Von der ersten indischen Hochzeit, oder auch nicht…

Wieder zurück in Mumbai konnte ich mich zuerst einmal auf ‚aam paper‘ freuen, ein aus Mangosaft hergestelltes Fruchtleder, was der perfekte Ersatz für die hier so gut wie nicht vorhandenen Gummibärchen ist. Mit in meinen Beutel wanderte auch noch ein Zimtapfel, den ich im Kinderheim endlich probiert habe, da ich mir so abschauen konnte wie und was man davon isst.
Diese Woche vermischten sich Mumbai und das Agape Village ein wenig, da einige der Kinder die Ferien bei ihren Familien verbracht hatten. Auch mit Gips und ohne Krücken wurde das Ziel irgendwie erreicht. Beim Besuch dieses Jungen hatte ich zuerst gedacht, dass die kleinteilige Gras- und Unkrautentfernung im gegenüberliegenden Park etwas übertrieben ist. Bei längerer Beobachtung stellte ich dann allerdings fest, dass die Männer Büschel für Büschel einzeln in die Erde stopfen, so kann man den Tag also auch rumkriegen…. Wir besuchten unter anderem die Mutter eines Jungen aus dem Agape Village. Durch Gassen, in denen man als hier überdurchschnittlich große Person besonders auf seinen Kopf achten und sich doch noch schnell schlanker machen musste, erreichten wir schließlich das Zimmer. Als wir ankamen, verschaffte ich mir zuerst einmal einen Überblick über die ca. 8m2, in der für 2 Frauen alles, bis auf eine Toiletten-/Waschecke zu finden war. Als ich so dasaß, wurde mir nach kurzem Durchdenken bewusst, dass in diesen Raum noch nicht einmal mein Bett von zu Hause, auf Grund der Breite, Platz hätte. Wie sähe das mit euren Möbeln und sonstigem Hab und Gut aus?
Schmal machen muss man sich auch in einigen Läden, in denen einfach alles was noch keinen neuen Besitzer gefunden hat übereinandergestapelt wird und man gerade so einen Fuß vor den anderen setzen kann. Amüsant finde ich die Straßen, in denen sich nahezu ein und dasselbe Geschäft aneinanderreiht, Tür für Tür. Das hört sich bei Elektronikgeschäften, bei denen es in einem Viertel geschätzt 50 auf einem Fleck gibt schon unnötig an, wenn man das gleiche Phänomen mit Spiegeln entdeckt gerät das dann schnell in den Hintergrund. Ja richtig, mindestens 10 Geschäfte hintereinander, die ausschließlich Spiegel in ihrem Sortiment haben. Leider hatte ich dafür gerade keinen Bedarf.
Am Wochenende stand die Hochzeit der ehemaligen Kollegin an, die sich ein paar Wochen zuvor leider aus dem Büro verabschiedet hatte. Schon etwas verspätet machten wir uns auf den Weg, auf welchem ich eigentlich gedacht hätte, dass das suspekte Fotografie-Verbot auf der Brücke, die wir überquerten, dass einzige Interessante wäre, um das Ziel noch vor Schluss der Zeremonie zu erreichen. Nachdem wir es nach 2 Stunden Kampf durch den Verkehr eigentlich schon fast geschafft hatten, ging dann plötzlich gar nichts mehr am Auto. Also ging es bei 34 Grad in der Mittagssonne erstmal ans Werkstatt suchen, was am Sonntag auch eine Herausforderung war, die letzten Endes auch nicht einmal abgeschlossen werden konnte. Also wurde schnell noch ein anderer hilfsbereiter Mann hinzugeholt, der mir half, das Auto von der Straße zu schieben, damit wir mit einer Auto-Rikscha weiterfahren konnten. Endlich angekommen gab es zwar kein Programm mehr, dafür konnten wir das Paar noch beglückwünschen und uns satt essen. Das auch bei besonderem Ambiente, da der Essenssaal aus einem Klassenzimmer bestand, in dem man auf der Tafel auch noch etwas vom vergangenen Englischunterricht aufschnappen konnte. Das Abenteuer wurde aber noch weitergeführt, da nachdem der Abschleppdienst ankam und die Reifen blockierten, noch ein paar mehr hilfsbereite Menschen nötig waren, die eine Achse abmontierten, bevor wir dann 4 Stunden später als geplant die Rückreise antreten konnten. Da Timothy dann noch eher aussteigen musste, um zu einem Termin zu gehen, konnte ich dann noch die letzte Herausforderung bewältigen, indem ich den Fahrer ohne gemeinsame Sprache zurück navigierte, um dann noch irgendwie einen freien Platz für die Gefährte in der recht schmalen Einfahrt zu finden. Dementsprechend froh war ich dann meinen übriggebliebenen Zuckerrohrsaft im Kühlschrank zu finden und den Sonntag schlussendlich noch entspannt ausklingen lassen zu können.
Schon des Öfteren ist mir aber die Selbstverständlichkeit des Gebens aufgefallen. So verdient man hier als Bettler verhältnismäßig nicht schlecht. Ich möchte das keinesfalls zu positiv darstellen, allerdings sieht man selten niemanden ein paar Münzen aus der Tasche kramen, wenn nur etwas Geduld im Spiel ist. Dabei natürlich keine wahnsinnigen Summen, ein paar Cent, trotzdem mehr, bzw. öfter, als ich erwartet hätte.

 

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