Freiwilligendienst Nr. 4

Liebe Blogleser,

Schon seit ein paar Jahren hegte ich den Wunsch, nach meinem Abitur für ein Jahr Deutschland zu verlassen und “in die große weite Welt” zu ziehen, um dort andere Menschen, Kulturen und Lebensumstände kennenzulernen. Und nun wird es tatsächlich Wirklichkeit, denn ab dem 07. August darf ich mit “Seek and Care” nach Mumbai reisen und für ein Jahr bei IMCARES mitarbeiten. Auf das kommende Jahr und all die vielen Erlebnisse bin ich schon sehr, sehr gespannt, aber bevor es losgeht und ihr regelmäßig meine Blogbeiträge lesen werdet, möchte ich mich noch kurz vorstellen.

Mein Name ist Lena Winkler, ich bin 19 Jahre alt, komme aus der Nähe von Trier, habe frisch mein Abitur absolviert und lernte über Michelle, die ehemalige Freiwillige, die Arbeit von “Seek and Care” kennen, da ich auf der Suche nach einer Organisation war, mit der man einen Freiwilligendienst oder ähnliches in Indien machen kann. Gott hatte mir für dieses Land das Herz erwärmt und je näher die Zeit bis zum Abflug voranschreitet, desto größer wird die Angst, Spannung und Vorfreude. Angst, da ich meine vertraute Heimat, meine Familie, Freunde und Gemeinde verlassen werde, Spannung vor dem Ungewissen, aber eben auch die Vorfreude auf das neu zu entdeckende Indien, welches nun für ein Jahr mein neues Zuhause werden wird.

Die meiste Zeit werde ich vermutlich im Agape Village, dem Kinderdorf ein wenig außerhalb von Mumbai, mitarbeiten und freue mich schon sehr auf die gemeinsame Zeit mit den Kindern. Ich danke allen lieben Menschen, die mich auf dieser Reise begleiten wollen und meinen Freiwilligendienst auch finanziell unterstützen.

Seid lieb gegrüßt, Lena

Schüler aus dem Erzgebirge schicken Grüße nach Indien

Die Jenaplanschule Markersbach hat sich am Spendenaufruf für das Kinderdorf beteiligt. Eine sechste Klasse sammelte bei einem Kuchenbasar Geld, welches es uns mit netten Briefen der Schüler an die Kinder im Agape Village mitgab. Mit Begeisterung ordneten die indischen Kinder die Briefe einem beigelegten Gruppenbilder der Schulklasse zu. Mit der Aussprache der Namen hatten manche so ihre Schwierigkeiten. Mit viel Liebe zum Detail gestalteten die Kinder eine Rückantwort an die Schulklasse.

 

Vielen Dank Jenaplanschule Markersbach!!

Slackline: Was ist das denn??

Frühstück, Besorgungen im Ort und Ordnung bringen in den „Kabelsalat“, stand bis Mittag auf dem Plan. Ebenso wurde sich ein Bild vom Wasserpumpenproblem am Fluss verschafft. Die Pumpe ist leider schon länger defekt und es fehlt eine wichtige Wasserquelle für den Garten. Somit verabschieden sich immer mehr Bananen- und Papayapflanzen. Es gab einen Brand am Flussufer und dadurch wurde das Kabel und der Schlauch komplett zerstört. Das hatte zur Folge, dass die Pumpe im Fluss herrenlos auf Dauertauchstation gegangen ist und nur mit großem Aufwand geborgen werden kann um sie wieder in Stand zu setzen. Traurig wurde entschieden, dass wird eine Nummer zu groß für unseren Kurzeinsatz.

In der Spielzeit am Nachmittag weihten wir das Volleyballfeld ein und anschließend die Slackline, welche Sabine in ihrem Gepäck hatte. Alle sind sich einig, dass das eine sehr gute Anschaffung ist, die bestimmt robust genug ist, um lange Freude zu bringen sowie Motorik und Gleichgewicht zu schulen.

Zum Abendbrot gab es heute zum ersten Mal das beliebte Chabattibrot. Unterstützung bei der aufwendigen Zubereitung bekam die Küche durch Nancy, Marcus und Michelle, sie ist zur Zeit als Volunteer aus Thüringen hier.

