Indische (Aus-) Gelassenheit in der Weihnachtszeit

Liebe Blogleser!

Das neue Jahr hat begonnen und ich möchte euch ein wenig von meiner Weihnachtszeit hier in Indien berichten, die doch ziemlich anders verlaufen ist im Vergleich zu meinen vergangenen zwanzig Jahren in Deutschland.

Das Ganze beginnt natürlich schon mit solchen Dingen wie Wetter: Mitte November ist hier der indische Winter ausgebrochen – genau, die Betonung liegt auf indisch. Das Thermometer steigt in der Nacht bis zu ganzen 12°C herab und in der Mittagszeit erreichen wir höchstens Werte von 28°C – das sind wirklich schon sehr harte Temperaturen für die Inder, aber sie sind natürlich gut vorbereitet und deshalb laufen ab Sonnenuntergang eigentlich alle mit Westen, Pulli, Schal oder, wenn es ganz schlimm kommt, auch mit Mützen herum…  für mich ist das lustig zu beobachten, von was für Frostbeulen ich doch umgeben bin – aber nun mal Spaß beiseite: Ein ganz großer Unterschied am Winter hier ist natürlich, dass ich bisher noch in keinem Haus eine Heizung gesehen habe und man allerhöchstens mit Holz an der Feuerstelle in der Küche das Haus erwärmen könnte. Die Häuser sind meist auch nicht so gut isoliert von außen, sodass die Wärme nicht vorm Entweichen aufgehalten werden kann und bei uns im Haus kommt noch dazu, dass manche Räume nur durch Gitterstäbe nach außen hin abgesperrt sind und manche Fenster fehlen, sodass es, auch nach deutschem Gefühl, kühl wird in der Nacht.

Einen weiteren großen Unterschied betrifft besonders die Weihnachtsvorbereitungen: Während wir in Deutschland ja schon ab Oktober/November weihnachtstypische Dinge in den Schaufenstern wiederfinden, mit der Dekoration Zuhause beginnen oder uns ins Plätzchenbacken stürzen, sehen die Inder dem großen Fest ein wenig gelassener entgegen und sie starten mit allen notwendigen Vorbereitungen eine gute Woche zuvor. Bei uns haben die Kinder die öffentlichen Räume dekoriert, Kaki, die Heimmutter, hat einen Marathon hinter sich gelegt, was Teigkneten, verschiedene Füllungen anbraten und später das „Plätzchen“ frittiert angeht und unsere Jungs haben eine Lebensgroße Krippe aus Bambusstäben, Stricken und Stroh gebaut. Außerdem waren wir an drei Abenden in verschiedenen Familien aus dem Dorf und haben ihnen Weihnachtslieder vorgesungen, worüber sie sich wirklich gefreut haben und unsere Kinder ebenso.

Heilig Abend haben wir am Lagerfeuer verbracht, gemeinsam gesungen, die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu wurde erzählt und dann haben wir um Mitternacht in den 25. hineingefeiert und sogar einen kleinen Kuchen angeschnitten, weil sie es hier so richtig als Geburtstag von Jesus feiern.

Das typische Weihnachtsgefühl, welches bei einem spätestens aufkommt, wenn man als Familie an Heilig Abend zusammen versammelt ist und alles so friedlich scheint, kam bei mir nicht auf, denn dafür war es doch einfach zu anders… Aber das muss vermutlich auch gar nicht sein, denn an Weihnachten geht es doch schließlich um so viel mehr, als Geschenke, Tannenbaum und gutes Essen.

Wodurch ich vermutlich aber auch nicht so wehleidig und traurig geworden bin, war die Tatsache, dass meine Eltern mich kurz nach Weihnachten besucht haben!!!  Es war eine unglaublich große Freude sie nach so einer langen Zeit, endlich wieder in die Arme schließen zu können, mit ihnen ganz persönlich reden zu dürfen und ihnen meine indische Welt zu zeigen. Erst verbrachten wir drei Tage in Mumbai, in denen uns Timothy auch einiges über die Arbeit von IMCARES berichtete und zeigte, sodass wir auch in eines der größten Slumgebiete Mumbais fuhren. Für meine Eltern war das natürlich besonders bewegend und umhauend, all diese Armut und Lebensumstände von so vielen Menschen zu sehen, aber auch mich schockiert es immer wieder neu, denn es scheint einem so menschenunwürdig und fernab der Realität, dass Menschen so leben müssen… aber es gibt zumindest ein wenig Hoffnung, dass unsere Projekte in Mumbai zumindest ein paar dieser Menschen erreichen und wir ihnen helfen dürfen.

