Auftrag erfüllt!

Auf dem Weg ins Agape Village kamen wir wieder an interessanten Ecken Mumbais vorbei. Timothy erzählte mir von einer Religion, in der es ein Ritual ist, die Tauben der Stadt zu füttern, als wir an Einem vorbeifuhren, der dieses praktizierte. Wäre schon interessant zu wissen, wie das wohl in deutschen Städten ankommen würde. Ich tippe, eine riesige Tüte voller Maiskörner dort auszukippen wäre wohl nicht die allerbeste Idee.
Die Hühnereier eines Mannes, der grob durchgerechnet 300 Stück, gestapelt auf seinem Fahrradgepäckträger durch die Straßen kutschierte brauchten wir nicht, da diese später im Kinderheim durch die vielen Hennen vorhanden waren und auch des Öfteren eines vor meiner Tür abgelegt wurde. Respekt haben sie sich auch gemacht, da ich in den nur 3 Tagen 2 Mal von einem Hahn attackiert wurde. Wahrscheinlich bin ich einfach zu unangsteinflößend an die Sache heran gegangen…
Auf dem Weg machten wir noch Halt bei McDonald’s. Ich hätte nicht gedacht, dass ich schon nach so kurzer Zeit nicht drum herumkomme hier zu essen :D. Allerdings ist die Kette und auch etliche andere Etablisments für mich als Vegetarier verleichsweise ein Paradies, da kann sich Deutschland noch so einiges abschauen. Die Fahrtzeit begann zu schwinden und endete im letzten Drittel mit einer Strecke die, ich weiß nicht so recht, wie man es am besten beschreiben kann, aber auch wenn ich noch nie auf einem saß, einem Kamelritt glich. Ein weiteres Mal, bin ich nicht traurig darüber, keinen internationalen Führerschein beantragt zu haben. (Auch wenn den hier wahrscheinlich eh nie jemand sehen wollen würde.)
Als wir ankamen waren die meisten Kinder sofort interessiert, wie ich heiße, wo ich herkomme, ob ich Geschwister habe oder wann mein Geburtstag ist. Besonders beliebt war auch zu fragen, wen meiner Vorgänger ich alles kenne. Ich habe versucht bei den Dingen zu helfen, die mir nicht vollkommen neu waren. Gemüse schneiden war zum Beispiel ein sehr gut machbarer Job. Hier konnte man dann auch einiges an neuen Gemüsesorten kennenlernen, Ladyfinger zum Beispiel. Dabei habe ich hier meine neue Lieblingsmethode zum Runterkommen gefunden: Knoblauch schälen. Am besten noch mit Marathi-Gesprächen im Hintergrund – perfekt. Dabei herrscht kein komisches Schweigen, trotzdem muss, bzw. kann ich mich nicht ins Gespräch einbringen und somit in aller Ruhe Knoblauch schälen. Allerdings wird mir besonders hier klar, dass es schon echt eine gute Sache wäre, dann wenn es spannend klingt, wenigstens zu wissen worum es geht. Mal sehen, was sich da in meiner Zeit noch machen lässt. Auch beim Hausaufgaben machen, Unkraut jäten und Hockey spielen konnte ich mich ganz gut einbringen.
Hier wurde mein Körper, bzw. mein Magen, zum ersten Mal so richtig ausgetestet und hätte ich nicht endlich mal ein paar Ratten gesehen, hätte ich mich auch gewundert, wo die ganzen Klischees versteckt sein sollen. Trotz Händewaschen im Gemüsekochwasser, fehlenden Schneidebretts und Nutzen des Tisches und der Perfektionierung meiner Künste mit den Händen zu essen, kann ich mich nicht beschweren, mir geht’s weiterhin gesundheitlich sehr gut, auch wenn die Intensität des Schärfegrades hier etwas angezogen hat. (Die aufgezählten Punkte deswegen bitte nicht negativ aufnehmen!)
Auf dem Markt war ich zunächst etwas überfordert, da ich mich schon gefreut hatte einen schönen Stand mit Kleidern gefunden zu haben, als mir dann der Verkäufer sehr freundlich und in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen, um es auch auf Englisch verständlich zu machen, dass das nur die Stoffe sind, die erst noch in einer Schneiderei zum Kleid gemacht werden müssen. Verkraftet habe ich das aber schnell, denn vor allem die erste Tube Hennafarbe und ein Fußkettchen trösteten mich darüber hinweg. Als ich die Frau nach den separaten Preisen für die Dinge fragte, zeigte sie mir zwar beide Male einfach nur Zeige- und Mittelfinger, vielleicht wollte sie also zu Beginn erstmal Frieden schließen… Ich habe mich dann aber doch für Variante 2 entschieden und die Preise angenommen, die ich als realistisch empfand und ich denke, dabei wurde ich auch nicht allzu sehr übers Ohr gehauen. Nach dem dritten Mal raus und reingehen habe ich mir meinen Kopf dann auch endlich nicht mehr am Eingangstor gestoßen. Ja ja, dass ich hier trotz eigentlich nur 1,74m um einiges größer bin als alle anderen war mir schon am Flughafen klar, als ich den Vorteil nutzen und damit einen Überblick über alle Koffer hatte und deswegen am Kofferband nicht wie alle anderen um die vorderen Plätze kämpfen musste. Jetzt musste ich nur noch jemanden finden, der geschickter im Hennafarbe auftragen ist als ich… Das war zum Glück auch nicht schwer, denn schon 2 Minuten nachdem jemand meine amateurhafte Zeichnung am Fuß sah, wurde ich schon gefragt, ob mir eines der Mädchen auf die Hand malen darf. Mich dafür zu überreden hat nicht lang gedauert.
Naomi hatte mir, als ich sie im Mai bei ihr zu Hause besucht habe, um mir im Vorfeld von ihrer Zeit berichten zu lassen, ein paar ihrer restlichen Rupien gegeben, damit ich sie sinnvoll in Eis für die Kinder hier umsetzen kann. Nachdem diese auch ständig nur von ihr Naomi Didi schwärmten, hatten sie das auch wirklich verdient! Da sie am Donnerstag aufgrund des Feiertages -wegen des Hindu- Festivals ‘Ganesh Chaturthi- frei hatten, passte das auch besonders. Dabei sprang sogar Samosa und Mangoeis + genug übriges Geld für eine nächste Runde in den kommenden Tagen. Also: Auftrag erfüllt! Apropos Mangos: Die wachsen hier leider erst im März, aber zum Glück bin ich dann ja auch noch da .
Als Abschlussfrühstück gab es dann noch Rührei mit Brötchen, nicht wie sonst Reis in verschiedenen Variationen, fast wie zu Hause. Wie gesagt fast, oder kommt bei euch auch eine Chilischote und eine Zwiebel auf ein Ei? 😀
Alles in allem, ein paar sehr schöne Tage, ich werde auf jeden Fall wiederkommen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass Mumbai mehr für mich ist. Ich denke, das Bergdorf ist eine tolle Möglichkeit um aus dem lauten Großstadtalltag herauszukommen und umgeben von wundervoller Natur zu sein. Ich hoffe, dass ich mich in Mumbai schnell zu einer nützlichen Hilfe einarbeiten kann. Da am Tag unserer Anreise ins Agape Village auch gerade ein Paar angekommen ist, welches angefangen hat, dort zu arbeiten, mache ich mir keine Gedanken, dass es dort zu wenige Helfer gibt. Auch die Kinder sind durch ihre wahnsinnig gute Erziehung (zumindest von dem, was ich mitbekommen habe) eine große Hilfe im Alltag.

