Rückblick mit Weh- und Frohmut

07.März: seit einer Woche sind wir wieder in Deutschland

– ich genieße die Ruhe und vermisse die gut abgestimmte Würze der indischen Küche

– ich freue mich über die nahezu müllfreien Städte und vermisse die spontanen netten Unterhaltungen mit Menschen, die ich noch nie gesehen habe und wohl auch nie mehr sehen werde

– ich bin glücklich, nicht ständig von Klimaanlagen eiskalt umpustet zu werden und vermisse die sommerlichen Außentemperaturen

Ich könnte noch lange weitermachen mit all den Eindrücken, die oft so konträr auf uns einprallten. Den stärksten Eindruck aber machten auf mich die Menschen von IMCares:
– Timothy und Sonali Gaikwad, die sich in westlichen Ländern wie Deutschland oder England genauso gut zurechtfinden wie in ihrer indischen Heimat, die so viel Elend erleben und doch so viel Zuversicht und Hoffnung ausstrahlen, die so vielen hoffnungslosen Menschen durch ihre Projekte wieder Perspektive und Lebensfreude gegeben haben!
– Preeti und Jayant, die Hauseltern von Agape Village, die dort zur Zeit 17 Kinder betreuen, ihnen nicht nur Aufgaben geben, sondern auch Anerkennung und Liebe, eine große Familie, in der man nicht nur miteinander, sondern auch füreinander lebt.
– Rakesh, Deepak und Vivaan (Namen geändert), die drei Jungs, die uns bei unseren Reparaturarbeiten in Agape Village mit großem Eifer unterstützten und so viel handwerkliches Geschick an den Tag legten.
– Raju, Timothy’s Mitarbeiter, der uns mit viel Geduld durch die Slumgebiete von Mahim im Norden von Mumbai führte. Er setzt sich mit so viel Kraft und Liebe für die Kinder im Day Care Center, für Obdachlose auf der Straße und für Behinderte ein und wohnt selbst mit Frau und vier Kindern im Slum in einer viel zu kleinen Wohnung.

Reislieferung für’s “Day Care Center” im Slum. Ganz links: Raju, Mitarbeiter von Imcares

– Joty (Name geändert), die als Tuberkulose-krankes Kind von Timothy’s Mutter gesund gepflegt wurde und dann in Agape Village aufwuchs. Es war bewegend, wie sie uns ihre Geschichte voller Dankbarkeit erzählte.
– Shrutika, die als HIV-positiv von Familie und ihrem Umfeld ausgestoßen worden war und die durch ein Stipendium-Programm von IMCares wieder Perspektive und Lebensmut bekam und schließlich sogar zu einer wichtigen Mitarbeiterin von IMCares wurde.

Ich könnte noch etliche Zeilen anfügen…

Diese Menschen zu erleben war der Höhepunkt der Reise. Ich hoffe sehr, dass wir die Arbeit von IMCares auch weiterhin unterstützen können, durch Wort und Tat, im Gebet und finanziell!

Und ich bin mir bewusst: es sind nicht nur wir, die die Arbeit von IMCares unterstützen – auch umgekehrt gilt: der Dienst dieser Menschen an uns, die Begegnungen, das vorbildliche Glaubensleben, die Liebe im Miteinander und uns gegenüber – mit all diesen Eindrücken profitieren wir von IMCares mindestens ebenso wie IMCares von uns à eine klassische Win-Win-Situation!

Mein Dank geht an alle genannten und ungenannten Mitarbeiter von IMCares, an die Kinder von Agape Village, an unser Reiseteam, das so gut harmonierte und besonders an die “Reiseleiterin” Rebekka mit ihrer “Assistentin” Naomi.

Wolfram

Indische (Aus-) Gelassenheit in der Weihnachtszeit

Liebe Blogleser!

Das neue Jahr hat begonnen und ich möchte euch ein wenig von meiner Weihnachtszeit hier in Indien berichten, die doch ziemlich anders verlaufen ist im Vergleich zu meinen vergangenen zwanzig Jahren in Deutschland.