Nach der Zeit in Mumbai haben wir uns auf den Weg ins Kinderdorf gemacht und dort liefen schon die Vorbereitungen auf Hochtouren für das alljährliche, große Weihnachtsfest, zu dem Unterstützer und Freunde von IMCARES eingeladen werden und unsere Kinder ein buntgemischtes Programm aufführen. Alle haben gut mitgeholfen und mit angepackt, dann kamen auch noch die Mitarbeiter aus Mumbai zu Besuch und der Festabend wurde richtig schön: Es wurde gesungen, getanzt, ein kleines Tehaterstück vorgeführt und mehrere Ansprachen gehalten. Nach dem offiziellen Teil haben wir sehr lecker gegessen und daraufhin einer kleinen „Familien-Band“ zugehört, die Lieder auf Marathi vorgespielt hat. Nachts fielen wir alle müde, aber glücklich ins Bett und genossen am nächsten Tag die Ruhe nach aller Arbeit.

Mein Vater musste schon wieder früher abreisen, da er nicht mehr Urlaub bekommen hat, aber meine Mutter konnte noch eine Woche länger bleiben und es war richtig schön mit ihr gemeinsam die Zeit im Kinderdorf zu verleben und dass sie nun ebenso viel besser die Menschen kennt, die mich alltäglich umgeben. Am Ende ihrer Zeit sind wir gemeinsam nach Mumbai gefahren, sie flog wieder zurück nach Deutschland und ich arbeitete für vier Tage im Office mit und bin mit den Mitarbeitern in verschiedenen Stadtteilen von Mumbai unterwegs gewesen, um Patienten von uns zu besuchen, mit ihnen zu reden und einfach nach dem Rechten zu schauen. Das war auch wirklich eine sehr interessante Erfahrung und es hat mir geholfen noch besser unsere Kinder zu verstehen, die schließlich genau von diesen Orten zu uns ins Kinderdorf gekommen sind.

Mich verschlug es aber auch nach Mumbai, da fast schon die Hälfte meiner Dienstzeit vorüber ist und wir Freiwilligen in Asien deshalb von unserer deutschen Organisation aus ein einwöchiges Zwischenseminar in Thailand haben, auf dem ich mich zurzeit befinde. Es ist eine sehr schöne Zeit, in der wir uns über unsere Erlebnisse und Erfahrungen austauschen, einander stärken und ermutigen und auch Zeit zum Entspannen und Ausruhen haben. Ebenso ist es auch mal gut aus dem Agape Village rauszukommen und das gesamte Leben dort mit ein wenig Abstand zu betrachten – mit allen Hoch- und Tiefpunkten. Ich muss aber wirklich sagen, dass ich sehr dankbar dafür bin, an diesem Ort in Indien gelandet zu sein und dass ich die Kinder wirklich ein wenig vermisse, auch wenn wir uns bald schon wieder sehen werden. =)

Seid lieb gegrüßt,
Lena

Freiwilligendienst Nr. 4

Liebe Blogleser,

Schon seit ein paar Jahren hegte ich den Wunsch, nach meinem Abitur für ein Jahr Deutschland zu verlassen und “in die große weite Welt” zu ziehen, um dort andere Menschen, Kulturen und Lebensumstände kennenzulernen. Und nun wird es tatsächlich Wirklichkeit, denn ab dem 07. August darf ich mit “Seek and Care” nach Mumbai reisen und für ein Jahr bei IMCARES mitarbeiten. Auf das kommende Jahr und all die vielen Erlebnisse bin ich schon sehr, sehr gespannt, aber bevor es losgeht und ihr regelmäßig meine Blogbeiträge lesen werdet, möchte ich mich noch kurz vorstellen.

Mein Name ist Lena Winkler, ich bin 19 Jahre alt, komme aus der Nähe von Trier, habe frisch mein Abitur absolviert und lernte über Michelle, die ehemalige Freiwillige, die Arbeit von “Seek and Care” kennen, da ich auf der Suche nach einer Organisation war, mit der man einen Freiwilligendienst oder ähnliches in Indien machen kann. Gott hatte mir für dieses Land das Herz erwärmt und je näher die Zeit bis zum Abflug voranschreitet, desto größer wird die Angst, Spannung und Vorfreude. Angst, da ich meine vertraute Heimat, meine Familie, Freunde und Gemeinde verlassen werde, Spannung vor dem Ungewissen, aber eben auch die Vorfreude auf das neu zu entdeckende Indien, welches nun für ein Jahr mein neues Zuhause werden wird.

Die meiste Zeit werde ich vermutlich im Agape Village, dem Kinderdorf ein wenig außerhalb von Mumbai, mitarbeiten und freue mich schon sehr auf die gemeinsame Zeit mit den Kindern. Ich danke allen lieben Menschen, die mich auf dieser Reise begleiten wollen und meinen Freiwilligendienst auch finanziell unterstützen.