Viele Grüße sendet Birgit.

Volleyball hier, Study room dort.

 

Nach dem Spätabendgespräch mit Timothy hatten wir nun große Pläne. Wir beschwerten uns nicht, dass es erst 9.00 Uhr für uns Frühstück geben sollte, sondern begannen einfach schon bei angenehmen Temperaturen um 8.00 Uhr mit dem beseitigen der Grasstoppeln auf dem Volleyballfeld. Wie schnell sich doch die Natur Flächen zurück holt. Mit den urig, indisch typischen Werkzeugen quälten wir uns Meter für Meter. An Aufgeben wurde auch gedacht. Aber wir taten es einfach nicht. Mit Unterstützung von Brahesch, einem fleißigen 15 Jährigen, standen wir 4 Frauen stolz vor unserem Werk. Die gesamte Volleyballfläche war nun bespielbar und schon bald erstrahlte die Ziegelbegrenzung in einem neuen blauen Farbanstrich.

 

Anschließend sortierten und säuberten wir gemeinsam mit den Kindern den großen Spielraum. Sogar ein Dienst wurde eingeteilt, um besser darauf zu achten, dass nach der Spielzeit alles wieder zu seinem Platz zurück kehrt.

Unsere drei Männer kümmerten sich mit viel Geduld um die notwendigen Reparaturen an der Elektrik. Wir Frauen fanden: „Ihr habt viel geschafft!“ Unsere drei deutschen Techniker hakten es eher unter grobe Schadensbegrenzung ab. Doch an den nächsten Tagen sollte es weiter gehen.

Unser geplantes Projekt, einrichten des PC-Raumes für unsere zwei neuen Laptops (dickes Dankeschön an alle Spender), wurde kurzerhand etwas erweitert. Unser Sergej kristallisierte sich schnell als Leiter heraus. Die großen Jungs schraubten mit voller Kraft mit. Die Laptops werden noch 2-3 Tage auf ihren Platz warten müssen.

Nach dem Abendbrot, meistens gibt es Reis mit einer leckeren, natürlich scharfen Linsen-Gemüsevariante, animierte Sabine die Kinder zu vielerei Fingertricks. Auch Timothy genoss diese Zeit und brachte sich mit lustigen Games ein.

Unser Team wertete den Tag bis 23.00 Uhr aus und schlüpfte dann in die Zwei- oder Dreibettzimmer. Zum Glück sind die Mücken nicht allzusehr auf Angriff gebürstet.

Sonntags-Frühstück

Laptops für das Kinderdorf

In Mumbai angekommen, stand bereits eine wichtige Aufgabe auf unserem Programm:
Laptops für das Agape Village kaufen! Das versprach spannend zu werden.
An dieser Stelle noch einmal ein großer Dank an alle Spender zu Hause, die dies möglich machten! Damit können die Kinder nun Hausaufgaben und andere Schulprojekte für die ein Laptop notwendig ist, entsprechend zu erledigen.
Kaum in Mumbai angekommen, ging es damit los. Unser Gastgeber Timothy hatte eigentlich schon alles organisiert und wir sollten nur noch die Laptops im Hotel in Empfang nehmen. Über einen Mitarbeiter aus der IT-Branche hatte er ein günstiges Angebot direkt vom Produzenten erhalten.
Tja ganz so einfach und schnell wie sich ein Deutscher dieses Prozedere vorstellt geht es hier in Indien bei weitem nicht. Drei Stunden nach der verkündeten Ankunftszeit kam der Händler im Hotel an und eine Stunde später war der Verkaufsprozess dann endlich abgeschlossen. Typisch indisch!
Nach dem nun endlich geglücktem Kauf der Laptops folgte sofort die Ernüchterung:
Eins der TouchPads der Laptops funktionierte nicht! Jeglicher Reparaturversuch von unseren 3 Laptop-Inbetriebnahmespezialisten Mario, Sergei und Marcus blieb leider erfolglos. Mist, die Laptop-Odyssee ging wohl weiter.
Nach dem erfolglosen Reparaturversuch tags darauf sah auch der Verkäufer ein, dass wohl ein Hardware-Defekt vorliegt. Also musste ein neuer Laptop ran. Jeder nahm natürlich an, dass einfach ein neuer Laptop desselben Typs aus dem Regal genommen wird und an uns verschickt wird, aber weit gefehlt. Ein komplett anderer Laptop als der gekaufte kam am 3. Tag dieser ganzen Misere an. Gott sei dank sah Sergei sofort beim Anschauen des Paketes, dass etwas nicht stimmte.
Also startete wieder eine gefühlt endlose Diskussion über viele Ecken, bei der versucht wurde einen möglichst guten Kompromiss zu finden. Das konnte ewig dauern.
Plötzlich, nach gefühlt zwei Stunden, war dann doch etwas möglich. Es wurde vom Verkäufer zumindest ein Modell gleicher Größe und mit vorhandenen DVD Laufwerk angeboten – ein Muss für den angedachten Einsatzzweck – und hoffentlich mit funktionierendem TouchPad!
Dieser wurde zu unserem Gastgeber geliefert, während wir schon im Bus nach Pune sahsen. Er brachte den neuen Laptop gestern mit ins Kinderdorf.
Die Kinder haben einen nicht genutzten Raum beräumt und gesäubert. Die Laptops werden heute von uns eingerichtet, mit nützlichen Programmen, Security-Software, ect. Morgen kann der Computerraum dann eröffnet werden!
Was für eine Odyssee mit dieser chaotischen Mentalität der Inder. Aber nun bin ich wirklich guter Dinge, die Kinder viel Freude an diesen Laptops haben werden.
Liebe Grüße nach Deutschland,
Euer Marcus

