Moviestar

Unsere letzte Woche war nochmal ganz schön aufregend.

 

Wir lernten das Team von Seek and Care aus Deutschland kennen. Wir wurden 3 Tage von einem Filmteam, das unsere Arbeit hier dokumentiert, begleitet. Und wir legten noch einmal all unsere Energie in die Therapie der Kinder.

 

 

 

Außerdem hielten wir Mitte der Woche einen Workshop für das Team von Imcares. Hier gaben wir zunächst einen Überblick über die unterschiedlichen Krankheitsbilder und versuchten möglichst praktisch einige Übungen zu etablieren, die dann in Zukunft durch die Sozialarbeiter ausgeführt werden. So können wir sicher sein, dass das Team ein großes Repertoire an Übungen besitzt und die Kinder weiterhin gut fördern können auch wenn wir nicht mehr Vorort sind.

 

Damit ihr einen kleinen Einblick in unsere tägliche Arbeit bekommt, hier ein kurzes Beispiel.

Einen Jungen konnten wir in den letzten Wochen mehrmals behandeln. Er ist 11 Jahre alt, aufgeschlossen und sehr freundlich. Hat aber eine sehr geringe Rumpfstabilität und große Probleme in fein- und grobmotorischen Bewegungen sowie der Koordination. Außerdem spricht er kaum und kommuniziert nur über Laute und Gesten. Er strahlte schon immer über das ganze Gesicht, wenn er uns sah und freute sich auf die kommenden Übungen. Motiviert konnte er die Übungen in den unterschiedlichsten Variationen ausführen und mit unseren selbstgebastelten Motivkarten konnten wir sogar objektbezogene Gesten anbahnen.

Wir hoffen sehr, dass die Übungen durch die Eltern und die Sozialarbeiter weitergeführt werden. Denn wir haben bereits kleine, aber bemerkenswerte Fortschritte beobachten können.

 

Wir hatten eine wundervolle Zeit hier in Mumbai und kehren mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck nach Hause. Wir hatten viel Freude daran unser therapeutisches Wissen hier in Indien anzuwenden, denn es gibt so viele Kinder, die diese Unterstützung sehr gut gebrauchen können.

Wir sind überzeugt, davon viele Therapeuten vom Interkulturellen Therapeutenaustausch (ITHA) begeistern zu können, denn wir hatten eine „once in a lifetime experience“.
Es war WUNDERVOLL.
Vielen Dank Imcares für diese tolle Erfahrung!

Miri und Kathi

Auch wir haben schon einiges gelernt…

…Wenn man denkt es passen nur drei Leute auf die Sitzbank, gehen auf jeden Fall noch vier bis fünf mehr. Wenn es heißt wir gehen jetzt los, dauert es mindestens noch 30 – 60 Minuten. Wenn es heißt wir therapieren heute nur drei Kinder kommen sechs Kinder. Wenn es heißt es kommt heute nur ein Kind, kommt keins. 🙂 Ihr seht also Spontanität ist gefragt und unsere deutsche Struktur muss etwas bei Seite gelegt werden. Außerdem halbiert sich das deutsche Schritttempo um mit der indischen Gelassenheit mithalten zu können. Eine volle sechsspurige Straße zu überqueren funktioniert auch ohne Fußgängerampel, und für uns mittlerweile ohne erhöhten Puls.

   

Die meisten Kinder hier leiden an Epilepsie, Deformitäten, hyperflexiblen Gelenken, Lähmungserscheinungen, Polio, Autismus und oft kommen auch noch Sprachprobleme und mentale Entwicklungsverzögerung hinzu. Vorwiegend üben wir mit den Kindern an den motorischen Defiziten, sodass sie wieder besser im Alltag zurechtkommen. Aber wichtiger als die Übungen für die Kinder, ist die Kommunikation mit den Eltern. Dies soll sie motivieren die Übungen zuhause fortzusetzen. Oftmals fehlt das Verständnis für die Wichtigkeit einer regelmäßigen Therapie und Arztbesuche. In einem besonderen Fall unterstützen die Eltern das Kind nicht zur Therapie zu gehen, da es durch das Betteln mit einer Behinderung mehr Geld bekommt. Ohne Behinderung würde die Haupteinnahmequelle der Familie wegfallen.
Viele Eltern sind aber sehr motiviert und nehmen extra den langen Weg zu dem DayCare Center auf sich um an unserer Therapie teilzunehmen. Somit konnten wir manchen Kindern schon täglich eine Therapie ermöglichen.
Trotz der Verständnisschwierigkeiten funktioniert es immer sehr gut durch Gesten den Kindern zu zeigen was wir von ihnen wollen. Im Zweifelsfall ist aber immer einer der Sozialarbeiterinnen als Dolmetscher an unserer Seite. Es ist sehr schön zu sehen, wie sehr sich die Kinder über die ganze Aufmerksamkeit freuen und dadurch aufblühen. Sie überraschen uns immer wieder zu was sie alles fähig sind trotz ihrer Einschränkungen. Die Kinder probieren selbst die schwersten Übungen aus und sind sehr motiviert. Auch bei einem Misserfolg können alle lachen und haben Spaß.