Seid lieb gegrüßt, Lena

Moviestar

Unsere letzte Woche war nochmal ganz schön aufregend.

 

Wir lernten das Team von Seek and Care aus Deutschland kennen. Wir wurden 3 Tage von einem Filmteam, das unsere Arbeit hier dokumentiert, begleitet. Und wir legten noch einmal all unsere Energie in die Therapie der Kinder.

 

 

 

Außerdem hielten wir Mitte der Woche einen Workshop für das Team von Imcares. Hier gaben wir zunächst einen Überblick über die unterschiedlichen Krankheitsbilder und versuchten möglichst praktisch einige Übungen zu etablieren, die dann in Zukunft durch die Sozialarbeiter ausgeführt werden. So können wir sicher sein, dass das Team ein großes Repertoire an Übungen besitzt und die Kinder weiterhin gut fördern können auch wenn wir nicht mehr Vorort sind.

 

Damit ihr einen kleinen Einblick in unsere tägliche Arbeit bekommt, hier ein kurzes Beispiel.

Einen Jungen konnten wir in den letzten Wochen mehrmals behandeln. Er ist 11 Jahre alt, aufgeschlossen und sehr freundlich. Hat aber eine sehr geringe Rumpfstabilität und große Probleme in fein- und grobmotorischen Bewegungen sowie der Koordination. Außerdem spricht er kaum und kommuniziert nur über Laute und Gesten. Er strahlte schon immer über das ganze Gesicht, wenn er uns sah und freute sich auf die kommenden Übungen. Motiviert konnte er die Übungen in den unterschiedlichsten Variationen ausführen und mit unseren selbstgebastelten Motivkarten konnten wir sogar objektbezogene Gesten anbahnen.

Wir hoffen sehr, dass die Übungen durch die Eltern und die Sozialarbeiter weitergeführt werden. Denn wir haben bereits kleine, aber bemerkenswerte Fortschritte beobachten können.

 

Wir hatten eine wundervolle Zeit hier in Mumbai und kehren mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck nach Hause. Wir hatten viel Freude daran unser therapeutisches Wissen hier in Indien anzuwenden, denn es gibt so viele Kinder, die diese Unterstützung sehr gut gebrauchen können.

Wir sind überzeugt, davon viele Therapeuten vom Interkulturellen Therapeutenaustausch (ITHA) begeistern zu können, denn wir hatten eine „once in a lifetime experience“.
Es war WUNDERVOLL.
Vielen Dank Imcares für diese tolle Erfahrung!

Miri und Kathi

Auch wir haben schon einiges gelernt…

…Wenn man denkt es passen nur drei Leute auf die Sitzbank, gehen auf jeden Fall noch vier bis fünf mehr. Wenn es heißt wir gehen jetzt los, dauert es mindestens noch 30 – 60 Minuten. Wenn es heißt wir therapieren heute nur drei Kinder kommen sechs Kinder. Wenn es heißt es kommt heute nur ein Kind, kommt keins. 🙂 Ihr seht also Spontanität ist gefragt und unsere deutsche Struktur muss etwas bei Seite gelegt werden. Außerdem halbiert sich das deutsche Schritttempo um mit der indischen Gelassenheit mithalten zu können. Eine volle sechsspurige Straße zu überqueren funktioniert auch ohne Fußgängerampel, und für uns mittlerweile ohne erhöhten Puls.

   

Die meisten Kinder hier leiden an Epilepsie, Deformitäten, hyperflexiblen Gelenken, Lähmungserscheinungen, Polio, Autismus und oft kommen auch noch Sprachprobleme und mentale Entwicklungsverzögerung hinzu. Vorwiegend üben wir mit den Kindern an den motorischen Defiziten, sodass sie wieder besser im Alltag zurechtkommen. Aber wichtiger als die Übungen für die Kinder, ist die Kommunikation mit den Eltern. Dies soll sie motivieren die Übungen zuhause fortzusetzen. Oftmals fehlt das Verständnis für die Wichtigkeit einer regelmäßigen Therapie und Arztbesuche. In einem besonderen Fall unterstützen die Eltern das Kind nicht zur Therapie zu gehen, da es durch das Betteln mit einer Behinderung mehr Geld bekommt. Ohne Behinderung würde die Haupteinnahmequelle der Familie wegfallen.
Viele Eltern sind aber sehr motiviert und nehmen extra den langen Weg zu dem DayCare Center auf sich um an unserer Therapie teilzunehmen. Somit konnten wir manchen Kindern schon täglich eine Therapie ermöglichen.
Trotz der Verständnisschwierigkeiten funktioniert es immer sehr gut durch Gesten den Kindern zu zeigen was wir von ihnen wollen. Im Zweifelsfall ist aber immer einer der Sozialarbeiterinnen als Dolmetscher an unserer Seite. Es ist sehr schön zu sehen, wie sehr sich die Kinder über die ganze Aufmerksamkeit freuen und dadurch aufblühen. Sie überraschen uns immer wieder zu was sie alles fähig sind trotz ihrer Einschränkungen. Die Kinder probieren selbst die schwersten Übungen aus und sind sehr motiviert. Auch bei einem Misserfolg können alle lachen und haben Spaß.