Das Ganze beginnt natürlich schon mit solchen Dingen wie Wetter: Mitte November ist hier der indische Winter ausgebrochen – genau, die Betonung liegt auf indisch. Das Thermometer steigt in der Nacht bis zu ganzen 12°C herab und in der Mittagszeit erreichen wir höchstens Werte von 28°C – das sind wirklich schon sehr harte Temperaturen für die Inder, aber sie sind natürlich gut vorbereitet und deshalb laufen ab Sonnenuntergang eigentlich alle mit Westen, Pulli, Schal oder, wenn es ganz schlimm kommt, auch mit Mützen herum…  für mich ist das lustig zu beobachten, von was für Frostbeulen ich doch umgeben bin – aber nun mal Spaß beiseite: Ein ganz großer Unterschied am Winter hier ist natürlich, dass ich bisher noch in keinem Haus eine Heizung gesehen habe und man allerhöchstens mit Holz an der Feuerstelle in der Küche das Haus erwärmen könnte. Die Häuser sind meist auch nicht so gut isoliert von außen, sodass die Wärme nicht vorm Entweichen aufgehalten werden kann und bei uns im Haus kommt noch dazu, dass manche Räume nur durch Gitterstäbe nach außen hin abgesperrt sind und manche Fenster fehlen, sodass es, auch nach deutschem Gefühl, kühl wird in der Nacht.

Einen weiteren großen Unterschied betrifft besonders die Weihnachtsvorbereitungen: Während wir in Deutschland ja schon ab Oktober/November weihnachtstypische Dinge in den Schaufenstern wiederfinden, mit der Dekoration Zuhause beginnen oder uns ins Plätzchenbacken stürzen, sehen die Inder dem großen Fest ein wenig gelassener entgegen und sie starten mit allen notwendigen Vorbereitungen eine gute Woche zuvor. Bei uns haben die Kinder die öffentlichen Räume dekoriert, Kaki, die Heimmutter, hat einen Marathon hinter sich gelegt, was Teigkneten, verschiedene Füllungen anbraten und später das „Plätzchen“ frittiert angeht und unsere Jungs haben eine Lebensgroße Krippe aus Bambusstäben, Stricken und Stroh gebaut. Außerdem waren wir an drei Abenden in verschiedenen Familien aus dem Dorf und haben ihnen Weihnachtslieder vorgesungen, worüber sie sich wirklich gefreut haben und unsere Kinder ebenso.

Heilig Abend haben wir am Lagerfeuer verbracht, gemeinsam gesungen, die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu wurde erzählt und dann haben wir um Mitternacht in den 25. hineingefeiert und sogar einen kleinen Kuchen angeschnitten, weil sie es hier so richtig als Geburtstag von Jesus feiern.

Das typische Weihnachtsgefühl, welches bei einem spätestens aufkommt, wenn man als Familie an Heilig Abend zusammen versammelt ist und alles so friedlich scheint, kam bei mir nicht auf, denn dafür war es doch einfach zu anders… Aber das muss vermutlich auch gar nicht sein, denn an Weihnachten geht es doch schließlich um so viel mehr, als Geschenke, Tannenbaum und gutes Essen.

Wodurch ich vermutlich aber auch nicht so wehleidig und traurig geworden bin, war die Tatsache, dass meine Eltern mich kurz nach Weihnachten besucht haben!!!  Es war eine unglaublich große Freude sie nach so einer langen Zeit, endlich wieder in die Arme schließen zu können, mit ihnen ganz persönlich reden zu dürfen und ihnen meine indische Welt zu zeigen. Erst verbrachten wir drei Tage in Mumbai, in denen uns Timothy auch einiges über die Arbeit von IMCARES berichtete und zeigte, sodass wir auch in eines der größten Slumgebiete Mumbais fuhren. Für meine Eltern war das natürlich besonders bewegend und umhauend, all diese Armut und Lebensumstände von so vielen Menschen zu sehen, aber auch mich schockiert es immer wieder neu, denn es scheint einem so menschenunwürdig und fernab der Realität, dass Menschen so leben müssen… aber es gibt zumindest ein wenig Hoffnung, dass unsere Projekte in Mumbai zumindest ein paar dieser Menschen erreichen und wir ihnen helfen dürfen.

Nach der Zeit in Mumbai haben wir uns auf den Weg ins Kinderdorf gemacht und dort liefen schon die Vorbereitungen auf Hochtouren für das alljährliche, große Weihnachtsfest, zu dem Unterstützer und Freunde von IMCARES eingeladen werden und unsere Kinder ein buntgemischtes Programm aufführen. Alle haben gut mitgeholfen und mit angepackt, dann kamen auch noch die Mitarbeiter aus Mumbai zu Besuch und der Festabend wurde richtig schön: Es wurde gesungen, getanzt, ein kleines Tehaterstück vorgeführt und mehrere Ansprachen gehalten. Nach dem offiziellen Teil haben wir sehr lecker gegessen und daraufhin einer kleinen „Familien-Band“ zugehört, die Lieder auf Marathi vorgespielt hat. Nachts fielen wir alle müde, aber glücklich ins Bett und genossen am nächsten Tag die Ruhe nach aller Arbeit.