Liebe Grüße, Michelle

Einleben leicht gemacht

Nachdem ich mein Zimmer im 3. Stock liebevoll und zum Wohlfühlen eingerichtet, Bilder an die Wand gehangen, einen Schrak aus Holzplatten, Ziegelsteinen und einer Gitarrenkiste gebaut und das Wichtigste: Kresse angepflanzt habe, konnte meine Zeit in der Großstadt endlich richtig beginnen. Am Sonntag ging es zum ersten Mal in die Kirche. Neben viel gemeinsamen Gesang (wofür meine bisher 10 Wörter Marathi leider nicht ausreichten), Austausch über die letzte Woche und Geburtstagsglückwünschen für zwei Anwesende, gab es im Anschluss ein gemütliches Beisammensein im freien bei Milchkaffe und Teigtaschen. Bei diesen und allem was ich bisher schon gegessen habe, bin ich besonders überrascht, dass es längst nicht so scharf, wie erwartet ist.
Auch der erste Marktbesuch stand an und die Besorgung der längst überfälligen Anti-Mückencreme. Die erste indische Wassermelone- zugegeben nicht so überwältigend wie erhofft- trotzdem eine sehr gute Investition.
Und dann begann auch schon der erste Arbeitstag. Na gut, nicht ganz, halb 12 musste ich erst im Büro sein. Das Warten hatte sich allerdings gelohnt. Timothy erklärte mir sehr ausführlich alles, was ich wissen wollte, außerdem die Geschichte von Imcares, einiges zu den Regeln und die Ziele der Organisation. Anschließend lernte ich die Mitarbeiter kennen, an deren Englisch ich mich wohl noch ein klein wenig gewöhnen muss :D. Ich konnte mich von Anfang sehr gut aufgenommen und wohl fühlen, zwar nicht besonders hilfreich, -wer ist das aber schon am ersten Tag?-, aber auch nicht wie jemand der nur im Weg herumsteht. Denn es gab sogar etwas zu tun, wofür man so gut wie nichts wissen musste. Ins Office kamen 5 Männer, die für die Abholung von ausrangierten Möbeln, Kassetten, technischen Geräten oder jeglichem Müll zuständig waren, engagiert, um Platz zu schaffen. Als dann alles rausgetragen wurde, waren plötzlich fast alle Mitarbeiter draußen, um zu schauen ob nicht doch noch etwas Brauchbares unter dem Haufen liegen könnte. Da sie den ersten Schritt gemacht haben, war das die perfekte Chance noch etwas für mein Zimmer zu finden. Das war auch nicht schwer, ein neuer Bilderrahmen schmückt jetzt meine Wand und fast auch eine Wanduhr, hätte einer der Männer sie nicht in einem unaufmerksamen Moment in den Transporter gepackt. Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, wer jetzt hier wem Geld geben wird. Am Ende wurde das Rätsel gelöst und die Männer haben tatsächlich um die 1000 Rupien bezahlt, um die Sachen aufzuwerten und wiederzuverkaufen. Zur Stärkung gab es zwischendurch meinen ersten Chai, worauf auf jeden Fall noch sehr viele weitere folgen werden.
Danach ging zum ersten Mal so richtig los. Mit 2 Mitarbeiterinnen ging es auf die Straßen Mumbais um im Projekt Ankur (ein vor 2 Jahren ins Leben gerufenes Projekt, welches sich auf Kinder mit Behinderungen konzentriert) zu arbeiten. Das Ziel war es erstmal, zu sehen, wie es 2 Patientinnen die in einem Rotlichtviertel wohnen, geht. Falls diese von Krankheiten oder anderen Problemen betroffen sind, wird dann innerhalb der nächsten Tage, bzw. sobald es möglich ist, gehandelt. Auf dem Weg begegnete ich dem ersten großen Klischee Indiens. Na, wer errät es? Mein kurzzeitiges Erschrecken, als der Schwanz einer Kuh gegen mein Bein schlug, wandelte sich schnell in ein Schmunzeln. Ich glaube, auch nach der hundertsten wird das noch nicht zur Normalität werden. Kühe sind ja auch in Deutschland verhältnismäßig sehr entspannte Tiere. Beeindruckend ist trotzdem, wie gelassen sie da nur ein paar Zentimeter neben Massen an Menschen, Autos, Geräuschen und Fahrrädern (deren Fahrer übrigens auch sehr gut im Dauerklingeln sind) den Tag verstreichen lassen.
So verging der erste Arbeitstag auch für mich wie im Fluge. Die Mitarbeiter werden ich dann erst in einer Woche wiedersehen, da es schon morgen zum ersten Mal ins -Agape Village- gehen wird. Pünktlich bevor es das erste Mal für ein paar Tage weg geht (sehr viel schneller als eigentlich geplant), habe ich auch endlich einen Schlüssel für meine Tür und ein weiteres Türschloss bekommen. Vielleicht ist das kurzzeitige Auszeit von der Großstadt für jemanden wie mich, der von jetzt auf gleich von einem 500-Einwohner-Dorf in eine knapp 12-Millionen-Metropole zieht, auch gar nicht so schlecht. Allerdings komme ich bisher überraschend gut mit allem zurecht. Sogar das Überqueren der Straßen war zwar nicht einfach, aber schnell machbar. Das ist der Vorteil an so vielen Menschen: Man findet schnell jemanden, der einem gern hilft! Na ja, oder man hängt sich eben einfach vertrauensvoll an einen Einheimischen und wirkt als würde man das schon jahrelang tun. Bei meiner ersten Einkaufstour, bei der ich mir endlich indische Kleidung zugelegt habe, um ein klein bisschen weniger aus der Masse herauszustechen, wurde mir bewusst, wie viele Arbeitsplätze in manchen Läden geschaffen werden. Diese reichen natürlich trotzdem längst nicht aus, um einen drastischen Unterschied bemerkbar zu machen, allerdings gibt es hier für jede erdenkliche Aufgabe einen Mitarbeiter (zumindest in den größeren und westlicheren Läden in denen ich war). In dem Laden der mir von Timothy und Sonali empfohlen wurde, gab es einen Mann, der mir die Tür öffnete, einen Sicherheitsbeauftragten (vielleicht war er auch nur zum -Hallo sagen- zuständig, da bin ich mir nicht sicher :D), jemanden der mir eine Einkaufstasche reichte und zu guter Letzt einen Mitarbeiter der die Kasse beobachtete und extra für mich eine Neue öffnen ließ. Zugegeben, ein bisschen viel war die Aufmerksamkeit schon, etwas gegen die fehlende Wartezeit hatte ich aber auch nicht. Dass meine Kleidungsauswahl gut war, bestätigte mir auch eine nette Dame die neben mir an der Kasse stand (Die Kleider sind auf dem Bild zu sehen). Da mein Geld dann doch schneller als gedacht alle war, kam mir der Geldautomat auf dem Weg zurück gerade recht, um in den nächsten Tagen nicht vollkommen ohne Geld im Bergdorf zu sein. Alles in allem also bisher sehr ereignisreiche und schöne Tage. Jetzt muss ich aber zum Essen, es gibt Curry! (Abendessen gibt’s hier meist gegen 9, also sehr viel später als gewohnt. Allerdings bekämpfen die gestern gekauften Bananenchips, Früchte und Kekse den Hunger, falls welcher aufkommt, ziemlich gut!) Mal sehen wann ich wieder von mir hören lasse, da ich in den nächsten Tagen wahrscheinlich kein Internet haben werde, da sich das mit der Simkarte hier sehr schwierig gestaltet.