Von einem Picknick zum Nächsten

Nachdem wir am Tag zuvor die Medizinvorräte reichlich aufgestockt haben, konnte endlich wieder ein medical camp mit mir stattfinden. Da wir mit viel Personal angereist waren konnten wir uns zwischendurch zu home visits in der Umgebung aufteilen und somit wechselten die Aufgaben hin und wieder. Somit bin ich nach 5 Monaten nun auch endlich, zumindest halbwegs, in der Lage, die Schrift und die Ausdrucksweise des Doktors nachvollziehen zu können und muss jetzt nicht nur zwangsläufig bei der Medizinausgabe assistieren. Als Belohnung wurde ich bei der Rückkehr kurz vor dem Büro auch von einem Affen begrüßt. Es ist mir immer noch ein Rätsel wie und woher er sich in den Süden Mumbais verwirrt hat.

Für mich ging es außerdem ins Kinderheim, um Platz für die nächsten Helfer zu machen und hier zu versuchen, die Kinder so gut es geht bei den Prüfungsvorbereitungen zu unterstützen. Das Ausräumen meines Zimmers hat mir schnell deutlich gezeigt, wie viel sich schon angesammelt hat und lässt die Spannung wachsen, ob ich das alles mit nach Hause kriege….

Auch kulinarisch ging es weiter und Süßigkeiten konnten mit frischem Zuckerrohr (übrigens eine Kunst für sich es nur mit den Zähnen auseinander zu bekommen) und Tamarinde, einer Frucht, die nach meinen geliebten Centershocks schmeckt, ersetzt werden. Nach dem Volleyballtraining tut das auch sehr gut. Ich freue mich nämlich sehr und bin auch ehrlich gesagt etwas überrascht, wie gut meine Ratschläge angenommen und wie schnell sie umgesetzt werden.