Mein Vater musste schon wieder früher abreisen, da er nicht mehr Urlaub bekommen hat, aber meine Mutter konnte noch eine Woche länger bleiben und es war richtig schön mit ihr gemeinsam die Zeit im Kinderdorf zu verleben und dass sie nun ebenso viel besser die Menschen kennt, die mich alltäglich umgeben. Am Ende ihrer Zeit sind wir gemeinsam nach Mumbai gefahren, sie flog wieder zurück nach Deutschland und ich arbeitete für vier Tage im Office mit und bin mit den Mitarbeitern in verschiedenen Stadtteilen von Mumbai unterwegs gewesen, um Patienten von uns zu besuchen, mit ihnen zu reden und einfach nach dem Rechten zu schauen. Das war auch wirklich eine sehr interessante Erfahrung und es hat mir geholfen noch besser unsere Kinder zu verstehen, die schließlich genau von diesen Orten zu uns ins Kinderdorf gekommen sind.

Mich verschlug es aber auch nach Mumbai, da fast schon die Hälfte meiner Dienstzeit vorüber ist und wir Freiwilligen in Asien deshalb von unserer deutschen Organisation aus ein einwöchiges Zwischenseminar in Thailand haben, auf dem ich mich zurzeit befinde. Es ist eine sehr schöne Zeit, in der wir uns über unsere Erlebnisse und Erfahrungen austauschen, einander stärken und ermutigen und auch Zeit zum Entspannen und Ausruhen haben. Ebenso ist es auch mal gut aus dem Agape Village rauszukommen und das gesamte Leben dort mit ein wenig Abstand zu betrachten – mit allen Hoch- und Tiefpunkten. Ich muss aber wirklich sagen, dass ich sehr dankbar dafür bin, an diesem Ort in Indien gelandet zu sein und dass ich die Kinder wirklich ein wenig vermisse, auch wenn wir uns bald schon wieder sehen werden. =)

Seid lieb gegrüßt,
Lena

Erste Eindrücke – Besuch bei Imcares

Liebe Blogleser,

mein Name ist Luisa, ich bin 26 Jahre alt und wohne im schönen Hamburg.

Nachdem ich 2016 das erste Mal nach Indien gereist bin und mich direkt in Mumbai verliebt habe, war mein Entschluss gefasst, eine Organisation vor Ort monatlich zu unterstützen.

Nachdem sich die Suche nach einer passenden Organisation schwieriger herausstellte als gedacht, da mir die meisten Projekte zu intransparent waren, fand ich Seek und Care.

Mir war es besonders wichtig die Möglichkeit zu haben, die Projekte vor Ort besuchen zu können. Was von den meisten Organisationen direkt abgelehnt wurde, war bei Seek und Care von Anfang an kein Problem.

Und so kam es, dass ich nun, im November 2019 auf meiner Reise durch Indien und Nepal, erneut einen Stopp in Mumbai gemacht habe.

Ich hatte bereits einige Monate im Voraus meinen Besuch angekündigt und mir wurde zugesagt, dass ich das Büro von Imcares und eventuell auch den Slum besuchen dürfte.

Kurzfristig hat mich Timothy, der Leiter von Imcares, dann jedoch zu einem WochenendeinsAgape Village eingeladen.

Sehr gespannt was mich dort erwarten wird, traf ich mich freitags Abends mit Timothy, seiner Frau Sonali und der neuen Kinderpsychologin Juie im Büro von Imcares.

Im Anschluss starteten wir unsere 5 stündige Fahrt zumAgape Village, wo wir um 4 Uhr morgens eintrafen.

Zusammen mit Juie schlief ich in einem einfachen kleinen Haus neben den Häusern, in welchen die Bewohner schlafen.

Am nächsten Morgen lernte ich alle Bewohner und Mitarbeiter kennen und konnte mir einen Einblick über das Leben vor Ort machen. Das Engagement das Timothy, seine Frau, die Mitarbeiter und auch die Freiwillige aus Deutschland vor Ort zeigen, ist mehr als beeindruckend.