Wir sind gespannt, ob unser Trainingsplan auch zuhause regelmäßig umgesetzt wird. Aber noch haben wir eine Woche Zeit, um es in ihrem Gedächtnis zu verfestigen.  🙂

Bunte Grüße aus Mumbai
Kathi & Miri

Von einem Picknick zum Nächsten

Nachdem wir am Tag zuvor die Medizinvorräte reichlich aufgestockt haben, konnte endlich wieder ein medical camp mit mir stattfinden. Da wir mit viel Personal angereist waren konnten wir uns zwischendurch zu home visits in der Umgebung aufteilen und somit wechselten die Aufgaben hin und wieder. Somit bin ich nach 5 Monaten nun auch endlich, zumindest halbwegs, in der Lage, die Schrift und die Ausdrucksweise des Doktors nachvollziehen zu können und muss jetzt nicht nur zwangsläufig bei der Medizinausgabe assistieren. Als Belohnung wurde ich bei der Rückkehr kurz vor dem Büro auch von einem Affen begrüßt. Es ist mir immer noch ein Rätsel wie und woher er sich in den Süden Mumbais verwirrt hat.

Für mich ging es außerdem ins Kinderheim, um Platz für die nächsten Helfer zu machen und hier zu versuchen, die Kinder so gut es geht bei den Prüfungsvorbereitungen zu unterstützen. Das Ausräumen meines Zimmers hat mir schnell deutlich gezeigt, wie viel sich schon angesammelt hat und lässt die Spannung wachsen, ob ich das alles mit nach Hause kriege….

Auch kulinarisch ging es weiter und Süßigkeiten konnten mit frischem Zuckerrohr (übrigens eine Kunst für sich es nur mit den Zähnen auseinander zu bekommen) und Tamarinde, einer Frucht, die nach meinen geliebten Centershocks schmeckt, ersetzt werden. Nach dem Volleyballtraining tut das auch sehr gut. Ich freue mich nämlich sehr und bin auch ehrlich gesagt etwas überrascht, wie gut meine Ratschläge angenommen und wie schnell sie umgesetzt werden.

Die Temperaturen hatte ich dabei etwas unterschätzt, da ich auf Grund des anstehenden Sommerbeginns im März davon ausgegangen bin, dass mich hier angenehme Temperaturen erwarten werden. Ansichtssache, allerdings sind die morgendlichen rund 7 Grad doch etwas frisch, vor allem aber beim Anblick der barfüßigen Kinder :D. Einfach die Tür zu machen, um das Eintreten der Kälte zu stoppen, ist hier schwer, also sind 3 Decken oder Hände an noch warmen Kochtöpfen aufwärmen die perfekte Lösung. Nachdem Affen die Solaranlagen schon mehrfach beschädigt hatten, funktioniert jetzt sogar das warme Wasser wieder optimal.
Tagsüber dagegen ist es mittlerweile schon wieder so warm, dass man es in der Sonne kaum aushält. Der Schatten unter dem riesigen Tamarindenbaum lädt dann zum gemütlichen Picknick ein, wer würde da -Nein- sagen? Sogar am frühen Abend noch angenehm, hauptsächlich aber auch wegen dem aufheizenden Baustrahler…. Auch morgens isst es sich in der Sonne deutlich angenehmer als auf dem eiskalten Fußboden. Umringt von den zahlreichen Hennen und den 3 Hunden muss man auch gleich hellwach sein, um selbst was vom Essen abzubekommen. Seit ein paar Wochen gibt es nämlich einen neuen Welpen, der natürlich jetzt der Mittelpunkt ist. Ich meine sagen zu können, dass ich nach ein paar Tipps wie man das macht, kurz davor stehe ihm den ersten Befehl beizubringen.