Die Temperaturen hatte ich dabei etwas unterschätzt, da ich auf Grund des anstehenden Sommerbeginns im März davon ausgegangen bin, dass mich hier angenehme Temperaturen erwarten werden. Ansichtssache, allerdings sind die morgendlichen rund 7 Grad doch etwas frisch, vor allem aber beim Anblick der barfüßigen Kinder :D. Einfach die Tür zu machen, um das Eintreten der Kälte zu stoppen, ist hier schwer, also sind 3 Decken oder Hände an noch warmen Kochtöpfen aufwärmen die perfekte Lösung. Nachdem Affen die Solaranlagen schon mehrfach beschädigt hatten, funktioniert jetzt sogar das warme Wasser wieder optimal.
Tagsüber dagegen ist es mittlerweile schon wieder so warm, dass man es in der Sonne kaum aushält. Der Schatten unter dem riesigen Tamarindenbaum lädt dann zum gemütlichen Picknick ein, wer würde da -Nein- sagen? Sogar am frühen Abend noch angenehm, hauptsächlich aber auch wegen dem aufheizenden Baustrahler…. Auch morgens isst es sich in der Sonne deutlich angenehmer als auf dem eiskalten Fußboden. Umringt von den zahlreichen Hennen und den 3 Hunden muss man auch gleich hellwach sein, um selbst was vom Essen abzubekommen. Seit ein paar Wochen gibt es nämlich einen neuen Welpen, der natürlich jetzt der Mittelpunkt ist. Ich meine sagen zu können, dass ich nach ein paar Tipps wie man das macht, kurz davor stehe ihm den ersten Befehl beizubringen.

Soweit zum bisherigen Stand der Dinge. 🙂

Durchatmen

Als wir nach einer spannenden Anfahrt mit Taxi, Bus und einem Auto für 9 Personen, in dem wir schlussendlich zu sechzehnt Platz fanden, im Agape Village ankamen, konnten frische Luft und die angenehmen Temperaturen erstmal entspannt und allein genossen werden, da alle Kinder in der Schule waren. Doch ab halb 6 kam wieder Leben aufs Gelände und ich wurde von allen herzlich empfangen.