Jedem einzelnen Kind wird so viel Aufmerksamkeit und Zuneigung wie möglich geschenkt und man hat wirklich das Gefühl, dass sich die Kinder hier von dem Schrecken den sie erlebt haben, wieder erholen können.

Zufällig waren an diesem Wochenende ehemalige Bewohner, die mittlerweile erwachsen sind, zu besuch. Es hat mich sehr berührt zu sehen, dass diese Kinder, die so fürchterliches durchgemacht hatten, nachdem Sie imAgape Village aufgewachsen sind, zu so großartigen Erwachsenen wurden.

Ich habe mich mit einigen unterhalten die studiert haben, nun verheiratet sind und teilweise eigene Kinder haben. Alle stehen auf Ihren eigenen Beinen und die Dankbarkeit gegenüber Imcares ist groß.

Nach einem ereignisreichen Wochenende mit viel Essen, Tanz und guter Laune haben wir uns Sonntags wieder auf den Rückweg nach Mumbai gemacht.

Ich bin mehr als glücklich, dass ich das Projekt vor Ort besucht habe. Es hat mir einen Einblick darüber gegeben, wofür das Geld der Spender benutzt wird und ich bin froh und auch stolz, dass ich meinen Teil dazu beitrage, dass Imcares diese unfassbar wichtige Arbeit vor Ort durchführen kann.

Freiwilligendienst Nr. 4

Liebe Blogleser,

Schon seit ein paar Jahren hegte ich den Wunsch, nach meinem Abitur für ein Jahr Deutschland zu verlassen und “in die große weite Welt” zu ziehen, um dort andere Menschen, Kulturen und Lebensumstände kennenzulernen. Und nun wird es tatsächlich Wirklichkeit, denn ab dem 07. August darf ich mit “Seek and Care” nach Mumbai reisen und für ein Jahr bei IMCARES mitarbeiten. Auf das kommende Jahr und all die vielen Erlebnisse bin ich schon sehr, sehr gespannt, aber bevor es losgeht und ihr regelmäßig meine Blogbeiträge lesen werdet, möchte ich mich noch kurz vorstellen.

Mein Name ist Lena Winkler, ich bin 19 Jahre alt, komme aus der Nähe von Trier, habe frisch mein Abitur absolviert und lernte über Michelle, die ehemalige Freiwillige, die Arbeit von “Seek and Care” kennen, da ich auf der Suche nach einer Organisation war, mit der man einen Freiwilligendienst oder ähnliches in Indien machen kann. Gott hatte mir für dieses Land das Herz erwärmt und je näher die Zeit bis zum Abflug voranschreitet, desto größer wird die Angst, Spannung und Vorfreude. Angst, da ich meine vertraute Heimat, meine Familie, Freunde und Gemeinde verlassen werde, Spannung vor dem Ungewissen, aber eben auch die Vorfreude auf das neu zu entdeckende Indien, welches nun für ein Jahr mein neues Zuhause werden wird.

Die meiste Zeit werde ich vermutlich im Agape Village, dem Kinderdorf ein wenig außerhalb von Mumbai, mitarbeiten und freue mich schon sehr auf die gemeinsame Zeit mit den Kindern. Ich danke allen lieben Menschen, die mich auf dieser Reise begleiten wollen und meinen Freiwilligendienst auch finanziell unterstützen.

Seid lieb gegrüßt, Lena

Schüler aus dem Erzgebirge schicken Grüße nach Indien

Die Jenaplanschule Markersbach hat sich am Spendenaufruf für das Kinderdorf beteiligt. Eine sechste Klasse sammelte bei einem Kuchenbasar Geld, welches es uns mit netten Briefen der Schüler an die Kinder im Agape Village mitgab. Mit Begeisterung ordneten die indischen Kinder die Briefe einem beigelegten Gruppenbilder der Schulklasse zu. Mit der Aussprache der Namen hatten manche so ihre Schwierigkeiten. Mit viel Liebe zum Detail gestalteten die Kinder eine Rückantwort an die Schulklasse.

 

Vielen Dank Jenaplanschule Markersbach!!

Slackline: Was ist das denn??

