besonders hier klar, dass es schon echt eine gute Sache wäre, dann wenn es spannend klingt, wenigstens zu wissen worum es geht. Mal sehen, was sich da in meiner Zeit noch machen lässt. Auch beim Hausaufgaben machen, Unkraut jäten und Hockey spielen konnte ich mich ganz gut einbringen.
Hier wurde mein Körper, bzw. mein Magen, zum ersten Mal so richtig ausgetestet und hätte ich nicht endlich mal ein paar Ratten gesehen, hätte ich mich auch gewundert, wo die ganzen Klischees versteckt sein sollen. Trotz Händewaschen im Gemüsekochwasser, fehlenden Schneidebretts und Nutzen des Tisches und der Perfektionierung meiner Künste mit den Händen zu essen, kann ich mich nicht beschweren, mir geht’s weiterhin gesundheitlich sehr gut, auch wenn die Intensität des Schärfegrades hier etwas angezogen hat. (Die aufgezählten Punkte deswegen bitte nicht negativ aufnehmen!)
Auf dem Markt war ich zunächst etwas überfordert, da ich mich schon gefreut hatte einen schönen Stand mit Kleidern gefunden zu haben, als mir dann der Verkäufer sehr freundlich und in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen, um es auch auf Englisch verständlich zu machen, dass das nur die Stoffe sind, die erst noch in einer Schneiderei zum Kleid gemacht werden müssen. Verkraftet habe ich das aber schnell, denn vor allem die erste Tube Hennafarbe und ein Fußkettchen trösteten mich darüber hinweg. Als ich die Frau nach den separaten Preisen für die Dinge fragte, zeigte sie mir zwar beide Male einfach nur Zeige- und Mittelfinger, vielleicht wollte sie also zu Beginn erstmal Frieden schließen… Ich habe mich dann aber doch für Variante 2 entschieden und die Preise angenommen, die ich als realistisch empfand und ich denke, dabei wurde ich auch nicht allzu sehr übers Ohr gehauen. Nach dem dritten Mal raus und reingehen habe ich mir meinen Kopf dann auch endlich nicht mehr am Eingangstor gestoßen. Ja ja, dass ich hier trotz eigentlich nur 1,74m um einiges größer bin als alle anderen war mir schon am Flughafen klar, als ich den Vorteil nutzen und damit einen Überblick über alle Koffer hatte und deswegen am Kofferband nicht wie alle anderen um die vorderen Plätze kämpfen musste. Jetzt musste ich nur noch jemanden finden, der geschickter im Hennafarbe auftragen ist als ich… Das war zum Glück auch nicht schwer, denn schon 2 Minuten nachdem jemand meine amateurhafte Zeichnung am Fuß sah, wurde ich schon gefragt, ob mir eines der Mädchen auf die Hand malen darf. Mich dafür zu überreden hat nicht lang gedauert.
Naomi hatte mir, als ich sie im Mai bei ihr zu Hause besucht habe, um mir im Vorfeld von ihrer Zeit berichten zu lassen, ein paar ihrer restlichen Rupien gegeben, damit ich sie sinnvoll in Eis für die Kinder hier umsetzen kann. Nachdem diese auch ständig nur von ihr Naomi Didi schwärmten, hatten sie das auch wirklich verdient! Da sie am Donnerstag aufgrund des Feiertages -wegen des Hindu- Festivals ‘Ganesh Chaturthi- frei hatten, passte das auch besonders. Dabei sprang sogar Samosa und Mangoeis + genug übriges Geld für eine nächste Runde in den kommenden Tagen. Also: Auftrag erfüllt! Apropos Mangos: Die wachsen hier leider erst im März, aber zum Glück bin ich dann ja auch noch da .
Als Abschlussfrühstück gab es dann noch Rührei mit Brötchen, nicht wie sonst Reis in verschiedenen Variationen, fast wie zu Hause. Wie gesagt fast, oder kommt bei euch auch eine Chilischote und eine Zwiebel auf ein Ei? 😀
Alles in allem, ein paar sehr schöne Tage, ich werde auf jeden Fall wiederkommen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass Mumbai mehr für mich ist. Ich denke, das Bergdorf ist eine tolle Möglichkeit um aus dem lauten Großstadtalltag herauszukommen und umgeben von wundervoller Natur zu sein. Ich hoffe, dass ich mich in Mumbai schnell zu einer nützlichen Hilfe einarbeiten kann. Da am Tag unserer Anreise ins Agape Village auch gerade ein Paar angekommen ist, welches angefangen hat, dort zu arbeiten, mache ich mir keine Gedanken, dass es dort zu wenige Helfer gibt. Auch die Kinder sind durch ihre wahnsinnig gute Erziehung (zumindest von dem, was ich mitbekommen habe) eine große Hilfe im Alltag.

Liebe Grüße, Michelle

One Comment

  1. Liebe Michelle!
    Es ist jedes Mal eine Freude Deinen Blog zu lesen ; Du hast eine wundervolle Art zu schreiben. So – wie kann ich es beschreiben- lebendig ! Es klingt alles so positiv, spannend und neu !
    Wir freuen uns, dass du so viele tolle Sachen erlebst und Eindrücke erhältst, die wir niemals erleben werden (was aber nicht schlimm ist ).
    Dankeschön, dass Du uns teilhaben lässt an Deiner großen Reise und dem Land Indien !
    Ganz liebe Grüße Mäcky und Kerstin

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