Soweit zum bisherigen Stand der Dinge. 🙂

Unsere ersten Eindrücke…

Hallo aus Mumbai 🙂

Wir freuten uns riesig, als wir nach unserem langen turbulenten Flug von Timothy herzlich empfangen wurden. Nachdem wir endlich unser Auto im riesigen Parkhaus gefunden hatten (der nette indische Aufzugwächter kennt uns jetzt sehr gut), machten wir uns auf den Weg in unser neues Zuhause.
Die Autofahrt war für uns „Deutsche“ schon etwas gewöhnungsbedürftig.
Der Linksverkehr, die vielen vielen Autos und das ständige Gehupe. Nachdem wir
unser Schlafbedürfnis gestillt hatten, richteten wir unsere neue Bleibe gemütlich ein
und lernten unsere Gastgeber Timothy und Sonali kennen.
Unser Wochenende diente zur Orientierung und wir konnten schon viele tolle
Eindrücke von Mumbai sammeln.
(z.B. das Kala Ghoda Arts Festival, unser erster Gottesdienst auf Hindi)

Die Woche startete mit einem Kennenlernen des Office, der Mitarbeiter und allen wichtigen Details über die Organisation IMCARES. Nachmittags gingen wir mit unserer Sozialarbeiterin das erste Mal auf die Straßen Mumbais um dort zwei Kinder, die von IMCARES betreut werden, zu besuchen.
Es waren schon ziemlich neue Eindrücke, Gerüche und Lebenssituationen, die wir so noch nicht kannten. Da diese Kinder wie viele andere hier, auch ihr tägliches „Brot“ durch betteln verdienen, sind sie nicht immer so leicht aufzufinden. Somit waren unsere Besuche mit langen Fußmärschen auch nur teilweise erfolgreich.

Am zweiten Tag schnappten wir uns ein sehr stylisches Taxi, welches für unsere Homevisits diente. Wir sagen nur so viel dazu – eine Taxifahrt kann bei dem Verkehrsaufkommen in Mumbai schon mal die dreifache Zeit in Anspruch nehmen.
Heute bekamen wir einen Einblick in das DayCare Center. Als wir in den Raum kamen, begrüßten uns ganz herzlich ca. 30 Kinder zwischen zwei und fünf Jahren, die in den Slums leben und denen dort ein Vorschulprogramm ermöglicht wird. Außerdem durften wir Bhushan kennenlernen, der für uns damals der Anlass war dieses Projekt zu unterstützen. Mit zwei weiteren Kindern konnten wir heute im DayCare Center eine kleine Therapieeinheit durchführen.

 

Wir sind begeistert wie herzlich wir aufgenommen wurden und freuen uns sehr durch unser therapeutisches Wissen ein paar kleine Herzen höher schlagen zu lassen.

Gespannt erwarten wir die kommende Woche.

Bis bald
Kathi und Miri
 

 

Alles Neue bringt der Februar

Hallo liebe Leser,

auch wir möchten uns heute im Blog kurz vorstellen.
Wir sind Miriam (Ergotherapeutin) und Katharina (Physiotherapeutin) und werden bald für drei Wochen in Mumbai das Projekt Ankur unterstützen.
Genauer genommen nennt sich das Programm „ITHA“ = Interkultureller Therapeuten Austausch, das heißt wir werden unsere therapeutischen Fähigkeiten, die wir tagtäglich hier in unserer Heimat Regensburg anwenden, dort zur Verfügung stellen. Wir hoffen einerseits, dass wir somit vor allem den benachteiligten Kindern mit körperlichen Einschränkungen ein Stück weit helfen können, damit diese ihren Alltag leichter bewältigen können. Andererseits möchten wir gerne einen Teil unseres Wissens dort lassen und angestellte Sozialarbeiter in therapeutische Möglichkeiten einarbeiten.

Der Kontakt mit Seek and Care e. V. und die Idee zu einem Therapeutenaustausch kam über unsere Arbeitsstelle, dem Therapiezentrum Rombach in Regensburg, und hier speziell durch unsere Chefs Matthias und Silvia Rombach zu Stande. Hier bekamen wir das umwerfende Angebot Seek and Care e. V. und somit IMCARES in Mumbai zu unterstützen und müssen dabei weder auf Gehalt noch Überstunden verzichten.
Dafür auch ein großes Dankeschön an alle unsere Kollegen, die uns in dieser Zeit in der Heimat vertreten werden.

Wir sind schon ein bisschen stolz die ersten Küken des ITHA sein zu dürfen und freuen uns auf die nächsten Wochen. Es wird sicher eine spannende Zeit werden.
Damit ihr auch einen kleinen Einblick bekommt, werden wir hier im Blog von unseren Erlebnissen berichten.