Frühstück, Besorgungen im Ort und Ordnung bringen in den „Kabelsalat“, stand bis Mittag auf dem Plan. Ebenso wurde sich ein Bild vom Wasserpumpenproblem am Fluss verschafft. Die Pumpe ist leider schon länger defekt und es fehlt eine wichtige Wasserquelle für den Garten. Somit verabschieden sich immer mehr Bananen- und Papayapflanzen. Es gab einen Brand am Flussufer und dadurch wurde das Kabel und der Schlauch komplett zerstört. Das hatte zur Folge, dass die Pumpe im Fluss herrenlos auf Dauertauchstation gegangen ist und nur mit großem Aufwand geborgen werden kann um sie wieder in Stand zu setzen. Traurig wurde entschieden, dass wird eine Nummer zu groß für unseren Kurzeinsatz.

In der Spielzeit am Nachmittag weihten wir das Volleyballfeld ein und anschließend die Slackline, welche Sabine in ihrem Gepäck hatte. Alle sind sich einig, dass das eine sehr gute Anschaffung ist, die bestimmt robust genug ist, um lange Freude zu bringen sowie Motorik und Gleichgewicht zu schulen.

Zum Abendbrot gab es heute zum ersten Mal das beliebte Chabattibrot. Unterstützung bei der aufwendigen Zubereitung bekam die Küche durch Nancy, Marcus und Michelle, sie ist zur Zeit als Volunteer aus Thüringen hier.

Viele Grüße sendet Birgit.

Volleyball hier, Study room dort.

 

Nach dem Spätabendgespräch mit Timothy hatten wir nun große Pläne. Wir beschwerten uns nicht, dass es erst 9.00 Uhr für uns Frühstück geben sollte, sondern begannen einfach schon bei angenehmen Temperaturen um 8.00 Uhr mit dem beseitigen der Grasstoppeln auf dem Volleyballfeld. Wie schnell sich doch die Natur Flächen zurück holt. Mit den urig, indisch typischen Werkzeugen quälten wir uns Meter für Meter. An Aufgeben wurde auch gedacht. Aber wir taten es einfach nicht. Mit Unterstützung von Brahesch, einem fleißigen 15 Jährigen, standen wir 4 Frauen stolz vor unserem Werk. Die gesamte Volleyballfläche war nun bespielbar und schon bald erstrahlte die Ziegelbegrenzung in einem neuen blauen Farbanstrich.

 

Anschließend sortierten und säuberten wir gemeinsam mit den Kindern den großen Spielraum. Sogar ein Dienst wurde eingeteilt, um besser darauf zu achten, dass nach der Spielzeit alles wieder zu seinem Platz zurück kehrt.

Unsere drei Männer kümmerten sich mit viel Geduld um die notwendigen Reparaturen an der Elektrik. Wir Frauen fanden: „Ihr habt viel geschafft!“ Unsere drei deutschen Techniker hakten es eher unter grobe Schadensbegrenzung ab. Doch an den nächsten Tagen sollte es weiter gehen.

Unser geplantes Projekt, einrichten des PC-Raumes für unsere zwei neuen Laptops (dickes Dankeschön an alle Spender), wurde kurzerhand etwas erweitert. Unser Sergej kristallisierte sich schnell als Leiter heraus. Die großen Jungs schraubten mit voller Kraft mit. Die Laptops werden noch 2-3 Tage auf ihren Platz warten müssen.

Nach dem Abendbrot, meistens gibt es Reis mit einer leckeren, natürlich scharfen Linsen-Gemüsevariante, animierte Sabine die Kinder zu vielerei Fingertricks. Auch Timothy genoss diese Zeit und brachte sich mit lustigen Games ein.

Unser Team wertete den Tag bis 23.00 Uhr aus und schlüpfte dann in die Zwei- oder Dreibettzimmer. Zum Glück sind die Mücken nicht allzusehr auf Angriff gebürstet.