        

Bis die Tage, Michelle

Wer kann am schnellsten über die rote Ampel fahren?

Gestern war es nach fast einem Jahr Planung und ´Gespannt-sein‘ endlich soweit… das Flugzeug in Richtung Subkontinent hat inklusive mir abgehoben. Zum Glück wurde ich dabei schon in den ersten Stunden meines Abenteuers von der Tatsache, so viele liebgewonnene Menschen über 9 Monate nicht zu sehen, abgelenkt. Einen Tag vor Beginn wollte ich die Möglichkeit ausnutzen, mich im Online-Check zu registrieren. Blöd nur, wenn man damit wichtige Informationen überklickt (erfahrenere Flieger oder auch Menschen, die mitdenken, hätten sich das wohl auch denken können) und übersieht, dass das Mitführen eines Pfeffersprays vollkommen illegal ist, nur ein Feuerzeug pro Person erlaubt ist und eine Powerbank im Koffer nichts zu suchen hat. Jetzt bin ich auf jeden Fall auch schlauer und genug Aufmerksamkeit habe ich sicherlich auch von den zahlreichen ungeduldig wartenden Fast-Urlaubern bekommen. Als dann alles Verbotene aus meiner Tasche verbannt war und auch der Abschied schweren Herzens hinter mir lag hätte es eigentlich losgehen können… wäre da nicht der erste indische Bürger gewesen, der mir wohl in Erinnerung bleiben wird. Ein Mann, dem es scheinbar in Deutschland so gut gefiel, dass er seinen Sitzplatz trotz unzähliger Aufforderungen, unter anderem durch den Kapitän, sturköpfig nicht einnehmen wollte. Somit hatte ich aber jemanden gefunden, der weit mehr Aufmerksamkeit als ich beim Ausräumen meines gesamten, kleinteiligen Kofferinhalts bekam. Nach etwa einer halben Stunde gab es keinen anderen Ausweg, als die Polizei einzuschalten und den Mann aus der Maschine zu bringen. Nachdem auch der Koffer gefunden wurde, konnten die nächsten 8 Stunden in der Luft eingeleitet werden und ich konnte es mir mit vielen Filmen gemütlich machen.

Am Flughafen dann die erste Überraschung: Mindestens 15 Männer mit Rollstühlen, die darauf warteten, Menschen zu befördern. Gut, der Weg bis zum ‘immigration point’ war auch nicht gerade ein Katzensprung, aber da sagt mir nochmal jemand, dass Menschen mit Behinderung in Indien überhaupt gar keine Chance hätten… Ich werde das weiter beobachten Also auf zur Visa-Kontrolle, die überraschenderweise vollkommen unproblematisch verlief, allerdings auch, weil ich glücklicherweise das Employmentvisum statt eines verdächtig-wirkenden Touristenvisums bekam. Als ich dann auch nur auf den zweiten Blick meinen Namen auf einem der gefühlt 3000 Schilder entdeckt habe, nahm meine kurzzeitige vollkommen auf mich allein gestellte Zeit auch schon wieder ein Ende. Timothy und der Taxifahrer standen schon bereit und meine Tasche musste ich nicht einmal selbst tragen :). Los ging es nun also in den indischen Verkehr. Dass die Hupe eine häufiger genutzte Autofunktion als in Deutschland ist, war ja abzusehen. Dass eine rote Ampel hier aber scheinbar keine Bedeutung hat, war mir neu, zumindest wenn ich Timothys Worten glauben schenke. Dass ich beim Versuch, mich anzuschnallen, komisch angeschaut werde, hätte ich mir auch vorher denken können (es war aber ohnehin keine Befestigung für den Gurt im Auto). Entlang einer Straße ohne Markierung, ohne vorgegebene Seite auf der überholt wird oder Helme auf den Köpfen der Mofafahrer ging es nun in das Haus, was sich die nächsten 9 Monate mein Zuhause nennen wird.

Nach diesem Tag fiel es mir leicht, mich in meinem neuen Bett niederzulassen und all die Geräusche – seien sie von der Straße (die ich übrigens gern aufnehmen und zum Nachempfinden einfügen würde), dem Ventilator oder der Klimaanlage – auszublenden und in einen tiefen Schlaf zu verfallen. In den nächsten Tagen wird zum ersten Mal Mumbai bei Tag erkundet, indisch gegessen und am Montag beginnt auch schon der erste Arbeitstag. Mal sehen, was mich alles erwartet…

Bis bald, liebe Grüße, Michelle:)

 

Freiwilligendienst Nr. 3

Hallo liebe Blogleser,

ich heiße Michelle Treu, bin 18 Jahre alt und habe in diesem Jahr mein Abitur in der Nähe von Jena gemacht. Um nach der Schulzeit mal etwas aus dem perfekt organisierten deutschen Alltag herauszukommen, sah ich einen Freiwilligendienst schon lang als perfekte Möglichkeit an. Als dann Seek and Care auf einem Berufsinfomarkt in meiner Schule vertreten war, wurde ich sofort von den Projekten, Bildern und Worten mitgerissen. Auch Blogeinträge der vorherigen Freiwilligen machten es mir leicht, meine Überlegungen zu umsetzbaren Plänen zu machen und als dann so langsam alles ins Rollen kam, ebenso meine Vorfreude zu vergrößern.

Schon jetzt, bevor es überhaupt so richtig losgegangen ist, bin ich schon dankbar für all die neuen, tollen Bekanntschaften die ich machen konnte und die Menschen die mir meinen Freiwilligendienst innerhalb meines Unterstützerkreises auch finanziell ermöglichen. Auch Naomi und Till konnte ich bereits persönlich kennenlernen und mir von ihren Erlebnissen berichten lassen. Darüber hinaus sogar schon Timothy und Sonali, die im Juni, wie in den vorigen Blogeinträgen lesbar, auch in Jena unterwegs waren.