Wir sind gespannt, ob unser Trainingsplan auch zuhause regelmäßig umgesetzt wird. Aber noch haben wir eine Woche Zeit, um es in ihrem Gedächtnis zu verfestigen.  🙂

Bunte Grüße aus Mumbai
Kathi & Miri

Unsere ersten Eindrücke…

Hallo aus Mumbai 🙂

Wir freuten uns riesig, als wir nach unserem langen turbulenten Flug von Timothy herzlich empfangen wurden. Nachdem wir endlich unser Auto im riesigen Parkhaus gefunden hatten (der nette indische Aufzugwächter kennt uns jetzt sehr gut), machten wir uns auf den Weg in unser neues Zuhause.
Die Autofahrt war für uns „Deutsche“ schon etwas gewöhnungsbedürftig.
Der Linksverkehr, die vielen vielen Autos und das ständige Gehupe. Nachdem wir
unser Schlafbedürfnis gestillt hatten, richteten wir unsere neue Bleibe gemütlich ein
und lernten unsere Gastgeber Timothy und Sonali kennen.
Unser Wochenende diente zur Orientierung und wir konnten schon viele tolle
Eindrücke von Mumbai sammeln.
(z.B. das Kala Ghoda Arts Festival, unser erster Gottesdienst auf Hindi)

Die Woche startete mit einem Kennenlernen des Office, der Mitarbeiter und allen wichtigen Details über die Organisation IMCARES. Nachmittags gingen wir mit unserer Sozialarbeiterin das erste Mal auf die Straßen Mumbais um dort zwei Kinder, die von IMCARES betreut werden, zu besuchen.
Es waren schon ziemlich neue Eindrücke, Gerüche und Lebenssituationen, die wir so noch nicht kannten. Da diese Kinder wie viele andere hier, auch ihr tägliches „Brot“ durch betteln verdienen, sind sie nicht immer so leicht aufzufinden. Somit waren unsere Besuche mit langen Fußmärschen auch nur teilweise erfolgreich.

Am zweiten Tag schnappten wir uns ein sehr stylisches Taxi, welches für unsere Homevisits diente. Wir sagen nur so viel dazu – eine Taxifahrt kann bei dem Verkehrsaufkommen in Mumbai schon mal die dreifache Zeit in Anspruch nehmen.
Heute bekamen wir einen Einblick in das DayCare Center. Als wir in den Raum kamen, begrüßten uns ganz herzlich ca. 30 Kinder zwischen zwei und fünf Jahren, die in den Slums leben und denen dort ein Vorschulprogramm ermöglicht wird. Außerdem durften wir Bhushan kennenlernen, der für uns damals der Anlass war dieses Projekt zu unterstützen. Mit zwei weiteren Kindern konnten wir heute im DayCare Center eine kleine Therapieeinheit durchführen.

 

Wir sind begeistert wie herzlich wir aufgenommen wurden und freuen uns sehr durch unser therapeutisches Wissen ein paar kleine Herzen höher schlagen zu lassen.

Gespannt erwarten wir die kommende Woche.

Bis bald
Kathi und Miri
 

 

Alles Neue bringt der Februar

Hallo liebe Leser,

auch wir möchten uns heute im Blog kurz vorstellen.
Wir sind Miriam (Ergotherapeutin) und Katharina (Physiotherapeutin) und werden bald für drei Wochen in Mumbai das Projekt Ankur unterstützen.
Genauer genommen nennt sich das Programm „ITHA“ = Interkultureller Therapeuten Austausch, das heißt wir werden unsere therapeutischen Fähigkeiten, die wir tagtäglich hier in unserer Heimat Regensburg anwenden, dort zur Verfügung stellen. Wir hoffen einerseits, dass wir somit vor allem den benachteiligten Kindern mit körperlichen Einschränkungen ein Stück weit helfen können, damit diese ihren Alltag leichter bewältigen können. Andererseits möchten wir gerne einen Teil unseres Wissens dort lassen und angestellte Sozialarbeiter in therapeutische Möglichkeiten einarbeiten.