Sonntags-Frühstück

Laptops für das Kinderdorf

In Mumbai angekommen, stand bereits eine wichtige Aufgabe auf unserem Programm:
Laptops für das Agape Village kaufen! Das versprach spannend zu werden.
An dieser Stelle noch einmal ein großer Dank an alle Spender zu Hause, die dies möglich machten! Damit können die Kinder nun Hausaufgaben und andere Schulprojekte für die ein Laptop notwendig ist, entsprechend zu erledigen.
Kaum in Mumbai angekommen, ging es damit los. Unser Gastgeber Timothy hatte eigentlich schon alles organisiert und wir sollten nur noch die Laptops im Hotel in Empfang nehmen. Über einen Mitarbeiter aus der IT-Branche hatte er ein günstiges Angebot direkt vom Produzenten erhalten.
Tja ganz so einfach und schnell wie sich ein Deutscher dieses Prozedere vorstellt geht es hier in Indien bei weitem nicht. Drei Stunden nach der verkündeten Ankunftszeit kam der Händler im Hotel an und eine Stunde später war der Verkaufsprozess dann endlich abgeschlossen. Typisch indisch!
Nach dem nun endlich geglücktem Kauf der Laptops folgte sofort die Ernüchterung:
Eins der TouchPads der Laptops funktionierte nicht! Jeglicher Reparaturversuch von unseren 3 Laptop-Inbetriebnahmespezialisten Mario, Sergei und Marcus blieb leider erfolglos. Mist, die Laptop-Odyssee ging wohl weiter.
Nach dem erfolglosen Reparaturversuch tags darauf sah auch der Verkäufer ein, dass wohl ein Hardware-Defekt vorliegt. Also musste ein neuer Laptop ran. Jeder nahm natürlich an, dass einfach ein neuer Laptop desselben Typs aus dem Regal genommen wird und an uns verschickt wird, aber weit gefehlt. Ein komplett anderer Laptop als der gekaufte kam am 3. Tag dieser ganzen Misere an. Gott sei dank sah Sergei sofort beim Anschauen des Paketes, dass etwas nicht stimmte.
Also startete wieder eine gefühlt endlose Diskussion über viele Ecken, bei der versucht wurde einen möglichst guten Kompromiss zu finden. Das konnte ewig dauern.
Plötzlich, nach gefühlt zwei Stunden, war dann doch etwas möglich. Es wurde vom Verkäufer zumindest ein Modell gleicher Größe und mit vorhandenen DVD Laufwerk angeboten – ein Muss für den angedachten Einsatzzweck – und hoffentlich mit funktionierendem TouchPad!
Dieser wurde zu unserem Gastgeber geliefert, während wir schon im Bus nach Pune sahsen. Er brachte den neuen Laptop gestern mit ins Kinderdorf.
Die Kinder haben einen nicht genutzten Raum beräumt und gesäubert. Die Laptops werden heute von uns eingerichtet, mit nützlichen Programmen, Security-Software, ect. Morgen kann der Computerraum dann eröffnet werden!
Was für eine Odyssee mit dieser chaotischen Mentalität der Inder. Aber nun bin ich wirklich guter Dinge, die Kinder viel Freude an diesen Laptops haben werden.
Liebe Grüße nach Deutschland,
Euer Marcus

Von einem Picknick zum Nächsten

Nachdem wir am Tag zuvor die Medizinvorräte reichlich aufgestockt haben, konnte endlich wieder ein medical camp mit mir stattfinden. Da wir mit viel Personal angereist waren konnten wir uns zwischendurch zu home visits in der Umgebung aufteilen und somit wechselten die Aufgaben hin und wieder. Somit bin ich nach 5 Monaten nun auch endlich, zumindest halbwegs, in der Lage, die Schrift und die Ausdrucksweise des Doktors nachvollziehen zu können und muss jetzt nicht nur zwangsläufig bei der Medizinausgabe assistieren. Als Belohnung wurde ich bei der Rückkehr kurz vor dem Büro auch von einem Affen begrüßt. Es ist mir immer noch ein Rätsel wie und woher er sich in den Süden Mumbais verwirrt hat.

Für mich ging es außerdem ins Kinderheim, um Platz für die nächsten Helfer zu machen und hier zu versuchen, die Kinder so gut es geht bei den Prüfungsvorbereitungen zu unterstützen. Das Ausräumen meines Zimmers hat mir schnell deutlich gezeigt, wie viel sich schon angesammelt hat und lässt die Spannung wachsen, ob ich das alles mit nach Hause kriege….

Auch kulinarisch ging es weiter und Süßigkeiten konnten mit frischem Zuckerrohr (übrigens eine Kunst für sich es nur mit den Zähnen auseinander zu bekommen) und Tamarinde, einer Frucht, die nach meinen geliebten Centershocks schmeckt, ersetzt werden. Nach dem Volleyballtraining tut das auch sehr gut. Ich freue mich nämlich sehr und bin auch ehrlich gesagt etwas überrascht, wie gut meine Ratschläge angenommen und wie schnell sie umgesetzt werden.