Liebe Grüße
Miri und Kathi

 

Bunt gemischt

Nach einer langen Pause gibt es endlich wieder Neuigkeiten aus Mumbai. Zwischenzeitlich konnte ich  meinen Urlaub nach der Hälfte der insgesamt 9 Monate, die schon vergangen sind, mit meinen Eltern genießen und ihnen mein Leben hier zeigen. Neben den ganzen Kulturschocks, die hier auf sie warteten, gab es zum Glück auch noch Zeit, um am Strand alles zu verarbeiten und auch für mich mal vollkommen abzuschalten. Eine vergleichsweise ruhige Abwechslung gab es schon an Silvester, da Feuerwerk und Böller hier glücklicherweise nur sehr rar zu finden waren, weil dieses eher beim Fest des Lichts, dem Diwali, welches ja schon vorüber ist, in die Luft geschossen wird.

Jeder Tag ist hier anders. So habe ich ein paar Tage im Day Care Center ausgeholfen, was gar nicht so leicht war. Umso einfacher fällt es mir aber meine bisherigen Essgewohnheiten zu ändern. Nicht nur, dass die Zeit sich sehr weit nach hinten verschoben hat, auch Nudeln und Reis zum Frühstück finde ich mittlerweile sehr angenehm. Um die 45 Kinder auf so engem Raum unter Kontrolle zu bekommen ist eigentlich komplett unmöglich. Da sich hier alle gemeinsam austoben können, da es verhältnismäßig wiederum viel mehr Platz ist, als normalerweise zum Spielen zu Verfügung steht, kann man ein wenig Chaos auch schonmal verkraften.

Außerdem konnten wir einem Mann mit einer offenen Wunde am Bein helfen. Die einst unbedenkliche Wunde hatte sich innerhalb der letzten 2 Wochen auf Grund der mangelnden hygienischen Bedingungen maßgebend verschlechtert. Somit wurde erstmal ordentlich desinfiziert und dafür gesorgt, dass sich auf keinen Fall Maden einnisten können, da schon sehr viele Fliegen angelockt wurden. Von erneut sehr vielen Zuschauern umgeben konnte der Mann schlussendlich wieder freudestrahlend und erleichtert weiterziehen und nun hoffentlich mit neuem Elan seine Medikamente auch wirklich alle einnehmen, damit er schnell aus dem kritischen Zustand herauskommt.

 

Der letzte Arbeitstag 2018 wurde mit einer letzten wichtigen Tat abgeschlossen. Wer im Krankenhaus stationär aufgenommen werden möchte, braucht hier zwangsläufig eine verantwortliche Person aus der Familie, die sich beim möglichen Todesfall um die Beerdigung kümmert. Das liegt daran, dass sich das Krankenhaus nicht um die unendlich vielen verschiedenen Rituale in den unterschiedlichen Religionen und Abspaltungen kümmern kann und will. Das wird natürlich sehr schwer, wenn der Patient entweder allein oder aber auch in einer nur zweckmäßig geschlossenen Ehe lebt, so wirklich verantwortlich wird sich da nicht gefühlt. Durch viele Mitarbeiter und die Polizei, die wir dafür wieder einschalten mussten, fuhr die Ehefrau schlussendlich mit, da sie die Notlage nun wohl endlich auch erkannte. Der Mann befand sich bereits im letzten Tuberkulose-Stadium, weiterhin auf der Straße zu überleben wäre also unmöglich gewesen.

In den letzten Tagen konnte zwar leider keine Weihnachtsfeier stattfinden, dafür aber umso wichtigere Dinge erledigt werden. Nachdem alle 150 Decken mit Schleifen verschönert wurden konnten diese an die bekannten Patienten verteilt werden, um ihnen eine ruhigere Nacht zu ermöglichen. So langsam merke auch ich die Temperaturunterschiede und bin froh, dass diese nun ein klein wenig geschützter durch den Winter kommen.

Bis bald, es wird ab jetzt wieder regelmäßiger etwas von mir zu hören geben! 🙂

3, 2, 1…

Nach einer langen Durststrecke ohne „medical camps“ wurden vergangene Woche nicht ein oder zwei, sondern vier Stück an verschiedenen Stellen der Stadt veranstaltet. Auf dem Weg dorthin gab es auch den ersten Auffahrunfall. Nicht weiter schlimm, um die Sache nicht zu dramatisieren. So was kann bei den plötzlichen Bremsmanövern auf Grund von aus dem Nichts erscheinenden Taxis oder den „Geschwindigkeitsbrechern“ in Form von Bodenwölbungen, die oft schwer erkennbar sind, schnell passieren. Nach einem kurzen verbalen Aggressionsaustausch ist das aber auch wieder aus der Welt.
Angekommen gab es einiges zu tun, da gerade Erkältungszeit ist. Ja, hört sich doch etwas verrückt an, dass das hier zwar auch im Winter, trotzdem aber bei tagsüber mindestens 30 Grad, der Fall ist. Zum Glück bin ich da also andere Temperaturunterschiede gewöhnt.
Somit konnten wir bei den 4 camps zusammenaddiert 321 Menschen versorgen, eine Zahl, die die erfolgreiche Woche gut abrundet

 

Außerdem stand ein wichtiges erstes Treffen im Day Care Center an, bei dem die Eltern über Impfungen, insbesondere Kinderlähmung, aufgeklärt wurden. Hierzu folgt in den kommenden Wochen die Impfung, da alle Eltern sehr überzeugt schienen.

