“Thanks, but no thanks to the British”

Auf den Tag genau bin ich heute schon einen Monat in Mumbai. Ein Monat der im Nachhinein wahnsinnig schnell umging, zum Glück liegen aber noch viele Ereignisse vor mir. Mumbai ist für mich ein Ort, an dem einem glücklicherweise niemals langweilig werden kann und man trotz der Tatsache, dass ich noch nie an einem Ort mit so viel Verkehr ohne Bedenken auf der Straße laufen kann, wenn man nur ein klein wenig Vertrauen mitbringt.
Die Arbeitswoche ging hier mal wieder schnell um, nicht zuletzt, weil am Dienstag Nationalfeiertag war. Genau einen Tag vor dem der deutschen Einheit wurde hier der Tag zur Feier des Geburtstages von Mahatma Gandhi ins Leben gerufen. Den Tag nutzte ich zum einen, um ihn passend im Gandhi-Museum, dem Haus, indem er während seiner Zeit in Mumbai lebte, zu verbringen. Eine gute Wahl, da hier alles mit Blumen geschmückt worden war. Doch auch ein zweites Museum fand noch Platz im Tag. Hierbei hatte ich Glück, da mich ein Einheimischer begleitete. Ausländer zahlen hier nämlich meist den 10-fachen Eintritt. Dabei überschreitet man die 2€ wahrscheinlich trotzdem so gut wie nie, trotzdem verstecke ich mich für einen Schnäppchenpreis von 10 Rupien dann doch gern mal hinter der nächsten Ecke :D. Außerdem war ich diese Woche beim Quizabend, bei dem ich nicht wegen des Aussehens, oder der anderen Sprache (Die Fragen wurden sowieso auf Englisch gestellt), sondern erst bei den Fragen bei denen alle anderen Hände innerhalb von 2 Sekunden gehoben wurden, da es beispielsweise um einen bekannten Sportler der Region ging, auffiel. Alles in allem bin ich aber wahnsinnig froh, dass es hier verhältnismäßig vollkommen unkompliziert ist, die Sprache nicht zu beherrschen. So erinnere ich mich gern mal an den Satz, den Timothy am ersten Tag zu mir sagte (siehe Überschrift). Der ursprüngliche Grund bezüglich der ehemaligen Kolonialherrschaft ist eher weniger positiv, allerdings macht es die einheitliche Sprache so für mich, aber auch für viele vor allem jüngere Einwohner, sehr viel einfacher zu kommunizieren. Immerhin etwas weiter bin ich aber beim Lernen gekommen. Die Zahlen zu beherrschen hilft vor allem beim Busfahren sehr. Da dieser nur circa 5 Sekunden hält und man die arabischen Ziffern meistens erst auf den zweiten Blick entdeckt, vereinfacht das die Busfahrt ein wenig.
Im Büro konnte ich diese Woche mit meinem Laptop punkten, da ich so alle Patienten der letzten Wochen und Monate in die Excel-Tabellen einschreiben konnte. Allgemein ist hier alles sofort zu digitalisieren auch eher schwierig, da solche Anschaffungen natürlich ziemlich ins Budget einschlagen. Etliche Bücher werden hier zur Dokumentation der verschiedenen Projekte benötigt, um nicht durcheinander zu kommen. So versuche ich jetzt ein bisschen mehr Ordnung rein zu bringen.
Am Freitag ging es in das Day-Care-Center im Norden von Mumbai. Vollgepackt mit einem Wagen zur Hilfestellung eines Kindes, welches nicht laufen kann, und 3 großen Säcken Reis ging es mit dem Taxi los. Schon nicht schlecht, für knapp 2€ einmal ohne Wartezeit durch halb Mumbai zu kommen. Mit dem ganzen Gepäck wären öffentliche Verkehrsmittel allerdings auch eine Tortur gewesen :D. Angekommen erwarteten uns zuerst ca. 25 3-4-jährige, die hier jeden Tag ein leckeres Mittagessen und außerdem die ersten Wörter englisch eingetrichtert bekommen. Da war erst gegen 11 ankamen, habe ich nur das mitbekommen. Von der Lautstärke hat das aber auch für einen Tag gereicht, da die Kinder beim Nachschreien der Wochentage und Zahlen mit vollem Elan dabei waren.
Im Anschluss an die ersten Mittagsgäste folgte dann der eigentliche Grund unserer Anreise. Zu Besuch kamen viele Kinder aus dem Projekt ‚Ankur‘, die hier zum Spielen, Essen und zum Austausch der Mütter und Mitarbeiter zusammenkamen. Erneut war es nicht schwer, mit Luftballons Begeisterung zu entfachen und gerade das Zerplatzen kam besonders gut an. Es war schön zu sehen, wie sich die Kinder trotz ihrer eigenen Einschränkungen gegenseitig geholfen haben und Rücksicht nahmen. Zum Schluss wurden noch ein paar Sequenzen für die Website aufgenommen.
Die 2€ fürs Taxi sind aber wiederum auch nichts im Vergleich zu den umgerechnet 6 Cent pro Person für die gleiche Strecke. Beim Zug und Bus fahren könnte ich mich theoretisch gut an die offenen Türen gewöhnen. Nicht nur einmal kam ich zu Hause um 2 Sekunden zu spät an und die Bahntüren ließen sich nicht mehr öffnen, oder der Busfahrer hatte einen schlechten Tag und hat mich ebenfalls stehen lassen. Gut, vielleicht doch lieber geschlossenen Türen im Winter, oder wenn es regnet… Vielleicht doch keine Idee, die auch in Deutschland umgesetzt werden sollte.
Ich bin gespannt auf die nächsten Wochen, da z.B. am Mittwoch schon das nächste Hindu-Festival beginnt!

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