Auch wenn es, gerade als weibliche und auch noch blonde Person, nicht immer einfach ist seine Mitmenschen von diesem Vorhaben zu überzeugen, gibt es oft genug Menschen die ohne zu überlegen sofort hinter einem stehen und es beeindruckend finden, dass man diesen Schritt wagen möchte.
Vom 08.09.18 bis mindestens 07.06.18 werde ich mein Bestes geben und die Mitarbeiter von Imcares tatkräftig unterstützen und hier von meinen Erlebnissen berichten. Schaut also gern öfter mal rein 🙂

Rückblick – Besuch Timothy und Sonali Gaikwad in Deutschland

 

Liebe Mitglieder, Freunde und Unterstützer,

der Juni 2018 war so ereignisreich, dass wir nicht umhin kommen, ihn mit euch zu teilen.

 

Timothy Gaikwad (Leiter von Imcares) und seine Frau Sonali waren fünf Wochen in Deutschland. Gemeinsam haben wir mit ihnen viele Veranstaltungen durchgeführt, neue Netzwerke geknüpft, bestehende Kontakte gepflegt und aufgefrischt, Spenden gesammelt und unsere Zusammenarbeit gestärkt. 

Die vielen großen und kleinen Erfolge dieser Tour möchten wir nun kurz zusammenfassen.

Insgesamt fanden dreißig Veranstaltungen in Form von Vorträgen, Besprechungen, Seminaren, Filmvorführungen und Treffen in Kleingruppen statt. Wir haben fünf neue Mitglieder gewonnen und über 6.000 € an Spenden für Imcares gesammelt. 

Sonali und Timothy Gaikwad im Lichtspiel Kino Bamberg

Im thüringischen Jena luden Timothy und Sonali Gaikwad zum traditionellen Chicken Curry ein.  Auf der Leinwand des Kinos im Schillerhof konnte man sich mit Timothy’s Film „Zindagi – Break the cycle“ über Menschenhandel in Indien informieren. Neben Gesprächen mit alten und neuen Bekannten trafen Timothy, Sonali und Nancy Reichel (2. Vors. Seek&Care e. V.) auf unsere neue Freiwillige und ihre Eltern. Die 18Jährige wird im September für 9 Monate nach Mumbai reisen und das Team von Imcares unterstützen. Vor allem die Eltern der Abiturientin hatten viele Fragen zu ihrem Aufenthalt. Abschließend kündigten sie an, dass sie ihre Tochter gern nächstes Jahr in Mumbai besuchen wollen. Vielleicht im Team der nächsten Seek & Care – Reise? 

 

In Filderstadt wurde ebenfalls Timothy’s Film ausgestrahlt. Mit 40 Besuchern und leckeren indischen Snacks, fanden im Anschluss viele intensive Gespräche statt und wurden neue Mitglieder für Seek & Care e. V. gewonnen.  

Auch in Bambergs Lichtspiel Kino war die Filmvorführung von „Zindagi – Break the cycle“ mit anschließender Podiumsdiskussion ein gewinnbringender Abend für unsere Netzwerkarbeit. 

Ein Seminar mit der Psychotherapeutin Dorothea Weinberg brachte Timothy und Sonali die neuesten Erkenntnisse im Bereich der Traumatherapie nahe. So erhielten sie einen tieferen Einblick in Behandlungsansätze bindungstraumatisierter Kinder durch den Einsatz der traumatherapeutischen Spieltherapie und der Fallsupervision. 

Rebekka Kaminski (1. Vors. Seek&Care e. V.) begleitete Timothy und Sonali bei nahezu allen Veranstaltungen als Übersetzerin und Ansprechpartnerin für Seek&Care e. V.

Durch den frisch gewonnenen Kontakt zum Therapiezentrum Rombach in Regensburg, konnte sie ein neues Programm ins Leben rufen. ITHA ist ein Interkulturelles Austauschprogramm für Therapeuten aus Deutschland, die ihr Fachwissen und ihre Arbeitskraft für einige Wochen bis Monate in Mumbai zur Verfügung stellen möchten. Mit dem Therapiezentrum Rombach beginnt die erste Umsetzung. Wir sind gespannt wie sich das Programm ITHA entwickelt und freuen uns es in seinem Wachstum formen und begleiten zu dürfen.  

Vortrag in der EFG Aschersleben

Vorträge und Kurzpredigten bei freien Kirchgemeinden in Regensburg, Bayreuth, Neunkirchen a. Br., Aschersleben und Bamberg gaben einen persönlichen Einblick in die liebevoll aufopfernde Arbeit von Imcares in Mumbai. Anhand einiger Fallbeispiele konnten die Veränderungen im Leben kranker, bettelarmer und verachteter Menschen aufgezeigt werden. Die Liebe, Fürsorge und der Wert, den diese Menschen von den Imcares Mitarbeitern zugesprochen bekommen, verwandeln Hoffnungslosigkeit in Lebensfreude mit Perspektive. Es ist einfach ermutigend und ein großer Ansporn, die Erfolgsgeschichten in diesen Menschenleben zu bezeugen. 

Wir möchten ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten dieser Tour aussprechen. Im Hintergrund und an der Front waren viele liebe Menschen engagiert, haben geplant, organisiert, ausgeholfen, chauffiert, übersetzt, gekocht, eingeladen und vieles mehr. Danke für all die Zeit, Energie und Begeisterung, die ihr mit uns investiert und geteilt habt!

Danke an Timothy und Sonali Gaikwad, die sich auf den Weg gemacht haben, um uns ganz persönlich in ihre Arbeit mit zu nehmen. In ihren Vorträgen und bei Gesprächen wurde das so weit entfernte Indien zu uns vor die Haustür gebracht und dadurch auch mit dem Herzen greifbar. 

 

Abschließend danken wir Jedem, der durch seine finanzielle Unterstützung die Arbeit in Mumbai mit trägt.
Mit Euch können wir die Gehälter der Mitarbeiter in Mumbai sichern. Ohne diese engagierten Sozialarbeiter, Kinderpfleger, Sozialassistenten, Buchhalter, Pädagogen, etc. wäre der Einsatz für die Ärmsten der Gesellschaft in Mumbai nicht möglich. 

Bitte unterstützt dies weiterhin, sodass noch viele Kinder und Familien eine freudvolle Zukunft vor sich haben können. Sie danken es euch!

 

Im Namen des Vorstandes von Seek & Care e. V.

Und im Namen von Imcares

 

Herzliche Grüße und ein großes Dankeschön! 

Rebekka Kaminski
(1. Vorsitzende Seek & Care e. V.)

l’Art pour l’Art – die Entstehung eines Musikraums

Hallo liebe Leser!