Da am Donnerstag Feiertag war und nur die 10.-Klässler für ein paar Stunden zur Schule mussten, da nächste Woche die Prüfungen beginnen, stand kein langweiliger Tag an. Zuerst wurde nach dem Motto: -Erst die Arbeit, dann das Vergnügen gehandelt- und alle halfen beim Unkraut entfernen und Gras sensen. Da es um die Mittagszeit trotzdem recht heiß wird, war ich froh, dass ich mich am Ende ganz gut aus der Affäre ziehen und schonmal die nächste Aktivität vorbereiten konnte. Noch in Deutschland haben ein paar meiner Freundinnen Ausmalbilder vorbereitet, um mein mangelndes Talent zu überdecken. Zuvor hatte ich noch überlegt, ob das wirklich jedem Spaß machen wird, die Sorge war aber vollkommen überflüssig. Alle suchten sich schnell ihr Lieblingsmotiv aus und auch um ein paar neue Englisch-Vokabeln zu lernen waren die Bilder wirklich praktisch. Vor allem die Jungs beeindruckten mich sehr, da sie nicht nur mit Freude dabei, sondern im Anschluss auch noch eigene Bilder zauberten, von denen ich mir zu Hause gern ein paar in Großformat an die Wand hängen würde. Nach einem Marktbesuch konnte ich auch endlich Klebeband besorgen und die Wände etwas farbenfroher gestalten. In der restlichen Freizeit wurde ab und zu ein Film eingeworfen. Unter anderem ‚Narnia‘ worüber ich mich besonders freute und mir nach einigen Minuten dann auch erstmal bewusste wurde, dass ich die einzige im Raum bin, die überhaupt weiß, wie sich Schnee wirklich anfühlt und wie er aussieht…
Bei der täglichen Lernzeit sind mir des Öfteren meine Englischlehrer in den Sinn gekommen und es kam etwas Dankbarkeit auf, dass mir im Großen und Ganzen recht viel beigebracht wurde. Auch spannend ist, vor welche Herausforderungen einen sogar 6.-Klasse Mathematik stellen kann, weil man das einfach nur in der eigenen Muttersprache gewöhnt ist. Da fühlt es sich schon wie ein wahnsinniges Erfolgserlebnis an, wenn man es schafft, einem Jungen, der selbst kaum Englisch spricht, etwas Neues zu vermitteln. Bei der Regelung gerade Mathe und Naturwissenschaften auf Englisch zu unterrichten bin ich und ich denke auch viele weitere Schüler in Deutschland ganz froh, dass bei uns (zumindest an unserer Schule) dabei eher auf Fächer wie Geografie und Geschichte gesetzt wird.
In den vergangenen Tagen habe ich auf jeden Fall einiges an Gartenarbeit nachgeholt, da ich davon zu Hause netterweise so gut wie immer verschont wurde, Dankeschön :D. Da hier aber alle mit anpacken, macht das aber auch fast richtig Spaß; man sieht so schnell Fortschritte und wird von der Fröhlichkeit der Kinder mitgerissen. Belohnt wurde das ganze dann auch noch mit dem ein oder anderen Candle-Light-Dinner, das aber ehrlichgesagt auf Grund des ständigen Stromausfalls unvermeidbar war.
Außerdem konnte ich mein erlangtes Wissen über das Versorgen von Hunden hier auch praktisch anwenden, da Organisationen, wie es sie in Mumbai gibt, hier rar sind :D. Der Fokus liegt hier dann doch eher woanders und nicht auf dem Wohlbefinden der Hunde. Umso mehr haben die sich gefreut, wenn sie dann endlich mal etwas Aufmerksamkeit bekamen. So wurde mir beim Verteilen einer Salbe gut assistiert und ich hoffe, dass das vielleicht auch so beibehalten wird. Tierisch ging es weiter, denn die mehr oder weniger reifen Guaven wurden nicht nur von den Kinder zwischendurch verschlungen, auch ein Affe bediente sich in einem ruhigen Moment ausgiebig an den Früchten. Zusätzlich gab es nicht nur Zuwachs im Hühnerstall, sondern auch ein Junge, den ich schon in Mumbai kennenlernen konnte, zog vergangene Woche ein. Auch wenn er nicht so recht verstehen will, dass ich ihn nicht verstehe, klappt die Kommunikation ganz gut. Es ist wirklich schön zu sehen, wie er hier als Jüngster unter all den neuen großen Geschwistern aufgenommen wird und man sehen kann, wie er aufblüht. Da er noch nicht in der Schule angemeldet wurde, muss er schlussfolgernd auch den ganzen Tag beschäftigt werden. Das ist manchmal gar nicht so einfach, da ein Fünfjähriger doch einiges an Energie zum Verbrauchen hat, wobei ich aber sogar ab uns zu mal ein Wort auf Marathi aufschnappe und somit zumindest erahnen kann, was er vorhat.
Als Küchenhelfer konnte ich mein Talent besonders ausbauen. Meine Chapati-Künste sind von Grund auf gar nicht so schlecht, wie ich erwartet hätte, wodurch ich dabei jetzt theoretisch den genauen Plan habe und falls ich mich, wenn ich zurück bin aufraffen kann, auch zu Hause andere auf den Geschmack bringen werde. Schon verrückt, wenn man so überlegt, was andere Leute gerade tun und man selbst entspannt auf dem Küchenboden mitten im Nirgendwo sitzt und den Teig tiefenentspannt wendet. Auch wenn Lebensmittel zwischendurch aus Versehen auf den Boden fallen, hat hier endlich mal niemand etwas dagegen, wenn sie zurück in den Topf wandern.
Bei so einem gewaltigen Unterschied von Mumbai zum Bergdorf habe ich erstmal so richtig bemerkt, dass es Orte gibt, an denen die Uhr wohl wirklich langsamer tickt. Das lag aber wahrscheinlich auch teilweise daran, dass ich hier noch nicht so an die Tagesabläufe gewöhnt war wie im Büro in Mumbai.
In den letzten Tagen kam es durch familiäre oder gesundheitliche Probleme der Mitarbeiter zu dem ein oder anderen Problem, wodurch sich der Zeitplan nicht nur einmal änderte. Vorab hätte ich nie gedacht, dass ich mit viel Spontanität nicht vollkommen zurechtkommen würde. Auf einen Plan festlegen sollte ich mich aber wirklich nicht mehr. So wurden es noch ein paar mehr Tage, die aber nötig waren, um alles wieder zu ordnen. Heute ging es nach ereignisreichen 2 letzten Tagen, da sich einer der Jungs beim Beweis, dass er auch wirklich so weit springen kann, das Bein gebrochen hat, wieder zurück ins heiße Mumbai.

P.S.: Der Rekord der höchsten Anzahl erwachsener Personen auf einem Moped wurde endlich auf 4 erhöht.

Auftrag erfüllt!

