Rückblick und Abschied

Sechs Wochen sind nun vergangen, seit ich in Mumbai ankam. Heute Nacht geht es zurück nach Deutschland, wo ich wahrscheinlich erst mal sehr frieren werde. Zum Glück gibt es in der Weihnachtszeit schöne Möglichkeiten sich aufzuwärmen!

 

In den vergangenen Wochen wurde viel geplant, besprochen und bewegt. Netzwerke wurden aufgebaut, neue Ideen entwickelt, alte umgesetzt oder angepasst.

Was heißt das nun konkret?

 

 

Kontaktaufnahme und Dokumentation

Wir haben zu 48 Familien Kontakt aufbauen können. Durch das neue Formblatt, welches wir eigens für das Projekt Ankur entwickelt haben, wurden sämtliche Daten dieser Kinder gesammelt, dokumentiert und ausgewertet. Der nächste Schritt ist die Digitalisierung dieser Daten.
Durchschnittlich konnten wir jedes Kind zweimal treffen. Die Kontaktaufnahmen fanden sowohl im häuslichen Umfeld als auch bei uns im Office und im Rahmen von Gruppentreffen, sogenannte „Focus Group Meetings“, statt.

 

Focus Group Meetings (FGM)

Zu vier FGM’s haben wir Mütter und deren von Behinderung betroffenen oder schwerkranken Kinder eingeladen, um sie über das Programm Ankur aufzuklären, zu ermutigen und sie untereinander zu vernetzen. Die Mütter geben uns ein sehr positives Feedback. Viele sind offen, unsere Hilfe anzunehmen und für ihre Kinder aktiv zu werden.

Die FGM’s fanden in vier Arealen statt. In zweien ist IMCARES schon sehr bekannt, was eine hohe Teilnehmerzahl zur Folge hatte: ca. 15 Familien pro FGM. In den anderen beiden Arealen lag die Teilnehmerzahl bei 3-5 Familien, da der Bekanntheitsgrad noch gering ist. Durch Mundpropaganda und regelmäßige Kontaktaufnahmen wird IMCARES auch hier immer mehr Fuß fassen können.

 

Mitarbeiterseminare

IMG_2329Gegen Ende der sechs Wochen hatten wir einen groben Überblick über die verschiedenen Familiengeschichten, Lebensumstände und Herausforderungen erlangt. Diesbezüglich wurden drei Seminare für alle Mitarbeiter veranstaltet, die in einem der Children @ Risk Projekte involviert sind. Es wurden die allgemeinen Formen von Behinderung mit einzelnen Fallbeispielen besprochen und spielerische Möglichkeiten gesammelt, um verschiedenste Fähigkeiten der Kinder zu erhalten und zu fördern.

 

Netzwerke

Ein sehr renommierter Orthopäden und Chirurg ist bereit, einmal monatlich die Kinder untersuchen und Empfehlungen für deren Behandlung abzugeben. Ein weiterer Arzt wird noch kontaktiert.

Eine Physiotherapeutin ist bereit einmal wöchentlich persönlich oder in Vertretung einer Kollegin bei verschiedenen Kinder vorbeizuschauen, um den Eltern beratend zur Seite zu stehen.

Durch den Kontakt zu verschiedenen christlichen Gemeinden haben wir wertvolle Ressourcen an Räumlichkeiten und weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern gewonnen.

 

Ankur Drop-in Center (ADC)

In den vergangenen Wochen wurde das Ankur Programm durch einen neuen Baustein bereichert. Wir wollen durch das Ankur Drop-in Center eine Anlaufstelle für die Mütter schaffen, um ihre Kinder an zwei bis drei Tagen für einige Stunden in unsere Betreuung zu geben. So können sie sich effektiv um ihren Haushalt kümmern und erledigen, was gerade ansteht. Gleichzeitig bietet es uns die Möglichkeit, mit den Kindern eine vertraute Beziehung aufzubauen, sie noch gezielter zu beobachte und zu fördern. Am Ende des Tages kann den Eltern somit ein Feedback über die Potentiale ihrer Kinder gegeben werden und gemeinsam an der Umsetzung der erlernten Fähigkeiten im häuslichen Umfeld gearbeitet werden. Wir wollen mit einem, maximal mit zwei ADC’s starten. Hierfür wird jedoch noch finanzielle Unterstützung für Raummiete, Renovierungsarbeiten und Umfeldanpassung benötigt.

Die ADC’s sollen jedoch nicht die Familien von ihrer Verantwortung entbinden. Das Hauptziel bleibt die Familie, die durch die Mitarbeiter von IMCARES ermutigt, beraten und unterstützt wird, das Kind anzunehmen, es einzubeziehen und zu maximaler Selbstständigkeit zu führen.

 

 

In einem gemeinsamen Mittagessen konnten wir heute die letzten Wochen Revue passieren lassen und noch einmal die Gemeinschaft genießen.
Ich habe die Arbeit wirklich sehr genossen. Es war herausfordernd und bereichernd zugleich.

Für mich ist es nicht leicht zu gehen. Ich habe die Menschen und den Alltag hier sehr liebgewonnen. Alte Freundschaften konnten immens vertieft und neue geschlossen werden. Und obwohl dies nun mein fünfter Aufenthalt hier war, habe ich zum ersten mal das Gefühl die indische Kultur und Gedankenwelt verstehen zu können, auch wenn nicht immer alles nachvollziehbar ist.

 

Wie gut, dass es in der heutigen Zeit so geniale Möglichkeiten der Kommunikation über Kontinentgrenzen hinaus gibt. Die Zusammenarbeit endet ja nicht mit meinem Abschied. Im Gegenteil, jetzt fängt sie erst richtig an.

 

IMG_1113Was nehme ich nun aus diesen sechs Wochen mit? Nur einen Satz, den ich in dem Song „Remember me“ von Guvna B aufgeschnappt habe:

 

„I’m blessed to be a blessing!“

 

Rebekka

 

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