 

 

Des Weiteren wurden wir auf einen Mann in sehr schlechter Verfassung aufmerksam gemacht. Bei Patienten, welche offensichtlich nicht in der Lage sind sich selbst zu versorgen, oder Anzeichen auf beispielsweise Tuberkulose aufweisen, wird die Polizei von uns benachrichtigt, um den Patienten dann in ein Krankenhaus oder Rehabilitationszentrum zu befördern, da das ohne Fahrzeug nicht möglich ist. Diese Zusammenarbeit hat ein weiteres Mal, direkt in der Nähe des Büros, sehr gut geklappt. Aber leider sammelt sich auch hier innerhalb von Sekunden eine riesige Menschenmasse, um das Geschehen zu beobachten. Da kommt man sich schon etwas blöd vor, wenn man selbst praktisch dazu gezwungen ist das Geschehen genau zu beobachten und für die Dokumentation auch noch Fotos machen muss. Trotzdem überwiegt das gute Gefühl im Anschluss, dass der Mann nun, zumindest für einen gewissen Zeitraum, ein Dach über dem Kopf hat, regelmäßige Mahlzeiten bekommt und zumindest die Chance auf eine erfolgreiche Zeit in der Entzugsklinik besteht.

Als ich mich nach dem Feierabend schon entspannt im Kinosessel niedergelassen hatte, dachte ich es würde nichts Außergewöhnliches mehr passieren. Falsch gedacht, denn gleich nach den teilweise fragwürdigen Werbungen mit sämtlichen Bollywood-Schauspielern standen sofort alle kerzengerade, um der Nationalhymne zu lauschen und bei Bedarf mitzusingen.

Auf den etwas längeren Zugfahrten kann die Zeit hier aber gleich noch sinnvoll genutzt werden um den ein oder anderen Einkauf zu erledigen. Durch die vorhandenen reinen Frauenabteile findet man also oft eine riesige Auswahl an Schmuck, Nagellack und Haarutensilien, glücklicherweise aber auch oft Obst zu Schnäppchenpreisen.

Auf so einer Zugfahrt ging es am Wochenende in den Nationalpark Mumbais. Den größten weltweit, der komplett von einem Stadtgebiet umgeben ist. Er ist der Grund, warum die Verschmutzungs- und Smogverhältnisse hier immerhin noch nicht die Ausmaße Delhis erreicht und Mumbai auf der ‘Liste der Städte mit der weltweit stärksten Luftverschmutzung’ lediglich Platz 151 erreicht. Hinauf durch frische Luft und Bambuspfade zum höchsten Punkt Mumbais, von dem man zugegebenermaßen keinen klaren Blick hat, den hat man vom Brocken aus aber auch nicht :D. Auch wenn die Gründe dafür dort wohl weniger umweltbelastend sind.

Hat sich jemand von euch schon einmal gewünscht, einfach mal wieder Kind zu sein, nur für eine Weile…? Kein Problem, denn wenn „Kabaddi“ auch bei uns etabliert wird, steht dem Fangen-Spiel als anerkannte Sportart nichts mehr im Wege. Hierbei wird doch sehr viel ernster an die Sache herangegangen, von Grund auf sind die Regeln aber nicht sehr viel komplizierter. Aber nur für Mitspieler, die kein Problem mit der Erlaubnis des ‚Wiedertipps‘ haben geeignet :D.

Die letzten Wochen vor Weihnachten stehen bevor und es ist viel geplant. Wie genau das umgesetzt werden kann und wird steht noch offen, ich denke aber, dass wir trotz der momentan fehlenden finanziellen Mittel etwas Schönes auf die Beine stellen werden.