Die Temperaturen hatte ich dabei etwas unterschätzt, da ich auf Grund des anstehenden Sommerbeginns im März davon ausgegangen bin, dass mich hier angenehme Temperaturen erwarten werden. Ansichtssache, allerdings sind die morgendlichen rund 7 Grad doch etwas frisch, vor allem aber beim Anblick der barfüßigen Kinder :D. Einfach die Tür zu machen, um das Eintreten der Kälte zu stoppen, ist hier schwer, also sind 3 Decken oder Hände an noch warmen Kochtöpfen aufwärmen die perfekte Lösung. Nachdem Affen die Solaranlagen schon mehrfach beschädigt hatten, funktioniert jetzt sogar das warme Wasser wieder optimal.
Tagsüber dagegen ist es mittlerweile schon wieder so warm, dass man es in der Sonne kaum aushält. Der Schatten unter dem riesigen Tamarindenbaum lädt dann zum gemütlichen Picknick ein, wer würde da -Nein- sagen? Sogar am frühen Abend noch angenehm, hauptsächlich aber auch wegen dem aufheizenden Baustrahler…. Auch morgens isst es sich in der Sonne deutlich angenehmer als auf dem eiskalten Fußboden. Umringt von den zahlreichen Hennen und den 3 Hunden muss man auch gleich hellwach sein, um selbst was vom Essen abzubekommen. Seit ein paar Wochen gibt es nämlich einen neuen Welpen, der natürlich jetzt der Mittelpunkt ist. Ich meine sagen zu können, dass ich nach ein paar Tipps wie man das macht, kurz davor stehe ihm den ersten Befehl beizubringen.

Soweit zum bisherigen Stand der Dinge. 🙂

Durchatmen

Als wir nach einer spannenden Anfahrt mit Taxi, Bus und einem Auto für 9 Personen, in dem wir schlussendlich zu sechzehnt Platz fanden, im Agape Village ankamen, konnten frische Luft und die angenehmen Temperaturen erstmal entspannt und allein genossen werden, da alle Kinder in der Schule waren. Doch ab halb 6 kam wieder Leben aufs Gelände und ich wurde von allen herzlich empfangen.