Der Kontakt mit Seek and Care e. V. und die Idee zu einem Therapeutenaustausch kam über unsere Arbeitsstelle, dem Therapiezentrum Rombach in Regensburg, und hier speziell durch unsere Chefs Matthias und Silvia Rombach zu Stande. Hier bekamen wir das umwerfende Angebot Seek and Care e. V. und somit IMCARES in Mumbai zu unterstützen und müssen dabei weder auf Gehalt noch Überstunden verzichten.
Dafür auch ein großes Dankeschön an alle unsere Kollegen, die uns in dieser Zeit in der Heimat vertreten werden.

Wir sind schon ein bisschen stolz die ersten Küken des ITHA sein zu dürfen und freuen uns auf die nächsten Wochen. Es wird sicher eine spannende Zeit werden.
Damit ihr auch einen kleinen Einblick bekommt, werden wir hier im Blog von unseren Erlebnissen berichten.

Liebe Grüße
Miri und Kathi

 

Wenn wir einen Weihnachtswunsch frei haben …

Liebe Mitglieder und Freunde,

Zur Vorweihnachtszeit möchten wir euch mit einer sehr bewegenden Geschichte in die Arbeit von Imcares mitnehmen.

Danke für eure bisherige Unterstützung, die schon so viel bewegt hat!

 

Aufgeblüht – Bushan’s Geschichte

Ein Sohn, und zugleich ihr erstes Kind, wurde in die Familie Kumbhar geboren. Die Familie lebt in Mumbais Slum „Mahim“. Einen Sohn zu gebären erfüllt indische Eltern mit viel Stolz. So nannten sie ihn „Bushan“, das bedeutet „Stolz“. 
Was die jungen Eltern damals nicht ahnten … der Junge kam mit einer Behinderung auf die Welt. In seiner Entwicklung zeigte sich schnell, dass er sich weder umdrehen, noch sitzen oder gar laufen konnte. Auch lief ihm der Speichel unkontrolliert aus dem Mund und er begann nicht zu sprechen. Für die Eltern war dies im kulturellen Hintergrund eine Schande. Sie behielten ihren Sohn im Haus, um die verurteilenden Kommentare der Gesellschaft zu vermeiden.

Die Mitarbeiter von Imcares besuchten Familie Kumbhar erstmals  im Jahr 2015 und ermutigten sie, Bushan in das Imcares Tageszentrum zu bringen. In diesem Zentrum werden seit über 25 Jahren benachteiligte Kinder vom Vorschul- bis ins Schulalter betreut. Sie erhalten dort Bildungsangebote und eine vollwertige Mahlzeit, sodass sich die Kinder in ihrem vollen Potential entwickeln können. 

Bushan mit Mutter und Schwester

Von nun an konnten wertvolle Schritte eingeleitet werden. Bushan lernte mit anderen Kindern  zu interagieren, selbstständig zu sitzen und mit seinen eigenen Händen zu essen. Dank  großzügiger Spenden, konnte Imcares dem Jungen eine Operation ermöglichen. Anschließend lernte er an Krücken zu gehen. Plötzlich begann Bushan sogar zu sprechen. 

Heute läuft der Junge jeden Tag mit seiner Mutter zu einer staatlichen Schule. Imcares betreut die Familie weiterhin pädagogisch und therapeutisch.  So kann Bushan und seine Familie immer mehr in ein selbstbestimmtes und freies Leben hineinwachsen. Familie Kumbhar hat ihren verlorenen Stolz zurück gewonnen!

 

 

 

 

 

„Ankur“ bedeutet „Aufblühen/Aufspreißen“. Mit diesem Projekt setzt sich Imcares für Kinder ein, die von Behinderung und lebensbedrohlichen, chronischen Krankheiten betroffen sind. Die betreuten Kinder stammen aus Familien, die in bitterer Armut leben und mit weniger als 1,50€ pro Tag ums Überleben kämpfen. Derzeit profitieren rund 100 Kinder von den therapeutischen und pädagogischen Angeboten. Hierbei findet auch die Vermittlung an staatliche Ressourcen, wie Schulen, Krankenhäuser, Medikamentenvergabe, Essensausgaben, etc. statt. Durch Unwissenheit und logistischen sowie gesundheitlichen Herausforderungen blieben vielen Familien diese Angebote ohne die Hilfe von Imcares verwehrt. 