Von der ersten indischen Hochzeit, oder auch nicht…

Wieder zurück in Mumbai konnte ich mich zuerst einmal auf ‚aam paper‘ freuen, ein aus Mangosaft hergestelltes Fruchtleder, was der perfekte Ersatz für die hier so gut wie nicht vorhandenen Gummibärchen ist. Mit in meinen Beutel wanderte auch noch ein Zimtapfel, den ich im Kinderheim endlich probiert habe, da ich mir so abschauen konnte wie und was man davon isst.
Diese Woche vermischten sich Mumbai und das Agape Village ein wenig, da einige der Kinder die Ferien bei ihren Familien verbracht hatten. Auch mit Gips und ohne Krücken wurde das Ziel irgendwie erreicht. Beim Besuch dieses Jungen hatte ich zuerst gedacht, dass die kleinteilige Gras- und Unkrautentfernung im gegenüberliegenden Park etwas übertrieben ist. Bei längerer Beobachtung stellte ich dann allerdings fest, dass die Männer Büschel für Büschel einzeln in die Erde stopfen, so kann man den Tag also auch rumkriegen…. Wir besuchten unter anderem die Mutter eines Jungen aus dem Agape Village. Durch Gassen, in denen man als hier überdurchschnittlich große Person besonders auf seinen Kopf achten und sich doch noch schnell schlanker machen musste, erreichten wir schließlich das Zimmer. Als wir ankamen, verschaffte ich mir zuerst einmal einen Überblick über die ca. 8m2, in der für 2 Frauen alles, bis auf eine Toiletten-/Waschecke zu finden war. Als ich so dasaß, wurde mir nach kurzem Durchdenken bewusst, dass in diesen Raum noch nicht einmal mein Bett von zu Hause, auf Grund der Breite, Platz hätte. Wie sähe das mit euren Möbeln und sonstigem Hab und Gut aus?
Schmal machen muss man sich auch in einigen Läden, in denen einfach alles was noch keinen neuen Besitzer gefunden hat übereinandergestapelt wird und man gerade so einen Fuß vor den anderen setzen kann. Amüsant finde ich die Straßen, in denen sich nahezu ein und dasselbe Geschäft aneinanderreiht, Tür für Tür. Das hört sich bei Elektronikgeschäften, bei denen es in einem Viertel geschätzt 50 auf einem Fleck gibt schon unnötig an, wenn man das gleiche Phänomen mit Spiegeln entdeckt gerät das dann schnell in den Hintergrund. Ja richtig, mindestens 10 Geschäfte hintereinander, die ausschließlich Spiegel in ihrem Sortiment haben. Leider hatte ich dafür gerade keinen Bedarf.
Am Wochenende stand die Hochzeit der ehemaligen Kollegin an, die sich ein paar Wochen zuvor leider aus dem Büro verabschiedet hatte. Schon etwas verspätet machten wir uns auf den Weg, auf welchem ich eigentlich gedacht hätte, dass das suspekte Fotografie-Verbot auf der Brücke, die wir überquerten, dass einzige Interessante wäre, um das Ziel noch vor Schluss der Zeremonie zu erreichen. Nachdem wir es nach 2 Stunden Kampf durch den Verkehr eigentlich schon fast geschafft hatten, ging dann plötzlich gar nichts mehr am Auto. Also ging es bei 34 Grad in der Mittagssonne erstmal ans Werkstatt suchen, was am Sonntag auch eine Herausforderung war, die letzten Endes auch nicht einmal abgeschlossen werden konnte. Also wurde schnell noch ein anderer hilfsbereiter Mann hinzugeholt, der mir half, das Auto von der Straße zu schieben, damit wir mit einer Auto-Rikscha weiterfahren konnten. Endlich angekommen gab es zwar kein Programm mehr, dafür konnten wir das Paar noch beglückwünschen und uns satt essen. Das auch bei besonderem Ambiente, da der Essenssaal aus einem Klassenzimmer bestand, in dem man auf der Tafel auch noch etwas vom vergangenen Englischunterricht aufschnappen konnte. Das Abenteuer wurde aber noch weitergeführt, da nachdem der Abschleppdienst ankam und die Reifen blockierten, noch ein paar mehr hilfsbereite Menschen nötig waren, die eine Achse abmontierten, bevor wir dann 4 Stunden später als geplant die Rückreise antreten konnten. Da Timothy dann noch eher aussteigen musste, um zu einem Termin zu gehen, konnte ich dann noch die letzte Herausforderung bewältigen, indem ich den Fahrer ohne gemeinsame Sprache zurück navigierte, um dann noch irgendwie einen freien Platz für die Gefährte in der recht schmalen Einfahrt zu finden. Dementsprechend froh war ich dann meinen übriggebliebenen Zuckerrohrsaft im Kühlschrank zu finden und den Sonntag schlussendlich noch entspannt ausklingen lassen zu können.
Schon des Öfteren ist mir aber die Selbstverständlichkeit des Gebens aufgefallen. So verdient man hier als Bettler verhältnismäßig nicht schlecht. Ich möchte das keinesfalls zu positiv darstellen, allerdings sieht man selten niemanden ein paar Münzen aus der Tasche kramen, wenn nur etwas Geduld im Spiel ist. Dabei natürlich keine wahnsinnigen Summen, ein paar Cent, trotzdem mehr, bzw. öfter, als ich erwartet hätte.