Erstmal vorab ein persönliches Update. Nach doch recht krankheitsgeplagten 2 1/2 Monaten kommt von mir mal wieder ein Update, momentan kuriere ich meine Bronchitis aus. Ich hoffe euch geht es allen besser in Deutschland. Hier in Indien ist der Sommerangebrochen, Abends gerade so 10 Grad und Mittags locker 40 Grad. Leider läuft mein Einsatz steil dem Ende entgegegen… ahhhh nur noch 16 mal schlafen und dann Deutschland, ich pack es einfach nicht. Ich hab mir deshalb zum Ziel gesetz jetzt nochmal besonders kleine Veränderungen zu puschen und Projekte die lange Zeit schon besprochen und geplant waren anzufangen umzusetzen. So zum Beispiel auch der Musikraum 😀

Das Agape Village schlägt schon jetzt mit einem musikalischen Herzschlag. Jeden morgen und Abend erklingt das Heim voller Musik. Mit Trommeln, kleinen Pauken und 20 entzückende Kinderstimmen. Die Musik ist jedoch nicht nur auf die Andachtszeit beschränkt. Nur selten hört man keinen vor sich her singen.
Um dieses Interesse weiter zu fördern und allgemein musikalisches Interesse zu wecken haben wir angefangen einen Musikraum einzurichten. Die Eröffnung kommt erst nach Ende der Abschlussprüfungen. Der Musikraum wird mit 2 Gitarren, einem Keyboard und Musiknoten ausgestattet. Einen Teppich und angemalte Wände werden hoffentlich ein freundliches Klima für künstlerische Arbeit bilden. Die Wände werden von den Kids selber angemalt und bis jetzt sieht der Raum echt gut aus. Na gut von unserer Vision ist noch nicht viel in die Tat umgesetzt worden… ABER das Gitarrenbild steht schonmal. Es fehlen nur noch die Noten und der Musikalische Motivations Spruch auf englisch, falls ihr einen passenden habt, einfach in die Kommentare posten. Wir freuen uns über jeden Beitrag 😉

Nächste Woche fangen die wichtigsten Prüfungen des Jahres an weshalb sehr viel und intensiv gelernt wird. Mein arbeits Schwerpunkt hat sich von der Küchenhilfe zu mithilfe in der Buchhaltung und Nachhilfe geben gewendet. Englisch, Mathe und Science steht auf dem Programm. Es ist schön sein Wissen über Magnete, Planeten, Addieren, und komplizierteren Oberstufenmathe aufrischen zu können. Mich fasziniert momentan wie die Kinder doch teilweise recht schlechtes Englisch sprechen jedoch ohne Probleme Science in Englisch kapieren.

Ich wünsche euch einen schönen Palmsonntag!
Lg,

Naomi 😀

gitarrenbild

Care-Bär-do-it-yourself

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Angela Kircher und Christine Burg waren die innovativen Betreuer unseres Standes

Am 2.3. fand im Autohaus Helbig der traditionelle Grüne Tag statt. Da hatte Seek & Care e. V. die Möglichkeit, die Arbeit in Mumbai bei IMCARES vorzustellen. Bei dieser Gelegenheit fanden 26 Care-Bären neue Besitzer.

 

WhatsApp Image 2018-03-03 at 11.11.50Sie konnten selbst fertig genäht werden oder wer meinte wenig handarbeitliches Geschick zu haben, konnte auch einen der wenigen fertigen  Bären gegen eine Spende erhalten.  Das Autohaus Helbig hat dann zusätzlich für jeden Bären, der das Haus verlassen hat, 10€ an Seek & Care e. V. gespendet.

 

 

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Typisch indisch: Melone getunkt in Chili-Salz

Mit weiteren 140€ an spontanen Spenden können jetzt 400€ in voller Höhe an IMCARES weiter gereicht werden. Danke an jeden, der mit seiner Spende mithilft die aufopfernde Arbeit unter den Ärmsten der Armen in Mumbais Slums und auf den Straßen am Laufen zu halten.

 

Wie ihr sicher alle schon wisst, könnt ihr einen niedlichen Care-Bär ab einer Spende von 20 € bekommen.

 

Es grüßt euch die Care-Bär-Family von Seek & Care e. V.

Ein Tag im Slum

Mittwoch war ein langer Tag. Um 9 Uhr verteilte sich das Team auf drei Taxis und fuhr zur Mahim Junction, einem Durchgangsbahnhof am Rande von Mahim, einem Slum angrenzend an Dharavi,  wiederum ein Slum und bis vor kurzem das größte in Asien. Ich war bereits zweimal hier. Über eine Fußgängerbrücke, die über den Schienen verläuft erreicht man diesen Ort.

01B4E8DC-B874-4926-9F89-574A6E70DE2AVon oben aus kann man schon ganz gut abschätzen was einen erwartet: Enge Gassen, die zwischen winzien, Lego-artig ineinander verschachtelten Hütten verlaufen. Gepaart mit Müll, Unrat und diversen Kleintieren ergibt das einen Lebensraum, den man sich unter keinen Umständen wünscht. Und ja, hier leben Menschen. Nach dem Verlassen der Brücke betritt man zur rechten einen Sportplatz, der bis an eine alte Lagerhalle reicht. Der Mauerdurchbruch ist der Eingang zum Slum.

84973371-2EC6-49E8-B27D-06ECEB5EA745Mitten in diesem Slum betreibt IMCARES ein sogenanntes Day Care Center. Zwischen 9 und 13 Uhr gibt es hier eine Betreuung von Kindern aus dem Slum. Diese sind zwischen 3 und 5 Jahre alt. Die Pädagogin der Organisation studiert mit ihnen einfache Sprechverse ein, singt mit ihnen und bringt ihnen Bewegungslieder bei. Sie lernen neue Worte auch auf Englisch, wie Gemüsesorten oder Tiernamen – das alles würde fehlen, wenn ihre Eltern sie einfach daheim ließen, während sie arbeiten.

Wir als Team haben Lieder dabei gehabt, die wir mit den Kindern einstudiert haben. Da ist zum Beispiel das Lied von Gott, der stärker ist als Superman, oder das irre Bewegungslied „Father Abraham“ – niedrigschwellige Stücke zum schnellen Mitmachen.

CAC0DC9D-BE87-4EA9-880C-F9C41F47BED3Nachdem ausgelassenem Spielen mit den Kindern gab es Mittagessen, oder einfach nur Essen, da dies für viele der Kinder häufig die einzige Mahlzeit am Tag ist. Es gibt Reis mit Dal, einer Art dünner Gemüsesuppe mit Kräutern und indischen Gewürzen – nichts besonderes, aber dafür ausreichend und sattmachend. Als Nachspeise gibt es eine kleine Banane. Wir durften das Essen servieren. Viele der Kinder konnten bereits mit der rechten Hand essen. Besteck gibt es keines! Die ganz kleinen werden gefüttert. Einige aus dem Team durften auch dabei behilflich sein.