Durch Eure Spenden können wir diesen Kindern wieder eine Stimme verleihen und Licht in ihr Dunkel bringen! Jede Eurer Spenden kommt zu 100% bei Imcares an.  

Wir freuen uns, wenn wir dieses Weihnachtsfest nutzen können, um das Projekt Ankur ein Jahr lang mit Spendengeldern zu sichern. Mit nur 35 Euro können die Betreuung und Versorgung eines Kindes durch Imcares für einen Monat gesichert werden.
Gemeinsam mit Euch können wir das bewirken!

 

Sparkasse Bamberg
Verwendungszweck: „Imcares Ankur“
IBAN    DE717705 0000 0302 8603 41
BIC       BYLADEM1SKB

 

Vielen Dank für Eure Unterstützung!

Herzliche Grüße,
Rebekka Kaminski
(1. Vors. Seek & Care e. V.)

“Thanks, but no thanks to the British”

Auf den Tag genau bin ich heute schon einen Monat in Mumbai. Ein Monat der im Nachhinein wahnsinnig schnell umging, zum Glück liegen aber noch viele Ereignisse vor mir. Mumbai ist für mich ein Ort, an dem einem glücklicherweise niemals langweilig werden kann und man trotz der Tatsache, dass ich noch nie an einem Ort mit so viel Verkehr ohne Bedenken auf der Straße laufen kann, wenn man nur ein klein wenig Vertrauen mitbringt.
Die Arbeitswoche ging hier mal wieder schnell um, nicht zuletzt, weil am Dienstag Nationalfeiertag war. Genau einen Tag vor dem der deutschen Einheit wurde hier der Tag zur Feier des Geburtstages von Mahatma Gandhi ins Leben gerufen. Den Tag nutzte ich zum einen, um ihn passend im Gandhi-Museum, dem Haus, indem er während seiner Zeit in Mumbai lebte, zu verbringen. Eine gute Wahl, da hier alles mit Blumen geschmückt worden war. Doch auch ein zweites Museum fand noch Platz im Tag. Hierbei hatte ich Glück, da mich ein Einheimischer begleitete. Ausländer zahlen hier nämlich meist den 10-fachen Eintritt. Dabei überschreitet man die 2€ wahrscheinlich trotzdem so gut wie nie, trotzdem verstecke ich mich für einen Schnäppchenpreis von 10 Rupien dann doch gern mal hinter der nächsten Ecke :D. Außerdem war ich diese Woche beim Quizabend, bei dem ich nicht wegen des Aussehens, oder der anderen Sprache (Die Fragen wurden sowieso auf Englisch gestellt), sondern erst bei den Fragen bei denen alle anderen Hände innerhalb von 2 Sekunden gehoben wurden, da es beispielsweise um einen bekannten Sportler der Region ging, auffiel. Alles in allem bin ich aber wahnsinnig froh, dass es hier verhältnismäßig vollkommen unkompliziert ist, die Sprache nicht zu beherrschen. So erinnere ich mich gern mal an den Satz, den Timothy am ersten Tag zu mir sagte (siehe Überschrift). Der ursprüngliche Grund bezüglich der ehemaligen Kolonialherrschaft ist eher weniger positiv, allerdings macht es die einheitliche Sprache so für mich, aber auch für viele vor allem jüngere Einwohner, sehr viel einfacher zu kommunizieren. Immerhin etwas weiter bin ich aber beim Lernen gekommen. Die Zahlen zu beherrschen hilft vor allem beim Busfahren sehr. Da dieser nur circa 5 Sekunden hält und man die arabischen Ziffern meistens erst auf den zweiten Blick entdeckt, vereinfacht das die Busfahrt ein wenig.
Im Büro konnte ich diese Woche mit meinem Laptop punkten, da ich so alle Patienten der letzten Wochen und Monate in die Excel-Tabellen einschreiben konnte. Allgemein ist hier alles sofort zu digitalisieren auch eher schwierig, da solche Anschaffungen natürlich ziemlich ins Budget einschlagen. Etliche Bücher werden hier zur Dokumentation der verschiedenen Projekte benötigt, um nicht durcheinander zu kommen. So versuche ich jetzt ein bisschen mehr Ordnung rein zu bringen.
Am Freitag ging es in das Day-Care-Center im Norden von Mumbai. Vollgepackt mit einem Wagen zur Hilfestellung eines Kindes, welches nicht laufen kann, und 3 großen Säcken Reis ging es mit dem Taxi los. Schon nicht schlecht, für knapp 2€ einmal ohne Wartezeit durch halb Mumbai zu kommen. Mit dem ganzen Gepäck wären öffentliche Verkehrsmittel allerdings auch eine Tortur gewesen :D. Angekommen erwarteten uns zuerst ca. 25 3-4-jährige, die hier jeden Tag ein leckeres Mittagessen und außerdem die ersten Wörter englisch eingetrichtert bekommen. Da war erst gegen 11 ankamen, habe ich nur das mitbekommen. Von der Lautstärke hat das aber auch für einen Tag gereicht, da die Kinder beim Nachschreien der Wochentage und Zahlen mit vollem Elan dabei waren.
Im Anschluss an die ersten Mittagsgäste folgte dann der eigentliche Grund unserer Anreise. Zu Besuch kamen viele Kinder aus dem Projekt ‚Ankur‘, die hier zum Spielen, Essen und zum Austausch der Mütter und Mitarbeiter zusammenkamen. Erneut war es nicht schwer, mit Luftballons Begeisterung zu entfachen und gerade das Zerplatzen kam besonders gut an. Es war schön zu sehen, wie sich die Kinder trotz ihrer eigenen Einschränkungen gegenseitig geholfen haben und Rücksicht nahmen. Zum Schluss wurden noch ein paar Sequenzen für die Website aufgenommen.
Die 2€ fürs Taxi sind aber wiederum auch nichts im Vergleich zu den umgerechnet 6 Cent pro Person für die gleiche Strecke. Beim Zug und Bus fahren könnte ich mich theoretisch gut an die offenen Türen gewöhnen. Nicht nur einmal kam ich zu Hause um 2 Sekunden zu spät an und die Bahntüren ließen sich nicht mehr öffnen, oder der Busfahrer hatte einen schlechten Tag und hat mich ebenfalls stehen lassen. Gut, vielleicht doch lieber geschlossenen Türen im Winter, oder wenn es regnet… Vielleicht doch keine Idee, die auch in Deutschland umgesetzt werden sollte.
Ich bin gespannt auf die nächsten Wochen, da z.B. am Mittwoch schon das nächste Hindu-Festival beginnt!

