Wer kann am schnellsten über die rote Ampel fahren?

Gestern war es nach fast einem Jahr Planung und ´Gespannt-sein‘ endlich soweit… das Flugzeug in Richtung Subkontinent hat inklusive mir abgehoben. Zum Glück wurde ich dabei schon in den ersten Stunden meines Abenteuers von der Tatsache, so viele liebgewonnene Menschen über 9 Monate nicht zu sehen, abgelenkt. Einen Tag vor Beginn wollte ich die Möglichkeit ausnutzen, mich im Online-Check zu registrieren. Blöd nur, wenn man damit wichtige Informationen überklickt (erfahrenere Flieger oder auch Menschen, die mitdenken, hätten sich das wohl auch denken können) und übersieht, dass das Mitführen eines Pfeffersprays vollkommen illegal ist, nur ein Feuerzeug pro Person erlaubt ist und eine Powerbank im Koffer nichts zu suchen hat. Jetzt bin ich auf jeden Fall auch schlauer und genug Aufmerksamkeit habe ich sicherlich auch von den zahlreichen ungeduldig wartenden Fast-Urlaubern bekommen. Als dann alles Verbotene aus meiner Tasche verbannt war und auch der Abschied schweren Herzens hinter mir lag hätte es eigentlich losgehen können… wäre da nicht der erste indische Bürger gewesen, der mir wohl in Erinnerung bleiben wird. Ein Mann, dem es scheinbar in Deutschland so gut gefiel, dass er seinen Sitzplatz trotz unzähliger Aufforderungen, unter anderem durch den Kapitän, sturköpfig nicht einnehmen wollte. Somit hatte ich aber jemanden gefunden, der weit mehr Aufmerksamkeit als ich beim Ausräumen meines gesamten, kleinteiligen Kofferinhalts bekam. Nach etwa einer halben Stunde gab es keinen anderen Ausweg, als die Polizei einzuschalten und den Mann aus der Maschine zu bringen. Nachdem auch der Koffer gefunden wurde, konnten die nächsten 8 Stunden in der Luft eingeleitet werden und ich konnte es mir mit vielen Filmen gemütlich machen.

Am Flughafen dann die erste Überraschung: Mindestens 15 Männer mit Rollstühlen, die darauf warteten, Menschen zu befördern. Gut, der Weg bis zum ‘immigration point’ war auch nicht gerade ein Katzensprung, aber da sagt mir nochmal jemand, dass Menschen mit Behinderung in Indien überhaupt gar keine Chance hätten… Ich werde das weiter beobachten Also auf zur Visa-Kontrolle, die überraschenderweise vollkommen unproblematisch verlief, allerdings auch, weil ich glücklicherweise das Employmentvisum statt eines verdächtig-wirkenden Touristenvisums bekam. Als ich dann auch nur auf den zweiten Blick meinen Namen auf einem der gefühlt 3000 Schilder entdeckt habe, nahm meine kurzzeitige vollkommen auf mich allein gestellte Zeit auch schon wieder ein Ende. Timothy und der Taxifahrer standen schon bereit und meine Tasche musste ich nicht einmal selbst tragen :). Los ging es nun also in den indischen Verkehr. Dass die Hupe eine häufiger genutzte Autofunktion als in Deutschland ist, war ja abzusehen. Dass eine rote Ampel hier aber scheinbar keine Bedeutung hat, war mir neu, zumindest wenn ich Timothys Worten glauben schenke. Dass ich beim Versuch, mich anzuschnallen, komisch angeschaut werde, hätte ich mir auch vorher denken können (es war aber ohnehin keine Befestigung für den Gurt im Auto). Entlang einer Straße ohne Markierung, ohne vorgegebene Seite auf der überholt wird oder Helme auf den Köpfen der Mofafahrer ging es nun in das Haus, was sich die nächsten 9 Monate mein Zuhause nennen wird.

Nach diesem Tag fiel es mir leicht, mich in meinem neuen Bett niederzulassen und all die Geräusche – seien sie von der Straße (die ich übrigens gern aufnehmen und zum Nachempfinden einfügen würde), dem Ventilator oder der Klimaanlage – auszublenden und in einen tiefen Schlaf zu verfallen. In den nächsten Tagen wird zum ersten Mal Mumbai bei Tag erkundet, indisch gegessen und am Montag beginnt auch schon der erste Arbeitstag. Mal sehen, was mich alles erwartet…

Bis bald, liebe Grüße, Michelle:)

 

3 Kommentare

  1. Hallo Michelle. Danke für die Einladung in deinen Blog. Als Erstes würde ich gerne wissen ob du schon einen Verleger hast. Ganz toll geschrieben, spannend und selbst die negativen Punkte hast du so beschrieben das man darüber lächel muss. Sehr schön das trotz kleinerer Schwierigkeiten mit dem Flug und deiner Abholung alles geklappt hat. Ich wünsche dir einen guten Start in deinen ersten Arbeitstag und freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag. Grüße von Silke und Selina.

  2. Hallo meine liebe Michelle, also ich hatte richtigen Spaß deinen ersten Eintrag zu lesen und die dichterische Leistung deiner Beschreibung, die Harnickel und Selina angesprochen hat, kann ich nur bestätigen. Musste wirklich sehr oft schmunzeln. Ich hoffe, dir geht es gut. Wirst sicher bald von deinen ersten Arbeitserlebnissen berichten, freu mich schon drauf. Bei mir ist der Alltag auch wieder eingekehrt, morgen werde ich noch einmal einen Versuch starten, das Windows 10 auf meinen Rechner zu installieren! Eine schöne Zeit wünscht dir deine Ybin.

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