Auf dem Weg ins Agape Village kamen wir wieder an interessanten Ecken Mumbais vorbei. Timothy erzählte mir von einer Religion, in der es ein Ritual ist, die Tauben der Stadt zu füttern, als wir an Einem vorbeifuhren, der dieses praktizierte. Wäre schon interessant zu wissen, wie das wohl in deutschen Städten ankommen würde. Ich tippe, eine riesige Tüte voller Maiskörner dort auszukippen wäre wohl nicht die allerbeste Idee.
Die Hühnereier eines Mannes, der grob durchgerechnet 300 Stück, gestapelt auf seinem Fahrradgepäckträger durch die Straßen kutschierte brauchten wir nicht, da diese später im Kinderheim durch die vielen Hennen vorhanden waren und auch des Öfteren eines vor meiner Tür abgelegt wurde. Respekt haben sie sich auch gemacht, da ich in den nur 3 Tagen 2 Mal von einem Hahn attackiert wurde. Wahrscheinlich bin ich einfach zu unangsteinflößend an die Sache heran gegangen…
Auf dem Weg machten wir noch Halt bei McDonald’s. Ich hätte nicht gedacht, dass ich schon nach so kurzer Zeit nicht drum herumkomme hier zu essen :D. Allerdings ist die Kette und auch etliche andere Etablisments für mich als Vegetarier verleichsweise ein Paradies, da kann sich Deutschland noch so einiges abschauen. Die Fahrtzeit begann zu schwinden und endete im letzten Drittel mit einer Strecke die, ich weiß nicht so recht, wie man es am besten beschreiben kann, aber auch wenn ich noch nie auf einem saß, einem Kamelritt glich. Ein weiteres Mal, bin ich nicht traurig darüber, keinen internationalen Führerschein beantragt zu haben. (Auch wenn den hier wahrscheinlich eh nie jemand sehen wollen würde.)
Als wir ankamen waren die meisten Kinder sofort interessiert, wie ich heiße, wo ich herkomme, ob ich Geschwister habe oder wann mein Geburtstag ist. Besonders beliebt war auch zu fragen, wen meiner Vorgänger ich alles kenne. Ich habe versucht bei den Dingen zu helfen, die mir nicht vollkommen neu waren. Gemüse schneiden war zum Beispiel ein sehr gut machbarer Job. Hier konnte man dann auch einiges an neuen Gemüsesorten kennenlernen, Ladyfinger zum Beispiel. Dabei habe ich hier meine neue Lieblingsmethode zum Runterkommen gefunden: Knoblauch schälen. Am besten noch mit Marathi-Gesprächen im Hintergrund – perfekt. Dabei herrscht kein komisches Schweigen, trotzdem muss, bzw. kann ich mich nicht ins Gespräch einbringen und somit in aller Ruhe Knoblauch schälen. Allerdings wird mir besonders hier klar, dass es schon echt eine gute Sache wäre, dann wenn es spannend klingt, wenigstens zu wissen worum es geht. Mal sehen, was sich da in meiner Zeit noch machen lässt. Auch beim Hausaufgaben machen, Unkraut jäten und Hockey spielen konnte ich mich ganz gut einbringen.
Hier wurde mein Körper, bzw. mein Magen, zum ersten Mal so richtig ausgetestet und hätte ich nicht endlich mal ein paar Ratten gesehen, hätte ich mich auch gewundert, wo die ganzen Klischees versteckt sein sollen. Trotz Händewaschen im Gemüsekochwasser, fehlenden Schneidebretts und Nutzen des Tisches und der Perfektionierung meiner Künste mit den Händen zu essen, kann ich mich nicht beschweren, mir geht’s weiterhin gesundheitlich sehr gut, auch wenn die Intensität des Schärfegrades hier etwas angezogen hat. (Die aufgezählten Punkte deswegen bitte nicht negativ aufnehmen!)