Einleben leicht gemacht

Nachdem ich mein Zimmer im 3. Stock liebevoll und zum Wohlfühlen eingerichtet, Bilder an die Wand gehangen, einen Schrak aus Holzplatten, Ziegelsteinen und einer Gitarrenkiste gebaut und das Wichtigste: Kresse angepflanzt habe, konnte meine Zeit in der Großstadt endlich richtig beginnen. Am Sonntag ging es zum ersten Mal in die Kirche. Neben viel gemeinsamen Gesang (wofür meine bisher 10 Wörter Marathi leider nicht ausreichten), Austausch über die letzte Woche und Geburtstagsglückwünschen für zwei Anwesende, gab es im Anschluss ein gemütliches Beisammensein im freien bei Milchkaffe und Teigtaschen. Bei diesen und allem was ich bisher schon gegessen habe, bin ich besonders überrascht, dass es längst nicht so scharf, wie erwartet ist.
Auch der erste Marktbesuch stand an und die Besorgung der längst überfälligen Anti-Mückencreme. Die erste indische Wassermelone- zugegeben nicht so überwältigend wie erhofft- trotzdem eine sehr gute Investition.
Und dann begann auch schon der erste Arbeitstag. Na gut, nicht ganz, halb 12 musste ich erst im Büro sein. Das Warten hatte sich allerdings gelohnt. Timothy erklärte mir sehr ausführlich alles, was ich wissen wollte, außerdem die Geschichte von Imcares, einiges zu den Regeln und die Ziele der Organisation. Anschließend lernte ich die Mitarbeiter kennen, an deren Englisch ich mich wohl noch ein klein wenig gewöhnen muss :D. Ich konnte mich von Anfang sehr gut aufgenommen und wohl fühlen, zwar nicht besonders hilfreich, -wer ist das aber schon am ersten Tag?-, aber auch nicht wie jemand der nur im Weg herumsteht. Denn es gab sogar etwas zu tun, wofür man so gut wie nichts wissen musste. Ins Office kamen 5 Männer, die für die Abholung von ausrangierten Möbeln, Kassetten, technischen Geräten oder jeglichem Müll zuständig waren, engagiert, um Platz zu schaffen. Als dann alles rausgetragen wurde, waren plötzlich fast alle Mitarbeiter draußen, um zu schauen ob nicht doch noch etwas Brauchbares unter dem Haufen liegen könnte. Da sie den ersten Schritt gemacht haben, war das die perfekte Chance noch etwas für mein Zimmer zu finden. Das war auch nicht schwer, ein neuer Bilderrahmen schmückt jetzt meine Wand und fast auch eine Wanduhr, hätte einer der Männer sie nicht in einem unaufmerksamen Moment in den Transporter gepackt. Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, wer jetzt hier wem Geld geben wird. Am Ende wurde das Rätsel gelöst und die Männer haben tatsächlich um die 1000 Rupien bezahlt, um die Sachen aufzuwerten und wiederzuverkaufen. Zur Stärkung gab es zwischendurch meinen ersten Chai, worauf auf jeden Fall noch sehr viele weitere folgen werden.
Danach ging zum ersten Mal so richtig los. Mit 2 Mitarbeiterinnen ging es auf die Straßen Mumbais um im Projekt Ankur (ein vor 2 Jahren ins Leben gerufenes Projekt, welches sich auf Kinder mit Behinderungen konzentriert) zu arbeiten. Das Ziel war es erstmal, zu sehen, wie es 2 Patientinnen die in einem Rotlichtviertel wohnen, geht. Falls diese von Krankheiten oder anderen Problemen betroffen sind, wird dann innerhalb der nächsten Tage, bzw. sobald es möglich ist, gehandelt. Auf dem Weg begegnete ich dem ersten großen Klischee Indiens. Na, wer errät es? Mein kurzzeitiges Erschrecken, als der Schwanz einer Kuh gegen mein Bein schlug, wandelte sich schnell in ein Schmunzeln. Ich glaube, auch nach der hundertsten wird das noch nicht zur Normalität werden. Kühe sind ja auch in Deutschland verhältnismäßig sehr entspannte Tiere. Beeindruckend ist trotzdem, wie gelassen sie da nur ein paar Zentimeter neben Massen an Menschen, Autos, Geräuschen und Fahrrädern (deren Fahrer übrigens auch sehr gut im Dauerklingeln sind) den Tag verstreichen lassen.