Am Nachmittag gab es dann ein Medical Camp im Day Care Center. Ein pensionierter Arzt, der für IMCARES ehrenamtlich tätig ist, behandelt Kinder und Erwachsene. Viele Mütter kommen mit ihren Kindern. Unter ihnen ist auch Bushan, der von Geburt an körperlich und auch zum Teil geistig behindert ist. Er war eines der ersten Kinder, die im Rahmen des Ankur-Projekts gefunden wurden. Behinderte Kinder haben in Indien häufig keinen Stellenwert in der Gesellschaft. Viele haben keinen richtigen Namen und werden nur bei der Bezeichnung ihrer Behinderung gerufen. IMCARES kümmert sich auch hier und berät Eltern im Umgang mit ihren Kindern.

Raju, ein langjähriger Mitarbeiter von IMCARES, der selbst in Dharavi wohnt, erzählte mir dass in diesem Teil des Slums ca. 10.000 Menschen in ca. 2.000 Hütten wohnen. Jede Hütte hat eine Grundfläche von 6×10 Fuß, also ca. 5,5 Quadratmeter. Für diese Fläche wird eine monatliche Kaltmiete von 4.000 Rupien (ca. 53 Euro) fällig. Das ergibt einen Quadratmeterpreis von umgerechnet 9,70 Euro. Man stelle sich also vor, man arbeitet als Geringverdiener ohne Mindestlohnniveau, um davon eine Wohnung zu bezahlen, die nicht größer ist als eine Besenkammer –  und das zu einem sehr hohen Preis. Zum Vergleich: Ich bezahle daheim in Bamberg 6,30 Euro pro Quadratmeter!

FCB0E590-CFD8-45A5-8290-6CF16E3ED4AFWeiter zu Dharavi: Das ist ein Slum, der zu 99 Prozent muslimisch ist und von einem Drug Lord beherrscht wird. Viele Minigewerbe sind hier angesiedelt. Ob Dienstleister wie Friseure und Fahrradreparaturen oder Produzenten von Backwaren oder Lederprodukten – man findet hier einfach alles.
Raju hat uns in eine Bäckerei geführt, wo in Akkordarbeit und bei einer abartigen Hitze vier Mitarbeiter die immer gleichen Cracker formten und auf dem Blech verteilten.

421291CC-8C3D-4C8F-90DD-5A7FDE16258CGleich nebenan wurden Reisekoffer und Brillenetuis gefertigt. Wieder ein paar Meter weiter wurde verschieden farbiger Plastikschrott sortiert und geschreddert, um an Firmen weiterverkauft zu werden. Dabei ist es immer stickig und stinkt. Gleich da, wo gearbeitet wird wohnt man auch und wo man wohnt, da lebt man auch. Dieses Leben interessiert zunehmend auch Touristen, die nicht glauben können, dass sich hier echtes Leben abspielt.

Mumbailuft schnuppern

Samstag/Sonntag 10.-11.02.2018

WhatsApp Image 2018-02-13 at 12.07.52Nach zwei Flügen und 5 Stunden Aufenthalt in Istanbul sind wir um 5 Uhr morgens in Mumbai gelandet. Weil’s am Flughafen so schön ist haben wir uns noch 3 weitere Stunden in der Warteschlange für’s e-Visa ausgeruht. Teilweise stehend, teilweise sitzend.

Erschöpft und erleichtert wurden wir um 8 Uhr von unserem Freund Timothy im Eingangsbereich erwartet. Mit zwei weiteren Taxen (+ „Taxi Timothy“) ging es auf die erste Abenteuerreise in Richtung Hotel. Hier konnten wir die ersten Eindrücke gewinnen. Gesetzeshüter Augen zu: viele Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung!

Im Hotel angekommen gab es für uns ein verspätetes ausgiebiges indisches Frühstück und anschließend ging es für ein kleines Nickerchen auf die Zimmer. Mehr oder weniger ausgeruht haben wir uns in die erste Indien Mission gestürzt: Zuckerrohrsaft (15 Rupie pro Glas = 19 cent) und Shopping. Besonders riskant waren die ersten Überquerungen der Kreuzungen ohne von hupenden Autos oder rasenden Mopeds überfahren zu werden. Hier ist Wagemut gefragt – der mental stärkere gewinnt. So wie Mumbai für uns eine Attraktion ist, sind auch wir (besonders die blonden Teammitglieder) eine Attraktion für die lokale Bevölkerung.

WhatsApp Image 2018-02-13 at 12.08.06Sonntag früh waren wir zum Gottesdienst in der Baptist Church Mumbai mit unseren Freunden verabredet. Der Gottesdienst war auf Hindi, die Predigt wurde für uns ins Englische übersetzt. Anschließend waren wir von den Gemeindemitgliedern auf Chai-Tee und Keksen im Außenbereich eingeladen.

WhatsApp Image 2018-02-13 at 12.08.18Wir wurden von allen, besondern den Kindern, sehr herzlich begrüßt und aufgenommen. Gleich in der Nähe gingen wir anschließend zu einem typisch indischen Frühstück – für uns um 11 Uhr schon ein frühes Mittagessen. Für ganz mutige gab es noch die

Möglichkeit über den lokalen Fischmarkt (nichts für empfindliche Nasen) zu schlendern.

Da man bei einer Stadttour mit 11 Personen schnell den Überblick verliert haben wir uns anschließend in 2 Gruppe aufgeteilt. Eine Gruppe ersteigerte auf dem Colada-Basar erste Klamotten-Basics und erschnupperte diverse kulinarische Angebote, bevor ein Treffen bei McDonalds dazu diente, die Gruppen neu zu mischen.

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Kala Goda

Unsere Gruppe hat die Tour mit einer leckeren frischen Kokosnuss gestartet und ist anschließend über einen Künstlermarkt, das Kala Ghoda Street Festival (großes Getümmel) und am Gate of India vorbei geschlendert. Klein wie die Welt ist trifft man inmitten des Indien Getümmels Bekannte aus Stegaurach.

Um den Tag abzuschließen haben wir uns im Hotel zusammen gesetzt und erste Lieder fürs Agape Village – inklusive Choreographie – einstudiert und anschließend dort lecker zu Abend gegessen.

BLOGEINTRAG No. 1 – by TILL

Hallo liebe Blogleser und Freunde von Seek and Care!
Nun bin ich bereits über einen Monat in Indien, 48 Tage außerhalb von Deutschland und somit ist bereits ein gutes Drittel meiner Zeit in Indien schon vorüber. Langsam wird es also Zeit, mal von mir hören zu lassen und bei all den Jahresrückblicken, möchte ich auch meinen der letzten Tage und Wochen zum Besten geben. Zugegebenermaßen, ja ich bin etwas schreibfaul geworden und ja, ich nehme mir felsenfest für das neue Jahr vor, öfter von mir zu berichten. Da ich mein Reisetagebuch nach anderthalb Wochen ebenso wenig pflegte, wie meinen Blog, hoffe ich aber mich an alles zurückerinnern und euch einen kleinen Einblick in mein Leben Fernost geben zu können.