Auf dem Markt war ich zunächst etwas überfordert, da ich mich schon gefreut hatte einen schönen Stand mit Kleidern gefunden zu haben, als mir dann der Verkäufer sehr freundlich und in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen, um es auch auf Englisch verständlich zu machen, dass das nur die Stoffe sind, die erst noch in einer Schneiderei zum Kleid gemacht werden müssen. Verkraftet habe ich das aber schnell, denn vor allem die erste Tube Hennafarbe und ein Fußkettchen trösteten mich darüber hinweg. Als ich die Frau nach den separaten Preisen für die Dinge fragte, zeigte sie mir zwar beide Male einfach nur Zeige- und Mittelfinger, vielleicht wollte sie also zu Beginn erstmal Frieden schließen… Ich habe mich dann aber doch für Variante 2 entschieden und die Preise angenommen, die ich als realistisch empfand und ich denke, dabei wurde ich auch nicht allzu sehr übers Ohr gehauen. Nach dem dritten Mal raus und reingehen habe ich mir meinen Kopf dann auch endlich nicht mehr am Eingangstor gestoßen. Ja ja, dass ich hier trotz eigentlich nur 1,74m um einiges größer bin als alle anderen war mir schon am Flughafen klar, als ich den Vorteil nutzen und damit einen Überblick über alle Koffer hatte und deswegen am Kofferband nicht wie alle anderen um die vorderen Plätze kämpfen musste. Jetzt musste ich nur noch jemanden finden, der geschickter im Hennafarbe auftragen ist als ich… Das war zum Glück auch nicht schwer, denn schon 2 Minuten nachdem jemand meine amateurhafte Zeichnung am Fuß sah, wurde ich schon gefragt, ob mir eines der Mädchen auf die Hand malen darf. Mich dafür zu überreden hat nicht lang gedauert.
Naomi hatte mir, als ich sie im Mai bei ihr zu Hause besucht habe, um mir im Vorfeld von ihrer Zeit berichten zu lassen, ein paar ihrer restlichen Rupien gegeben, damit ich sie sinnvoll in Eis für die Kinder hier umsetzen kann. Nachdem diese auch ständig nur von ihr Naomi Didi schwärmten, hatten sie das auch wirklich verdient! Da sie am Donnerstag aufgrund des Feiertages -wegen des Hindu- Festivals ‘Ganesh Chaturthi- frei hatten, passte das auch besonders. Dabei sprang sogar Samosa und Mangoeis + genug übriges Geld für eine nächste Runde in den kommenden Tagen. Also: Auftrag erfüllt! Apropos Mangos: Die wachsen hier leider erst im März, aber zum Glück bin ich dann ja auch noch da .
Als Abschlussfrühstück gab es dann noch Rührei mit Brötchen, nicht wie sonst Reis in verschiedenen Variationen, fast wie zu Hause. Wie gesagt fast, oder kommt bei euch auch eine Chilischote und eine Zwiebel auf ein Ei? 😀
Alles in allem, ein paar sehr schöne Tage, ich werde auf jeden Fall wiederkommen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass Mumbai mehr für mich ist. Ich denke, das Bergdorf ist eine tolle Möglichkeit um aus dem lauten Großstadtalltag herauszukommen und umgeben von wundervoller Natur zu sein. Ich hoffe, dass ich mich in Mumbai schnell zu einer nützlichen Hilfe einarbeiten kann. Da am Tag unserer Anreise ins Agape Village auch gerade ein Paar angekommen ist, welches angefangen hat, dort zu arbeiten, mache ich mir keine Gedanken, dass es dort zu wenige Helfer gibt. Auch die Kinder sind durch ihre wahnsinnig gute Erziehung (zumindest von dem, was ich mitbekommen habe) eine große Hilfe im Alltag.