So verging der erste Arbeitstag auch für mich wie im Fluge. Die Mitarbeiter werden ich dann erst in einer Woche wiedersehen, da es schon morgen zum ersten Mal ins -Agape Village- gehen wird. Pünktlich bevor es das erste Mal für ein paar Tage weg geht (sehr viel schneller als eigentlich geplant), habe ich auch endlich einen Schlüssel für meine Tür und ein weiteres Türschloss bekommen. Vielleicht ist das kurzzeitige Auszeit von der Großstadt für jemanden wie mich, der von jetzt auf gleich von einem 500-Einwohner-Dorf in eine knapp 12-Millionen-Metropole zieht, auch gar nicht so schlecht. Allerdings komme ich bisher überraschend gut mit allem zurecht. Sogar das Überqueren der Straßen war zwar nicht einfach, aber schnell machbar. Das ist der Vorteil an so vielen Menschen: Man findet schnell jemanden, der einem gern hilft! Na ja, oder man hängt sich eben einfach vertrauensvoll an einen Einheimischen und wirkt als würde man das schon jahrelang tun. Bei meiner ersten Einkaufstour, bei der ich mir endlich indische Kleidung zugelegt habe, um ein klein bisschen weniger aus der Masse herauszustechen, wurde mir bewusst, wie viele Arbeitsplätze in manchen Läden geschaffen werden. Diese reichen natürlich trotzdem längst nicht aus, um einen drastischen Unterschied bemerkbar zu machen, allerdings gibt es hier für jede erdenkliche Aufgabe einen Mitarbeiter (zumindest in den größeren und westlicheren Läden in denen ich war). In dem Laden der mir von Timothy und Sonali empfohlen wurde, gab es einen Mann, der mir die Tür öffnete, einen Sicherheitsbeauftragten (vielleicht war er auch nur zum -Hallo sagen- zuständig, da bin ich mir nicht sicher :D), jemanden der mir eine Einkaufstasche reichte und zu guter Letzt einen Mitarbeiter der die Kasse beobachtete und extra für mich eine Neue öffnen ließ. Zugegeben, ein bisschen viel war die Aufmerksamkeit schon, etwas gegen die fehlende Wartezeit hatte ich aber auch nicht. Dass meine Kleidungsauswahl gut war, bestätigte mir auch eine nette Dame die neben mir an der Kasse stand (Die Kleider sind auf dem Bild zu sehen). Da mein Geld dann doch schneller als gedacht alle war, kam mir der Geldautomat auf dem Weg zurück gerade recht, um in den nächsten Tagen nicht vollkommen ohne Geld im Bergdorf zu sein. Alles in allem also bisher sehr ereignisreiche und schöne Tage. Jetzt muss ich aber zum Essen, es gibt Curry! (Abendessen gibt’s hier meist gegen 9, also sehr viel später als gewohnt. Allerdings bekämpfen die gestern gekauften Bananenchips, Früchte und Kekse den Hunger, falls welcher aufkommt, ziemlich gut!) Mal sehen wann ich wieder von mir hören lasse, da ich in den nächsten Tagen wahrscheinlich kein Internet haben werde, da sich das mit der Simkarte hier sehr schwierig gestaltet.