Da am Donnerstag Feiertag war und nur die 10.-Klässler für ein paar Stunden zur Schule mussten, da nächste Woche die Prüfungen beginnen, stand kein langweiliger Tag an. Zuerst wurde nach dem Motto: -Erst die Arbeit, dann das Vergnügen gehandelt- und alle halfen beim Unkraut entfernen und Gras sensen. Da es um die Mittagszeit trotzdem recht heiß wird, war ich froh, dass ich mich am Ende ganz gut aus der Affäre ziehen und schonmal die nächste Aktivität vorbereiten konnte. Noch in Deutschland haben ein paar meiner Freundinnen Ausmalbilder vorbereitet, um mein mangelndes Talent zu überdecken. Zuvor hatte ich noch überlegt, ob das wirklich jedem Spaß machen wird, die Sorge war aber vollkommen überflüssig. Alle suchten sich schnell ihr Lieblingsmotiv aus und auch um ein paar neue Englisch-Vokabeln zu lernen waren die Bilder wirklich praktisch. Vor allem die Jungs beeindruckten mich sehr, da sie nicht nur mit Freude dabei, sondern im Anschluss auch noch eigene Bilder zauberten, von denen ich mir zu Hause gern ein paar in Großformat an die Wand hängen würde. Nach einem Marktbesuch konnte ich auch endlich Klebeband besorgen und die Wände etwas farbenfroher gestalten. In der restlichen Freizeit wurde ab und zu ein Film eingeworfen. Unter anderem ‚Narnia‘ worüber ich mich besonders freute und mir nach einigen Minuten dann auch erstmal bewusste wurde, dass ich die einzige im Raum bin, die überhaupt weiß, wie sich Schnee wirklich anfühlt und wie er aussieht…
Bei der täglichen Lernzeit sind mir des Öfteren meine Englischlehrer in den Sinn gekommen und es kam etwas Dankbarkeit auf, dass mir im Großen und Ganzen recht viel beigebracht wurde. Auch spannend ist, vor welche Herausforderungen einen sogar 6.-Klasse Mathematik stellen kann, weil man das einfach nur in der eigenen Muttersprache gewöhnt ist. Da fühlt es sich schon wie ein wahnsinniges Erfolgserlebnis an, wenn man es schafft, einem Jungen, der selbst kaum Englisch spricht, etwas Neues zu vermitteln. Bei der Regelung gerade Mathe und Naturwissenschaften auf Englisch zu unterrichten bin ich und ich denke auch viele weitere Schüler in Deutschland ganz froh, dass bei uns (zumindest an unserer Schule) dabei eher auf Fächer wie Geografie und Geschichte gesetzt wird.
In den vergangenen Tagen habe ich auf jeden Fall einiges an Gartenarbeit nachgeholt, da ich davon zu Hause netterweise so gut wie immer verschont wurde, Dankeschön :D. Da hier aber alle mit anpacken, macht das aber auch fast richtig Spaß; man sieht so schnell Fortschritte und wird von der Fröhlichkeit der Kinder mitgerissen. Belohnt wurde das ganze dann auch noch mit dem ein oder anderen Candle-Light-Dinner, das aber ehrlichgesagt auf Grund des ständigen Stromausfalls unvermeidbar war.
Außerdem konnte ich mein erlangtes Wissen über das Versorgen von Hunden hier auch praktisch anwenden, da Organisationen, wie es sie in Mumbai gibt, hier rar sind :D. Der Fokus liegt hier dann doch eher woanders und nicht auf dem Wohlbefinden der Hunde. Umso mehr haben die sich gefreut, wenn sie dann endlich mal etwas Aufmerksamkeit bekamen. So wurde mir beim Verteilen einer Salbe gut assistiert und ich hoffe, dass das vielleicht auch so beibehalten wird. Tierisch ging es weiter, denn die mehr oder weniger reifen Guaven wurden nicht nur von den Kinder zwischendurch verschlungen, auch ein Affe bediente sich in einem ruhigen Moment ausgiebig an den Früchten. Zusätzlich gab es nicht nur Zuwachs im Hühnerstall, sondern auch ein Junge, den ich schon in Mumbai kennenlernen konnte, zog vergangene Woche ein. Auch wenn er nicht so recht verstehen will, dass ich ihn nicht verstehe, klappt die Kommunikation ganz gut. Es ist wirklich schön zu sehen, wie er hier als Jüngster unter all den neuen großen Geschwistern aufgenommen wird und man sehen kann, wie er aufblüht. Da er noch nicht in der Schule angemeldet wurde, muss er schlussfolgernd auch den ganzen Tag beschäftigt werden. Das ist manchmal gar nicht so einfach, da ein Fünfjähriger doch einiges an Energie zum Verbrauchen hat, wobei ich aber sogar ab uns zu mal ein Wort auf Marathi aufschnappe und somit zumindest erahnen kann, was er vorhat.
Als Küchenhelfer konnte ich mein Talent besonders ausbauen. Meine Chapati-Künste sind von Grund auf gar nicht so schlecht, wie ich erwartet hätte, wodurch ich dabei jetzt theoretisch den genauen Plan habe und falls ich mich, wenn ich zurück bin aufraffen kann, auch zu Hause andere auf den Geschmack bringen werde. Schon verrückt, wenn man so überlegt, was andere Leute gerade tun und man selbst entspannt auf dem Küchenboden mitten im Nirgendwo sitzt und den Teig tiefenentspannt wendet. Auch wenn Lebensmittel zwischendurch aus Versehen auf den Boden fallen, hat hier endlich mal niemand etwas dagegen, wenn sie zurück in den Topf wandern.
Bei so einem gewaltigen Unterschied von Mumbai zum Bergdorf habe ich erstmal so richtig bemerkt, dass es Orte gibt, an denen die Uhr wohl wirklich langsamer tickt. Das lag aber wahrscheinlich auch teilweise daran, dass ich hier noch nicht so an die Tagesabläufe gewöhnt war wie im Büro in Mumbai.
In den letzten Tagen kam es durch familiäre oder gesundheitliche Probleme der Mitarbeiter zu dem ein oder anderen Problem, wodurch sich der Zeitplan nicht nur einmal änderte. Vorab hätte ich nie gedacht, dass ich mit viel Spontanität nicht vollkommen zurechtkommen würde. Auf einen Plan festlegen sollte ich mich aber wirklich nicht mehr. So wurden es noch ein paar mehr Tage, die aber nötig waren, um alles wieder zu ordnen. Heute ging es nach ereignisreichen 2 letzten Tagen, da sich einer der Jungs beim Beweis, dass er auch wirklich so weit springen kann, das Bein gebrochen hat, wieder zurück ins heiße Mumbai.

P.S.: Der Rekord der höchsten Anzahl erwachsener Personen auf einem Moped wurde endlich auf 4 erhöht.