Landleben mal anders

Neben den schon erwähnten Massen an Vögeln, die hier regelrecht herangezüchtet werden, gibt es auf Mumbais Straßen noch so einiges zu entdecken. Nicht nur Kühe, sondern auch zahlreiche Ziegen. Hühner, Schafe, Hunde und Katzen trifft man hier alle paar Meter an. So groß ist der Unterschied zum Bergdorf also auch wieder nicht…
Neben dem Ausprobieren vieler neuer Wege und Erkunden der Umgebung ging die Arbeit in Mumbai diese Woche so richtig los. Hauptsächlich wird meine Energie dabei erstmal für die täglichen Rundgänge in der Umgebung gefordert, bei denen nach schon bekannten und neuen Patienten Ausschau gehalten und sich dann um sie gekümmert wird. Praktisch dabei: Es muss nur eine Trinkflasche mitgenommen, da beim Trinken sowieso niemand die Öffnung berührt, um den Keimen so ein klein wenig aus dem Weg zu gehen, falls das jemanden stören sollte. Außerdem ist es für mich leichter, neue Früchte auszuprobieren, wenn die Mitarbeiter mir vormachen können, wie und was man davon isst, z.B. bei einer meiner Favoriten, der Wasserkastanie. Dem entspannten Gang beim Umherlaufen konnte ich mir schnell abschauen und das war auch gut so (Straße überqueren ausgenommen, da würde ich gern ein wenig schneller drüber sein :D), extrem heiß ist es zwar gerade nicht, die hohe Luftfeuchtigkeit lässt aber schon einen Unterschied zu zu Hause spüren. Um das mal zu verdeutlichen, kann ich sagen, dass meine offengelassenen Kekspackungen ständig zu zerdrückbaren Keksen führen… Trotzdem noch lecker (Bin fleißig am Durchprobieren). Besonders praktisch ist, wenn ein Mann mit auf die Runden kommt. Nein, nicht aus Sicherheitsgründen. Die Tasche mit Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel und anderen Versorgungsutensilien wird auf Dauer schon ein wenig schwer, da kommt ein hilfsbereiter Mann, der sich dazu verpflichtet fühlt ganz gelegen :D. Außerdem bin ich das erste Mal so richtig auf das ausgeklügelte Mülltrennungssystem aufmerksam geworden. Nämlich Trennung ausschließlich in trockene und nasse Abfälle. Trotzdem könnt ihr euch wahrscheinlich denken, dass auch der Versuch nicht so wirklich umgesetzt werden konnte.
Die letzte Runde brachte mich dann auch zu meinem bisherigen Lieblingsplatz. Ein Park direkt am Meer mit einem Loch im Zaun, der Zutritt zum Wasser gewährt. Nicht so bekannt wie der Chowpatty Beach, sprich weniger oder möglicherweise so gar keine Menschen, die ständig ein Foto machen möchten. Obendrauf konnte wir dabei eine Frau, die zuerst sturköpfig war, überzeugen, am nächsten Tag einen HIV-Test im Krankenhaus machen zu lassen, der dann endlich zu den benötigten Medikamenten führen kann.
Auf den Runden fallen gerade jetzt zur Zeit des Hindu-Festivals die Schreine auf, die sich alle 100 Meter mit vielen Menschen und Musik bemerkbar machen. Doch wer bezahlt eigentlich diese kunstvoll ausgeschmückten Elefantenfiguren mit sämtlichem Schnickschnack? Richtig. Die Menschen, die nur 3 Meter weiter auf der Straße leben. Besonders hier wird deutlich, wie viel Kraft hier aus dem Glauben gezogen wird. Obwohl es kaum mehr geht werden zu dieser Zeit des Jahres alle Bedürfnisse noch weiter hinuntergeschraubt, um etwas beizusteuern. Wo bei uns gegen die Zugabe von Geldern für beispielsweise Zufahrtswege im eigenen Wohnort Beschwerde eingereicht wird, geben die Menschen hier von eigentlich Nichts noch etwas ab.
An dieser Stelle möchte ich hier auch mal meinen Respekt an alle Autofahrer aussprechen. Dass es hier nicht alle 3 Minuten zu einem Unfall kommt ist mir ein Rätsel. Zwar würde dabei immerhin nicht viel passieren, da man sowieso nicht schnell fahren kann, dass aber nicht einmal Blech zu Schaden kommt, zumindest noch nicht in meiner Anwesenheit, ist erstaunlich. (Gut, die Karosserie der meisten Autos sieht ehrlich gesagt nicht wirklich makellos aus.)
Außerdem kommt jeden Dienstag ein Doktor zum Büro, um dort Patienten zu versorgen. Anschließend bekommen diese noch die nötigen Medikamente für die nächste Woche. Dabei war ich für das Aufnehmen in die Patientenakte und Eintragen in verschiedenste Bücher zuständig. An sich eine lösbare Aufnahme, ein paar Probleme machten mir die ganzen Namen, von deren Schreibweise ich keinen Schimmer hatte, schon. Allerdings konnte man sich mit den vorherigen Einträgen ganz gut selbst helfen. Es ist schon echt interessant, so vollkommen dabei zu sein, ohne jegliche medizinische Ausbildung; ich bin also gezwungen schnell zu lernen.
2 Wochen sind es jetzt schon fast, 2 schöne und erlebnisreiche Wochen. Das bedeutet allerdings auch das Ablaufen der Zeit für das Aufsuchen des Büros, dass mein Visum erneut bestätigen sollte. Da Indien aber den Stress liebt, werden hier insbesondere die Einreisegesetze mindestens jedes halbe Jahr komplett umgeworfen und neue aus dem Ärmel gezogen. So kam es also, dass die Polizei die Dokumente nicht ohne die Dokumente der Visastelle und umgekehrt abstempeln wollte. Auch nachdem wir unübertrieben zum vierten Mal aufkreuzten, da wir immer wieder mit neuen Vorwänden weggeschickt wurden, änderte sich auf meinem Dokument nichts. Wie das noch weitergeht, weiß ich selbst nicht und im Büro sind auch alle überfragt. Dass hier durch das Aufeinandertreffen so vieler Religionen praktisch jeden Tag ein Festival, bzw. besonderer Tag zu Ehren eines Gottes stattfindet, war es besonders in den letzten 2 Wochen schwer einen Beamten zu finden, der sich jetzt damit auseinandersetzen will. Morgen muss ich dann auf die Visastelle und es muss klappen…

Also auf einen guten Start in den morgigen Tag!
Liebe grüße, Michelle
P.S.: Auf dem Bild zu sehen: Deutschland so nah und doch so fern…

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