Liebe Grüße, Michelle

l’Art pour l’Art – die Entstehung eines Musikraums

Hallo liebe Leser!

Erstmal vorab ein persönliches Update. Nach doch recht krankheitsgeplagten 2 1/2 Monaten kommt von mir mal wieder ein Update, momentan kuriere ich meine Bronchitis aus. Ich hoffe euch geht es allen besser in Deutschland. Hier in Indien ist der Sommerangebrochen, Abends gerade so 10 Grad und Mittags locker 40 Grad. Leider läuft mein Einsatz steil dem Ende entgegegen… ahhhh nur noch 16 mal schlafen und dann Deutschland, ich pack es einfach nicht. Ich hab mir deshalb zum Ziel gesetz jetzt nochmal besonders kleine Veränderungen zu puschen und Projekte die lange Zeit schon besprochen und geplant waren anzufangen umzusetzen. So zum Beispiel auch der Musikraum 😀

Das Agape Village schlägt schon jetzt mit einem musikalischen Herzschlag. Jeden morgen und Abend erklingt das Heim voller Musik. Mit Trommeln, kleinen Pauken und 20 entzückende Kinderstimmen. Die Musik ist jedoch nicht nur auf die Andachtszeit beschränkt. Nur selten hört man keinen vor sich her singen.
Um dieses Interesse weiter zu fördern und allgemein musikalisches Interesse zu wecken haben wir angefangen einen Musikraum einzurichten. Die Eröffnung kommt erst nach Ende der Abschlussprüfungen. Der Musikraum wird mit 2 Gitarren, einem Keyboard und Musiknoten ausgestattet. Einen Teppich und angemalte Wände werden hoffentlich ein freundliches Klima für künstlerische Arbeit bilden. Die Wände werden von den Kids selber angemalt und bis jetzt sieht der Raum echt gut aus. Na gut von unserer Vision ist noch nicht viel in die Tat umgesetzt worden… ABER das Gitarrenbild steht schonmal. Es fehlen nur noch die Noten und der Musikalische Motivations Spruch auf englisch, falls ihr einen passenden habt, einfach in die Kommentare posten. Wir freuen uns über jeden Beitrag 😉

Nächste Woche fangen die wichtigsten Prüfungen des Jahres an weshalb sehr viel und intensiv gelernt wird. Mein arbeits Schwerpunkt hat sich von der Küchenhilfe zu mithilfe in der Buchhaltung und Nachhilfe geben gewendet. Englisch, Mathe und Science steht auf dem Programm. Es ist schön sein Wissen über Magnete, Planeten, Addieren, und komplizierteren Oberstufenmathe aufrischen zu können. Mich fasziniert momentan wie die Kinder doch teilweise recht schlechtes Englisch sprechen jedoch ohne Probleme Science in Englisch kapieren.

Ich wünsche euch einen schönen Palmsonntag!
Lg,

Naomi 😀

gitarrenbild

Weihnachtsfeier Teil 2

Hallo 🙂

172DB369-EBD0-4588-826C-58A9E8E0264BAm 17.12 war die offizielle Weihnachtsfeier im Agape Village. Ich kam erst an dem Sonntag Mittag dazu, um zu helfen, aber Till hat schon am Samstag die Bühne mit aufgebaut. Das Weihnachtsprogramm war echt schön. Erst wurde gesungen, dann wurden die Tänze von den Kindern aufgeführt. Mich hat es sehr gefreut, die eh schon guten Tänze nochmal auf einem ganz anderen Niveau zu sehen. Till, ich und 2 andere Freieillige aus Argentinien und Costa Rica haben zum Abschluss ein kleines Konzert von Stille Nacht gegeben. Auf Spanisch, Deutsch und Englisch. Nach der Bescherung und einem Abendessen, welches eines solchen Events gebührig ist, klang der Abend mit einem Lagerfeuer aus. Der Freiwillige aus Costa Rica hatte mit den Kindern ein Schlagzeug aus alten Dosen und Reifen gebaut und ihnen einen Rhytmus Crashkurs gegeben. Das gelernte Wissen wurde beim Lagerfeuer gleich angewandt. Die Jamsession, die folgte, war ein guter Abschluss eines gelungenen Abends.

CA340A76-A8C4-472D-B2DB-42F391E79669Weihnachten war sehr ähnlich und so ganz anders als gewohnt. Reinzufeiern und morgens um 1 eine Tanzparty zu veranstalten hab ich an Weihnachten noch nicht erlebt. Die bunte und fröhlich Art zu feiern ist nicht nur sehr indisch, sondern wie ich fand auch sehr passend 🙂 Danach gab es mittags nochmal ein Weihnachtsprogramm für die Freunde, Lehrer und Bekannten der Kids. 150 Leute insgesamt 🙂

Ich hab jetzt knapp 2 Wochen Ferien, in denen es sehr abenteuerlich durch Indien geht. Deswegen wünsche ich euch jetzt schon ein gutes neues gesegnetes Jahr.

Lg Naomi 🙂