Am 14.11. startete ich in mein Abenteuer Ausland. Das erste Mal allein reisen, fliegen und vorerst auch sein. Über Kairo ging es zunächst nach Abu Dhabi. Meine Flüge waren so getaktet, dass ich in der Wüstenstadt der Emirate ganze drei Tage verbrachte. Zur Einstimmung auf die kommende Zeit und zur Selbstreflexion war dies für mich nicht die schlechteste Entscheidung, auch wenn dieser Ort, für jemanden, der das erste mal wirklich allein reist, etwas trostlos sein kann, da ich bei meinen abendlichen Spaziergängen zur Nachungsbeschaffung teilweise auf wirklich niemanden traf. Laufen scheint dort nicht so verbreitet zu sein… Auf jeden Fall verbrachte ich die entspannten Tage mit Netflix, Pool und meinem 1000-Seiten-Wälzer von Reiseführer, um nicht gänzlich unvorbereitet in die kommenden Monate zu starten. Nach drei Tagen in der schnieken Plastik- und Komsumwelt des Golfstaates, dessen einzige Intention das Ausgeben von Geld zu sein scheint, war ich dann aber auch froh endlich Mumbai, Indien und IMCARES kennenzulernen, eine Welt, die, wie mir zuvor schon bewusst war, deutlich sympathischer und aufregender sein sollte.

Den letzten Flug entspannt hinter mich gebracht, wartete bei Ankunft noch eine kleine Überraschung auf mich, da man es bei den anstehenden Kontrollen mit persönlicher Befragung auch wirklich genau wissen wollte.
Am Flughafen empfing mich dann trotz langen Wartens (Flugverspätung, Kontrollen, Gepäck…) Sonali, die Frau von Timothy Gaikwad (CEO). Mit dem Taxi ging es dann 40 Minuten durch das Großstadtgetümmel von Mumbai, bis hin zum Office von IMCARES. Mitten am Kreisverkehr Nana Chowk, zwischen Hochhäusern und Verkehr, stand das verhältnismäßig kleine Häuschen, welches den Eindruck erweckte, es stand schon vor allem anderen hier und welches für meine Zeit in Mumbai meine Unterkunft werden sollte. Nachdem ich angekommen und mein Gepäck ausgepackt war, wagte ich mich dann neugierig hinaus die Umgebung zu erkunden. Ein paar Karten zuvor studiert, wusste ich, dass der Chowpatty-Beach ganz in der Nähe liegt und so verbrachte ich die abendlichen Stunden an eben jenem und sog förmlich die Luft, die neuen Eindrücke, Stadt und Menschen auf. Es ist ein ziemlich lebendiger Ort, an dem ich gefühlt der einzige Tourist gewesen war und den ich vom ersten Moment an sehr genoß, sodass ich noch ofter hier her kam. Am Sonntag nach meiner Ankunft wurde ich von Pastor Gaikwad in die Kirche eingeladen, von der Gemeinde auf das herzlichste begrüßt und lernte so auch die spirituelle Seite in den ersten Tagen ein wenig kennen. Ab Dienstag begann ich dann, die Arbeit bei IMCARES kennnzulernen. Mir wurde das Office samt Team vertraut gemacht. Die Tage darauf verbrachte meist damit, bei den Pavement Rounds, von denen Naomi bereits berichtete, mitzulaufen. Lange Strecken, die Großstadt-Hitze und Eindrücke, die kontrastreicher zu den Tagen zuvor nicht hätten sein können, prägten diese Runden und meine Wochentage in Mumbai. Es war nicht immer ganz einfach, vor allem wenn man als verhältnismäßig reicher Europäer so nah mit der Armut und Elend in Kontakt kommt, dann drängt sich doch irgendwie der unangenehme Gedanke auf, man könne doch so viel mehr für diese Menschen tun und dass das, was ich hier gerade tue doch nicht genug sei. Das unangenehme Gefühl des „Armutstouristen“ hielt zum Glück nicht lange an, dafür tat ich in den kommenden Wochen einfach zu viel Gutes, ob bei den besagten Runden oder bei der Hilfe am „Doktor-Dienstag“, an dem Bedürftige das Office besuchen und mit Medizin, sowie Essen versorgt wurden.
So vergingen meine ersten zwei Wochen und ich verbrachte die Feierabende häufig am Chowpatty-Beach – genoß eine leckere Erdbeer-Creme bei „Bachelors“, der sich zu meinem heimlichen Lieblingsladen gemausert hat und den Trubel um mich herum – und konnte so auch sehr gut abschalten oder wanderte auf den nahegelegen Stadtberg um in den Hanging-Gardens dem Verkehrslärm zu entfliehen. Mumbai hat wirklich viele schöne Ecken, die ich schnell zu entdecken wusste und so fühlte ich mich relativ schnell wohl in meiner neuen, doch so andersartigen Umgebung.
Am Wochenende erkundete ich dann auch entferntere Teile der Stadt und ging auf Sightseeing-Tour. Gateway of India, Taj Mahal Hotel, der berühmte CST-Bahnhof, die Höhlen von Elephanta-Island, Cricket am Oval Maidan, Basare… all das musste erkundet werden und ich hatte meine große Freude daran Stadt und Einwohner zu erleben und bei Chai und Gesprächen kennenzulernen.

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Buntes Treiben in den Märkten Mumbais

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Gateway of India – Vom Boot aus, mit dem es Richtung Elephanta Island ging

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Menschen begegnen am Chowpatty-Beach

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Cricket auf dem Oval Maidan

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Nach geplanten sieben Tagen, die sich dann doch auf zwei Wochen ausdehnten (irgendwie symptomatisch für die Mentalität der Inder) verließ ich jedoch Mumbai, um den vermutlich größeren Teil meines Aufenthaltes kennenzulernen und reiste mit Timothy, Sonali und Pastor Gaikwad in die Nähe von Pune in das Agape Village von IMCARES. Die Kinder empfingen mich mit großer Freude und einem Strahlen im Gesicht. Auch wenn es ab und zu kleine sprachliche Barrieren gab und gibt habe ich mich allerdings perfekt im Dorf eingelebt und eine gut Bindung zu den Kids aufgebaut. Die Tage waren sehr verschieden zu denen in Mumbai. Fernab vom Verkehrslärm und dem Großstadt-Smog der Metropole, tat es auch gut die bessere Luft, Sonne, Natur und das meist entspannte Leben zu genießen. Außer einem Weekly Off, einem freien Tag in der Woche, den man auch braucht, ist man im Agape Village sehr eingebunden. Es ist kein Gefühl von Arbeit, da ich vor allem dort und mit den Kids und den Betreuern zusammen lebe, aber das ist auch das schöne daran. Sobald es was zu tun gibt, sind Naomi und/oder ich zur Stelle, ob bei den abendlichen Hausaufgaben, beim Volleyball- oder Fußballspielen, beim Schach (auch wenn ich nach gefühlt 8 Jahren noch keine Chance habe), in der Küche beim Kochen vor oder Abwasch nach dem Essen, bis zum Reparieren von Wasserhähnen. Wenn die Kinder tagsüber in der Schule sind hatte ich auch oft wieder Zeit für mich, Ausruhen, Lesen usw.. Was ich im Agape Village gut kann ist irgendwie Entschleunigen. Ich lebe von Tag zu Tag und es ist wirklich leicht, einfach mal abzuschalten und so kommt es auch dazu, dass die Zeit hier sehr schnell vorüber geht und die Blogeinträge etwas zu kurz kamen.