        

Bis die Tage, Michelle

Q&A mal anders – die ersten 2 Wochen

Hallo :),
1 1/2 offizielle Arbeitswochen sind nun vorbei. Wow des verging echt wie im Flug! Hier sind ein paar Antworten auf noch nicht gestellte Fragen.

DropInCenter KopieWas sind meine Aufgaben vor Ort?
Ich hab diese Woche im Office mitgearbeitet und war Teil von Meenas (Sozialarbeiterin) Team. Hier hab ich in der Klinik und bei der Pavement Ministry mitgeholfen. Es war meine Aufgabe das Team zu unterstützen. Dies erwies sich teils schwerer und teils einfacher als gedacht.

Wieso Schwerer? – zum einen ist das Ablaufen der so genannten “Rounds”, eine fixe Strecke wo wir als Team den Menschen auf der Straße helfen, ziemlich anstrengend. Nicht nur wegen der Hitze sondern auch weil die Distanz insgesamt um die 7-8 Km beträgt die man zu Fuß abläuft.

Wieso Leichter? – bei der Buchhaltung kann ich mich gut einbringen. Ich dokumentiere was wir bei den Rounds gemacht haben und helf Tabellen und Eintragsbücher für die Klinik zu beschriften und vorzubereiten.

Was waren Highlights der Woche?
Bei einem unserer Rundgänge haben wir ein zufrühgeborenes Kind besucht welches im Rotlichtviertel in einer kleinen Zelthütte aufwächst. Dieses Kleine Kind zu sehen, hat mir echt das Herz gebrochen. Ich war aber auch froh, dass das Team regelmäßig vorbeikommt, hilft und schaut wie es dem Kind geht.
Ein weitaus positiveres Highlight war Bushan zu treffen. Obwohl er korperlich beinträchtigt ist und seine Familie und er allesamt unter der Armutsgrenze Leben so strahlen sie doch eine Lebensfreude aus die einfach nur anstekend ist. Das strahlen in den Gesichtern seiner Eltern, als sie uns gezeigt haben, wie er nun mithilfe von Beinschienen laufen kann ist unbeschreiblich.

Wie geht es nun weiter?
Heute geht es weiter ins Agape Village wo ich voraussichtlich einen Monat bleiben werde.

Liebe Grüße aus Mumbai! 🙂
Naomi

P.S. konkrete Fragen einfach in die Kommentare 🙂

Bhushan’s Geschichte

Bhushan ist ein Junge voller Lebensfreude und Potential. Seine Behinderung bedeutete auf den ersten Blick jedoch Schande, Ignoranz und Verleumdung. Durch Imcares konnte all das in Freude, Wertschätzung und Annahme verwandelt werden.
Bhushan’s Geschichte bewegt Herzen ….

Please accept YouTube cookies to play this video. By accepting you will be accessing content from YouTube, a service provided by an external third party.

YouTube privacy policy

If you accept this notice, your choice will be saved and the page will refresh.