Mit meiner Ankunft im Agape Village begann auch die Weihnachtszeit. Anfänglich war ich etwas skeptisch, ob denn irgendwie Weihnachtsgefühle, aufgrund des Wetters, der neuen Umgebung und der Kultur, entstehen mögen. Zum Glück wurde aber zu Hause an mich gedacht und mir vor meiner Reise sogar zwei Adventskalender mitgegeben. Zwei Wochen vor Weihnachten wurde dann eine halbe Woche fleißig damit verbracht das Musikvideo für die Weihnachts- und Neujahrsbotschaft des Agape Villages und IMCARES zu drehen. Vier Tage lang wurde getanzt, gesungen, geprobt, gedreht und die Kinder hatten mächtig Spaß daran, auch wenn es zeitweise sehr anstrengend war. Der Aufwand hat sich allerdings gelohnt und die Kinder waren Stolz wie Bolle, als wir ihnen das erste Mal das veröffentlichte Video zeigten.

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Lebender Baumschmuck…

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Indische Weihnacht

Eine Woche vor Weihnachten wurde auch das Weihnachtsprogramm aufgeführt. Die gesamte Woche hatten wir uns schon darauf vorbereitet, Die Tänze geprobt (der Tanz der Jungs war mir dann doch etwas zu schwierig für die kurze Zeit), Bühne aufgebaut, Weihnachtsbaum geschmückt… Ein großer Aufwand, der sich gelohnt hat, für einen Abend, an dem alle ihre Freude hatten und von dem Naomi im Blog schon ausführlich berichtete. Zwei Tage vor Weihnachten ging es dann nochmal für eine Nacht nach Mumbai. Jarden, Naomi und ich waren zur IMCARES-Weihnachtsfeier geladen. Trotz der relativ kurzen Distanz nach Mumbai, die man auf deutschen Autobahnen vermutlich in 1,5 Stunden runterrattern würde, war es doch ein etwas anstrengender Trip. Der anschließende Abend mit Essen mit den Mitarbeitern, dem Testen einer indischen Spezialität zum Nachtisch, die für mich nach einer Mischung aus Seife, Tabak und sämtlichen Gewürzen aus Papas Gewürzschrank schmeckte, und dem nächtlichen Weihnachtsgesang im Hause Gaikwad, war aber umso schöner. Nach einer kurzen und viel zu warmen Nacht ging es im Morgengrauen schon wieder zurück. An alle, die sich gerne über meine Pünktlichkeit zu Hause aufregen: Hier bin ich verhältnismäßig vorbildlich wie ihr. Also verpassten wir trotz aller Mühen und Rennen zum Bahnhof unseren Zug. Doch wie es hier läuft, kam zeitnah dann doch einer nach Pune und ich erlebte eine lange, etwas abenteuerliche und vor allem sehr enge Zugfahrt. Irgendwie klappt ja doch alles. In Pune kauften wir dann etwas übermüdet noch alle Köstlichkeiten für das weihnachtliche Festmahl ein. Die Weihnachtszeit war also, wie man es auch von zu Hause kennt, irgendwie ein bisschen stressig, aber genauso schön.

So vergingen die drei Wochen im Heim sehr schnell und eh ich mich versah, war auch schon Weihnachten und mein Geburtstag. Da bereits zur Weihnachtszeit ein Schulfreund der Kinder und dessen Familie bei uns feierte von denen Kinder Schuluniformen geschenkt bekamen, wusste ich schon, wie ein Geburtstag in Indien so abläuft. Also wollte ich unbedingt mit Jarden, die auch am 24. Geburtstag hatte, mit den Kindern eine Geburtstagstorte (wurden dann zwei) verdrücken und wie es hier so brauch ist, landete davon auch einiges in meinem Gesicht…

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Da ich aus der Heimat noch ein Weihnachtspäckchen zugeschickt bekam, konnte ich sogar Dresdner Stollen und am Tag darauf selbstgebackene Plätzchen kredenzen. Für den 24. Dezember hatten Naomi und ich den fantastischen Einfall, für alle dreißig Leute zu Weihnachten ein deutsches Drei-Gänge-Menü zu servieren. Da allerdings keiner außer uns wusste, wie man das kocht (eigentlich garnicht so schwer – einfach sämtliche Gewürze weglassen), verbrachten wir die meiste Zeit des Tages in der Küche um Kartoffelbrei zu stampfen, Eier zu braten, Spinat zu Kochen, einen monströsen Topf Hühnersuppe zu kochen und einen Turm aus Pfannkuchen zuzubereiten. Zum Glück hatten wir aber tatkräftige Unterstützung unter unserer Anleitung, sodass sich große Talente für den Crepes-Stand auf dem heimatlichen Weihnachtsmarkt hervortaten. Am Ende hat es zum Glück allen geschmeckt, auch wenn es bei manchen Kids noch einer dicken Schicht Chilipulver über dem gesamten Teller bedarf, was ein sehr witziger Anblick war. Für mich war es schön auch mal wieder etwas Nicht-Scharfes zu essen. Nachts wurde dann in den 25. (Hier Weihnachten) reingefeiert, am Lagerfeuer das halbe Feld verbrannt und auf der Bühne ausgiebig getanzt, sodass ein Weihnachtstag verging, der zwar verschiedener nicht sein konnte, aber ein unglaubliches Erlebnis war.
Vor drei Tagen bin ich dann wieder nach Mumbai zurückgekehrt um Silvester hier zu verbringen und auch nach 7 Wochen mal wieder ein paar Bier zu genießen. Nun sitze ich auf dem Bett in meinem Zimmer und schreibe die letzten Zeilen meines hoffentlich nicht zu lang gewordenen Blogeintrags nieder. Ich wünsche euch allen ein fröhliches und gesundes neues Jahr und hoffe, dass ihr alle gut reingerutscht seid und gerade Spaß beim Lesen hattet. Ein Vorsatz fürs neue Jahr ist auf jeden Fall, dass ihr wieder öfter von mir lesen könnt.
In diesem Sinne: Parat bheta!

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